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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 51 (1857) · p. Seite 203

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
51 (1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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verschleierte Jungfrau auf ihrem unermeßlichen Felsensockel vor sich, wenn die Sonne -ihre goldenen Strahlen über daS, mit ewigem Firnschnee bekleidete Silbkrhorn ergoß, das hoch in die Lüfte ragend vom dunkelblauen Himmel sich abzeichnet, oder wenn die Nacht herabsank, mit ihren Sckatien di« Tiefen, die Felswände und hie Berge zudeckend und über den schwarzen Schleiern stbweben, vom Silberschimmcr des Mondeüberstrahlt and von den Stein«» am lichtblauen Himmel angelsuchtet. die bisgipfel des EigerS. des Mönchs, der Jungfrau und der MittagShörner hock derab. wie aus einer höhern Welt; wenn man durch die Tbäler, an den Staubbächen und Wafferstürzen vorüber, über die Riegel und Kämme unk Scheidecke, entlang den schaumenden Gletschkrbäcken. durch die Waldesstreifen und hohen Matten tagelang zievr. an den zerklüfteten Hörnern der FelSgebirgc dabin. die «rille der Hochalpen nur dann und wann durch die geisterhaften Klänge des Alpborns und seines Widerhalls unterbrochen — ja da fühlt man sich anders, die gewöhnliche Welt der Menschen so fern, und ohne daß man!diese verachtet, doch von der Empfindung durchdrungen.1 daß sich ^der Mensch Ameisenhaufen gebaut unv sich da bineingescharrr hat und Dingen nachgebt, zu denen er doch nicht so. bestimmt war — ja. mein Freund, lassen wir alle Sophistereien hinweg und halten die Ueberzeugung fest. daß nichts erbebender und läuternder auf uns lwirke nls die Anschauung einer großen Natur und der Ge^iuß der Kunst, so lange dieso^ Letztere ihren wahren Zweck versteht und verfolgt. — Allgemeinen noch . ^Docks laffrp Sie «ich. von diesem £■*"**" egn>1 ^.nkersetzen und Alle, die ihre Zuflucht dahin nehmen. Baden kommen. Ich st,eg zum neuen Schlösse hinauf unt immerfort den Sobn" um die warme O-uelle, wie sie unmittelbar tius dem Felsen springt, zu sehen. Der Weg fübrte mich an der katholischen Kirche vorüber: es war irgend ei^ Festtag: der, obschon es am Sonnabend war. eine ungeheure Menge in die Kircke geführt hatte. Die Thüren'standen offen, der ganze Raum war gefüllt und selbst an der Pforte standen noch andächtig lauschende Menschen. DaS kräftige Organ deS noch, jungen Predigers drang durch den nicht zu großen Raum der Kirche, und man verstand die meisten seiner Worte auch draußen noch. Er sprach gerade ungefähr: „Gon will keine halben Kindcfi! er will, daß wir ihm ganz angeboren: wir dürfen flickt schwanken zwischen der Welt und Gott, wollt ihr der Erde sein, dürft ihr euch Gottes nicht rübmen; wollt ihr GotteS sein, müßt ihr der Erbe entsagen, sie verachten, sie von euch weisen." — Er schien diese- Thema noch weiter auSführen zu wollen und ick ging meines WegeS. Aber der Gedanke verließ mich lange nicht, wie viel Abbruch der wahren, echten Religiosität, wie sie in Gedanke, Wort und That sich bewähren soll, durch die Ueibertreibung geschlbht, mit Welcher die geistlichen Lehrer des Volkes nur dann Ergebenheit an Gott, Gottesfurcht vnd Demuth vor Ihm. nur in der Verachtung deS Erdenlebens. deS ThunS und Waftens auf Erden, des Wirkens unid Schaffens in der Menschenwelt finden wollen! Entweder ihre Meinung faßt Wurzel, und welche Verwirrung, welche Trostlosig. kett würde auf Erben dann Platz greifen,j oder aber, und dies ist meist der Fall, die Hörer erkennen dies als phrasenreicke Uebertreilbung, schlagen in das Gcgentheil über und lernen das Wort der Religion verschmähen. Ist ni*y an den Menschen und ibrer Wirklichkeit genug zu bessern, ist eS nicht hinreichend Aufgabe, das Leben von der Religion duvchdringen zu lassen, als daß man kie Kluft zwischen beiden durch solche krasse und unwahre Gegensätze, durch solche schneidende Entweder-Oder zu erweitern sucht?! Die Religion Mofis und daganze Jubenthum. wo es nicht I tu spaterer Zeit zu ihm eigentlich fremden Ausschreitungen gekommen. kennt diese Verachtung des ErdcndaseinS nickt, sondern will den Israeliten zu einem in Furcht und Gehorsam gegen Gott, in ernster Gläubigkeit und Hingebung rüstig und fromm schaffenden Leben erziehen. Wo daS Judenthum hiervon abweicht. bar eS den Geist seiner Lehre verlassen. ^.SechS Tage sollst du arbeiten, und der siebente sei Ruhe dem Ewigen, deinem Gotte!" Dies! ist das EbaraktepiSlicuin deS JudentbumS. — — Zu Mittag speisten wir an. einer jüdischen Table d’bote, (Hcrtzen genannt); beiläufig gesagt, so vortrefflich. so mannichfaltig -unfin Fülle, wie wir es auf der ganzen Reise nicht wieder gesunden. Neben uns saßen einige Leute, die sich lebhaft unterhielten. Man erzählte einen Fall, wo rin. Mann, unverschuldet ins Unglück gestürzt, nach Amerika gegangen war. und sich dort bald zu gutem Wohlstände bcraufgearbeilel bgtte. „Ja." fügte ein ältlicher Mann bistzu. „Amerika ist, wirklich nur für die Juden entdeckt worden, da sie da ihre Zuflucht finden!^ ES knüpfte sich an diese Aenßerung ein lebhafter Dtspur, denn einer der Anwesenden. der einen in sich gekehrten Sohn neben sich batte, wollte mit aller Müde Amerika J»nd immerfort man merkte, es stehe die» in ge-- diesem. -Ich achtete deS ganzen nn mir stand nur der AuSruf jenes ältlichen Mannes in der Seele. Welche ein charakteristischer Zug für -diclganze jüdische, namentlich ältere Masse! Wie bezeichnend, ick möchte, sagen für die ganze Geschickte der Judenheil!. Die göttliche Vorsehung hat Amerika nur zum Heile bedrängter Juden entdecken lassen, und nur um dieser Willen fübrte ColumbuS sein keckes Schiff durch die groß« Wafferwüste! Welche Kraft des Glaubens, welche Ueieizeugung von der innigen s Beziehung zwischen Gott und Israel! Lächelt nur darüber, oder spritzt euren schn ibenden Hohn darüber aus — wie oft steht ihr vor dem Räthsel der Geschichte dejüdischen StammeS. und könnt flickt begreifen, wie dieser sich durch die Jahrtausende des Haffes und der Verfolgung, durch eine Welt des Druckes und des Blutes erhalten konnte — dieser Greis mit seinem naiven Ausruf giebt euch den Schlüssel dazu. Dieser unerschütterliche Glaube, diese feste Ueberzeugung. die noch dazu ibrer selbst unbe«- wußt war. von der unmittelbaren Führung Israels durch Gott, diese waren eS. welche jenes Wunder bewirkt h«rben, und geben fo ein merkwürdiges Zeugniß von her Felsenkraft der Idee, so diese nicht gemacht. sondern naturwüchsig ist. — 4 . Solche Plätze übrigenwik_ Baden-Baden. wie ich dies oben. Ihnen geschildert habe, hinterlaffen das angenehme Gefufel, daß man von ihnen befriedigt ist. »feite.

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