Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 51 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I Jüdisches Vottsblatt Zur Belehrung und Anterhaltung aus jüdischem AeSiete. Hrraußgegebeu von > Rabbiner Vr. Ludwig Philippson in Magdeburg.! l«o. S1. 18571 ®rn d,ti'»r geils<i>n<l *rfdi»tst »ödrcntli* tlnr Summer. »rcii-te# jabr* r « _ I ~l Wi* I IMr. L,.rt.It»drig?'/, ««r. «L, ^u»dq,»lung.u.»eftarnttr I 4» TtHtNOÜ. unB UruungstsprBuionrn n*bw£« #eB«ßnna*irTrf. 1 » ' r | . Briefe nach und aus der Heimath. in. So find wir denn, noch langen Krevz- und &un> zügen. hier in dem weltberühmten Baden angelangt, und gedenken einige Rasttage zu Kalten. iKrznst. Eleganz, Mode haben es unternommen, mitten i|t eine liebliche Gegend fich hineinzubauen, und den Bedürfnissen und Launen der reichen Welt einen Platz zu bereiten, wie er selten wiedergefunden wird. Es ist ein * eigenthümliches Gefühl, mit we.lchem man eine solche Stulle betritt. In die ländliche Stille, in die Einsamkeit «jine« BergkesselS bat fich ein großstädtisches Leben geworfe,. und ist zulett in ein Dasein zusastimcngefiossen. Don en Höben her« ^schauen Dir die «ftsten Bergsvitzen in'S Angesichts und freien Natur suchest; dichte'Maldesscha ten winken Dir von allen Seiten zu. und laden Dick cir. Dick in ibr gehsimuißvolleS Dunkel, in die Thäler und Schluckten, zu denen sie hinführen, zu versenken, ^bcr ringsum erbeben fich die prächtigsten MenschemvoKn^ngen. die elegantesten Hotels, in edelstem Srvle erbastle Hallen, mit k-stlrchen Fre-rogemälden an den Wändet, Säle, mit der Fülle des Reichthums geschmückt; darüber erbebt fich ein ausgedehntes Schloß; an den Bergabhätigcn sübren die gepflegtesten Parkanlagen binan; auf geräumigem Platze reihen fich die mir den feinsten Waaren gefüllten Boutique^; elegante Brücken führen über den Fluß;' Karossen rollen durch die Straßen, rlleiler und Reiterinnen schließen sich ihnen an; durch die Alleen handelst bie Herren und Damen im ausgesuchtesten Pütze; die Luft riecht nach Parftlms und Odeurs — wo bin ich? Und dennoch in der langen Aeihe von Jahren haben sich Kunst und Natur hier so tneinander geschickt, daß sie ick nickt zu widersprechen scheinen, da» agch die Natur einen eleganten Anstrich genommen, und so Allezu ein Inder zu gehören scheint. Dies ist da- Eigeothümlicke eine« solchen Platzes, und vor Alle» Baden-Badens, und dies macht es dem Beschauer, selbst wenn er aus der großartigsten Naturwelt kommt, interessant und angenehm. Wie es die Creme der Gesellschaft l tzbt. fehlt in der Lage und Umgebung Baden-PadÄ» alles Auffällige, «bzeichnende. Charakteristische. Jtintfum likbliche bewaldete Höhen. die aber weder an Hllhr. «ock an besonderen Formen bemerkbar find; etw.I^ßchenIfarft das rdal. aber weder tief noch reißend; warnte Quellen, deren . Heilkraft eine mäßige ist und an ^evolutionären Be- wegungkn im menschlichen Organismus keine Schuld tragt. So liebt es die sogenannte choße Welt, damit sie sich von der Majestät der Umgebung nicht erdrückt | fühle, nicht von großen erschütternden lEmpfindungen und > Gedanken gedrängt werde, und in ihr^r Kleinlichkeit Et- ■ waS gelten. Ttwsö auS sich machen Änne. I Es wurde AbhnV. Von Osten stiegen .Gewitter- : wölken auf und zogen der untergehen^en Sonne latinsam! -nach. Vor dem prächtigen Curhaus» füllte fich dbr Raulv; E buntgemifcht li(ß sich die elegant»' Mdnge nieder, werft» sie der Sessel babihaft. wurde. Anders -spazierten gedranän > auf und nieder. Denn in einem hübschen Pavillon ei- - hoben sich die Klänge eines gutbesetztjeW Orchesters, und s schwollen l bald sanfter, bald kräftigest über die Ebenen ' und die etwas zu laute Menge zu den Bergen hinan. »uaxd. s»« die Nacht stng an. ihre Schar ten niederzustnkenl. Da entzündeten sich zahllose Lampen und warfen ihre blitzenden Lichter auf die geputzten Men - scheu, auf den grünen Rasen, in daS! zitternde Laub der Bäume, das der Wind heftiger zu bewegen begann. Zu; gleicher Zeit strömte das. Sicht auS den Fenstern der Säle ^hickt und golden. Es war ein zauberischer Anblick. Da ^tischte sich der rollende Donner in dse fröhlichen Melo-! dieen deS Orchesters und bald< begann ein sanfter Sprüdi regen die glühende Luft zu kühlen, aber auch-die Menge > zu zerstreuen/ Durch Tft" ckikttgivfstreteirPforttn der Sale strömte die , Masse, und zog durch jene hin. und wieder: aber so groß sljtd die Räume, fo zahlreich die ' Appartements, dan dennoch kein Gedränge entstand. Voin ' sLulengezierten H^upt-Saale in den italienischen, der in! den buntesten Farben lacht ohne kuret grellendf Farben- > töne zu verletzen; von da in den gryßcn Ballfaal. über > dessen Spiegelwäiche Flora'ihre lieblichste Fülle ausge- - gossen, wenn auch nur in künstlicher Nachahmung; von! da in die Reibe der kleineren GesellfchaftSsäle. die mit l dem üppigsten Lurus auSgeftattet. mit vergoldeten Meubles j glänzend decorirt find. Alle diese Räume von den präch- , tigen Candelabers' und Kronleuchtern mit dem hellsten : Lichte durchgossen. Ivon den zahllosen Spiegeln das bunte Bild hundertfach ^ürbckwerfend. Freilich hat, in diesen Räumen auck der!^ Dämon de- Spiels seinen höllischen Sitz aufgeschlagen! lockt immer neue Opfer an fein«a- Altar heranMänner nnd Frauen drängen sich um die Spieltische; mit eiserner Ruhe macht Wc Banquier fein Spiel, ziehen die ^chroupphrs die Svld-^nnd Silberstücke ein »der schleudern sie dem Gewinner zu: ein wechselndes