Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 59 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt Zur Neiehrung und Anterhattung auf jüdischem HeKiele. f HerauSgegebku von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Boa vlesrr geitsckrif» erlch«tar »ö^eatlick «ine Stummer. Brei« r^lO* 3d* I8d7.1 'Aanfl* 1 Iblt- LieritljLIirtg?'/, Star, so« BuLdondlun-en >- -* und Zeiritngsexpeditionea nehmen keitellun^en a». Site L?h'g. 4. Quartal. ■ 1 s Halste Ro. 3Z—63.1 Die Aettung.! 1755. (Rach einer Thatsache.) Aus dem Englischen der Miß Graee Aguilar. tSchlutz.» | Fon, fort eilte Alvar mit seiner kostbaren Bürde, fort, über die Trümmerhaufen; fort, unverleht unter einem Hagel von Steinen, die, so leicht in die «öbe geworfen wie ein Ball von Kinderhand, mit hundertToden beladen wieder zurücksielen; fort, über die schwankend^ und berstende Erde, die Tausende verschlang, zerschmettert^ und verstümmelte. schlimmer, als wenn sie gleich gestorben wären — denn ile waren langsamen Duale» Preis gegeben, und starben taufend Tode, el'C sie ihr Enke erreichten; fort, über Haufen entstellter Leichen und unscheinbare Trümmermaffen einst prächtiger, und stolzer Gebäude. Sein Auge war fast geblendet von der schlitternd«!»! und schwankenden Bewegung aller Dinge, lebender wie liebloser, um ihn her und fein Pfad verdunkelt durch dir plötzliche und furchterregende Finsterniß, welche daS helle, strahlende Blau des Himmels in ein Leichentuch von tiestr, schrecklicher Schwärze verwandelt, hatte, die jede Minrite dichter und dichter wurde, bjS^klne Finsterniß, die man Igewiffermaßen hätte greifen können, die dem Untergänge geweihte Stadt wie mit dein graufigen Schatten des Todes umhüllte. Sein Ohr wurde betäübt durch die Schreckeqslaute menschlichen Jammers und der zürnenden Natur;j denn bald kamen Töne wie auS hundert brausenden Wasserröhren, daS dumpf anhaltende Rollen unterirdischen DoynerS, der zuweilen so laut wurde wie die Entladunä von tausend Feuerschlünden; bald glichen sie dem scharfes, knirschenden Schall Hunderter und Hunderter von Wagen, die in voller Eile über Steine sausen; diese Töne, vermischt mit dem durchdringenden Kreischen der Weiber, dem! rauheren Geschrei und Rufew der Männer, dem tiefep, schrecklichen Stöhnen innerlichen Schmerzes, und dem gestendern Schrei augenblicklichen Todes, hatten die frühere! beängstigende Stille in der Natur verdrängt, bis jeder Oinn der Wenigen, die noch am Leben waren, betäubt > und zerrüttet schien. Und die Natur selbst, aus ihren Fugen gerückt und von fesselnden Banden befreit, schien wieder in daS Chaos zurückstürzen zu wellen, auS dem ste auf daS Wort GotteS entsprungen war. Immer, immer eilte Alvar vorwärts, unversehrt unter allen diesen Schrecken, alö ob der Arm einer erbarmungSauch hob sich die Er von» Grund bis £rm weitere Beschädigung vollen Borfebung ihn und seine Almah beschützte und sie inmitten deL Todeium Leben bestimmte. AIS er an die Trümmer der prächtigen PaulSkirche kam, welche beider ersten Erschütterung seingefallen war und die andächtige Menge in ibrem Stürze zerschmettert hatte, blieb er einen Augenblick stehen, unentschlossen, ob er ssch nach den Ufern ' des Flusses wenden, oder immer noch den westlichen Höhen zueilen. sollte. Cs. war, eine augenblickliche Stille und Ruhe in den Zuckuygen der Natur eingetteten, aber Alvar wagte nicht zu hoffen, daß ste erhalten würde. Bald de wieder, und Häuser öffneten sich Dache und schlossen sich wieder ohne . Mit einem kurzen. inbrünstigen Gebet um fernere- Ljeitung und Beschirmung, kaum sich selbst bewußt, welchen Weg er wirklich einschlug,, und Almah 'immer noch!n feigen Arwen'trügend — so über-' natürlich gestärkt, daß MenschenschwäHc ihm ganz und gar fern zu bleiben schien — eilte Romiguez weiter und schlug den offensten Pfad nach Höhe der Estrella ein. Ein freier Platz war erreicht, auf halbem Wege zum Gipfel, der die Ufer des Flusses und die Trümmer ringsum - überschaute. Keuchend, fast athemlos,! dock mit seiner eigenen Erschöpfung kämpfend, um Alinah Muth einzuflößen, ruhte Alvar einen Augenblicks ehe er sich von neuem in die engerbn Straßen auftoachte. Ein Stoß, heftig, erschütternd, zerstörend wie der erste, warf,sie zu Boden, wahrend evneuertes Jammergeschrei, furchtbares und wiederholtes Krachen aus allen Seiten,, vas Der-, schwinden von Tbürmen, die noch stehen geblieben »»rrn, weitere Zerstörung hekundeten. Ein neuer, fur^tbaTr Schrei, „bas Meer'. daS Meer!" vergrößerten den, allst' meinen Schrecken. > Alvar sprang eckpor, und sich fest umschlunaeZ haltend. blickten er und Almah abwärts. Kein Lufthiiuch bewegte sich, aber hoch tobte der Strom (der hier eint Meile breit ist,.und leicht für daS Meer selbst gehalten . werden könnte) und! hob sich.! wie von einem mächtigen Sturme gepeitscht, rmtz heran kam er. brüllend, schaumend, sich überstürzend. alS ob jede Schranke durchbrochen wäre, heran, über das Land bis in die Mitteiderheimgesuchten Stadt, Hunderte in seinem Laufe fortteißend und sich dann mit solcher Schnelligkeit und fo weit über seine natürlichen Grenzen zurüchzkhend, daß Schisse auf dem Trocknen lagen, welche fstnf Minuten'zuvor sieben Faden Was-- ser gehabt hatten. Zu mehrfach wiederholten Malen trat diese Erscheinung rin; die größten Schisse wurden dann in einem Augenblick mit furchtbarer Schnelligkeit um