Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 59 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 235 (sequence 3)
- Language
- German
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235 i seiner Almah konnte daS Glück keine Macht haben, die Religion, die Liebe und Treue auSzulöfchen oder zu crtödten, welche das Unglück in'S Dasein gerufen. DaS Erscheinen des alten Gonzalo'S und seiner Familie in England, kurze Zeit nach AlvarS Änkunfr daselbst, nahm ihnen die letzte Sorge um theure>Angehörige und gab ihnen erneute Veranlassung zur! Dankbarkeit. Nicht ein Glied von de- Kaufmannes Fannie, und waS noch wunderbarer ist. nicht der geringste!cheil seine- EigenthumS, war bei der allgemeinen Zerstörung zu Grunde gegangen, und bis auf den heutigen Tag vertheilen feine Nachkommen, zum Andenken an diese wundervolle Rettung, an jedem Jahrestage de-' schrecklichen Erdbebens Kleidungsstücke an männliche utzd weibliche Arme. Erzählungen aus dem Thierleiben. ». D ie Spinne. > Im urgraucn Allcrihume, als noch die ^hicre unter dem beglückenden Scepter eines Regenten lebten, da verfielen fie auf die vielverheißende Idee, eint allgemeine Kunstausstellung zu veranstalten. So wie in unfern Tagen, waren auch damals die großen, kleinen und kleinlichen Künstler, nicht hinter aber die kleinen, großen und allergrößten Eharlatsne in reichlicher Zahl vertreten. Unter diesen Naturkünstlern thaten sich vorzugsweise bervor: daS Schaf durch seine schneeweiße Wolle; die Biene durch ihren köstliche» Honigseim und ihre symmetrisch gearbeiteten WachSzelleN; ferner die Raupe durch ihre prachtvolle Seide und endlich die Spinne durch ihr Staunen und'Bewunderung erregendes Gewebe. Daß Letztere bei dieser ersten Meltaus tellung den höchsten Preis davon getragen, bedarf kaum der Erwähnung. Allem die Spinne vom überaus günstigen Resultate ibres'Versuches angespornt, überdies aber von einer hockfahrenden Künstlernatur besessen, sollte auch die praktische Tragweite ihrer Kunstleistung vo» den böckstweisen Kunstlichtern anerkannt und gewürdigt wissen, behufs dessen sie eine Unzahl Fliegen. Mücken ustd sonstiger Insekten eilends zusammenfing und selbe in ahr Gewebe mit geübter Meisterhand einflocht.! ..Hierzu also", rief-der Tbierkönig über diesen mörderischen Anblick auf's höchste empört, mit g« rechter Entrüstung auö. „hierzu also dient Dein allgemein bewunderte- Kunstgewebe?! Deine Mitbrüder umgarnend der Freiheit und deS LebenS zu berauben, verwendest Du Deine unvergleichliche Gewandtheit und Ku rstfertigkeit? — Fort, fort auS unfeter Mitte! Eine dei Untergang Anderer bezweckende Kunst des TrugeS und de' List wollen wir nie und nimmermehr dulden. Auf diese Worte verschwand die Künstler n auS dem Kreise der Thiere. Seit jener Zeit, so erzählt die Sage, weilei die Spinne in den Wohnungen der Menschen. — \ . *' DaS Rothkehlchen. 1 Ein niedliches Rothkehlchen, von fernem Winterquartiere eben heimgekehrt. wurde in seinem herrlichen Gesänge durch eine Unzahl Frösche, die im nahen Sumpfe hausten und um die Wette schrien, unangenehm gestört. „Aber wozu penn buch dieses unaufhörliche Schreien", rief daS SZothkehlchen eiwas erboßt der tobenden Menge zu. „Nur nicht fo neidisch, Herr Singmeister," eppiederte die Versammlung in Eitlerem Tone, „wir üben ^nS ja nur ein wenig im Singen,, auch wir wollen, wiie Du, von den Menschen geachtet und geliebt werden." „So", seufzte das! Rothkehlchen auS gepreßter Brust, „den Menschen zu gefallen, ihre Liebe zu gewinnen, ist Euer Etteben; ein wahrhaft lohnendes Ziel. Ist doch meine liebe Mutter a»S purer Menschenliebe den ganzen Winter hindurch gefangen gewesen, bis fie eine Leiche ward; den Hauskatzen vorgeworfen Menschenliebe!-" dieS. Nun fingen fie ein ohran. daS noch _jetzt den Wanderer Pie Leute lassen sie auch — und endlich als Futter in der That aus pure. Die Frösche hörtet zerreißendes Quaken aus ihrer Nähe verscheucht, in Ruhe. Ein Glück, daß ur sere jungen Poeten mit der Weisheit Salomo's unbekamt, die Sprache der Thiere nicht i verstehen. Moritz Ebrentheil. Unsterblich. Nach dem. I Nidrasch (rcfe.äRrrcn) Blickt ein Rächer hin zum Srabe, Glänzt sein.^Äuge thrünenschwer, „Ach waS frhmmt mir meine Habe? „Ist mein volles HauS doch leer! i - „Fehlt der reiche Kindersegen „Mir bei all^m Reichthum doch; „Wenn sie einst in'S Grab mich legen, "„Wer gedenk^ mein ferner noch? „Herr deS LebenS! ach waS helfen „Meine Müh'n in dieser Welt? „Ist mein 'Name dock verschollen. „So mein Leib in Staub zerfallt. — So deS Kindierlofen Klage; Doch der Hesr ihn tröstend mahnt: Sieh! für deine Lebenslage Hat. mein-Wort dir Weg gebahnt. — Willst du meine Wege gehen? Meine Wege, bist' zum Licht. Stehst du auf der Tugend Höhen. Dann erlischt dein Name nickt. Hast du. Sterblicher aut Erden. Saat der Liebe auSgestreut, -