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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 50 (1857) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
50 (1857)
Date
1857-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Kekehrung und Anteehaltung aus jüdischem ZeKiele. Heraa-gegebe» v»> » Rabbiner vr. Ludwig Philippso» in Magdeburg. sRo. SV. 18S7.1 B»v dieser ZettsHrift erschet»« »Hchrattich «t« Num»er. »angß 1 Ltzlr. Viert,ljSbri, V/, VU« I f| 7I|| and geituo-derpeditlonrn deatlich et« Num»er. Vrel« de» Sodr rm , , , KRr. Hü« CutbtanMungtn, üoftMur 14. JUPffl. 4 BMUrtil 1 un nedmen BeKellungen an. L * ^»***»**»*»J Im Borhofe des Himmels. Do» Emil LreSlaur. (EottbAt). t Ich war so ebeü gestorben. Noch tönte mir da- .Schmäh Israel- und .Adonai hu hoelohim* der im Zimmer versammelten jüdischen Männer in den Ohren, und mein Dater beugte fich über mich und drückte mir bitterlich «einend die Augen zu. Ethat mir leid um den alten Mann, dessen einzige Stütze seineherein« brechenden Alter'- ich fein sollte, und doch war emir «ine Genngthuung^. daß wenigsten- Einer mich aufrichtig betrauerte, denn wie Diele sterben, ohne daß auch nur ein Thränchen um sie vergossen wird! Sonst war mir da- Sterben gerade nicht schwer geworden, ich hätte nur gewünscht meine Bücher mitnehmen zu können. Doch tröstete ich mich mit dem Gedenken, daß die himmlischen Classiker den irdischen jedenfalls vorzuziehen seien, und daß ich dort oben ja auch die Verfasser aller meiner Werke in eigner Person stoben würde. Eine hübsche Gelegenheit, sich eine Autographensammlung «rzvlegen. die gewiß sehr kostbar werden würde, denn welcher irdische Autographensammler könnte sich rühmen, eine Handschrift vom König David und Homer, die man doch als ehrwürdig« Altmeister der Poesie zuerst begrüßen müßte, zu besitzen! — — Nun kleidete man mich in mein Todtenhemd und nach einigen Tagen wurde ich in einen Kasten gelegt und hinau-getragen. AIS ich im Grate lag, und schon Erde über mich geschüttet worden war. Höne ich plötzlich ein Geräusch, wie von scharrende« Thierfüßen. Gleich darauf Höne eS auf und ich vernahm > nur noch ein schmerzliche- Geheul, dasich immer meh^ und mehr entfernte. ES war mein kleiner, Neuer Hund, der mich selbst im Grobe noch ausgesucht hatte. — Mein Grab wurde beendet, noch bürte ich menschliche Tritte auf dem Friedhofe, bald entfernten fich auch diese; — endlich war Alle« ganz still. — — Das Sterben, dachte ich, ist nicht so schwer, aber daS Dergeffenwerden und die Worte Chateaubriand'- kamen mir in den Sinn: „8! un bornrne revennit ä la lomiere qnelqaes annees aprea sa wort, je doute, qa'll föt rem avec joie par ceox-la rnörnes, qni ont donnds le plus de lärmet a sa memoire: tant on forme yite d'aotres liaigODS, taot on prend facilecnent d’autres babitades, tant l'incoostance est natoreUe a l'bomme, tant notre vie est psttMe oboses» mörne davs le cvenr de uos amis."*) —> Ist eS denn ander-? fragte ich mich. Dringt die Kunde von unser» Heimgange an da- Ohr unsrer Freunde, nun. so-vergießt wohl Einer, dem man besondertheuer, einige Thränen, die Andern sagen: „SS war ein lustiger Bursche, schade um ihn.- Nach einigen Tagen ist man vergessen und old ob Nichtgeschehen, geht jeder wieder wie vorher seinen Geschäften, seinen Vergnüguygen nach. — Hat »au Kinder himerlassen. so weinen sie wohl um den Ernährer, legen ein Fahr lang Trauer an. und damit ist*- abgethan. — — Befaß mau ein Weib, die einem mit der innigsten Liebe zugerhan gewesen, die . einem oft gestanden, daß sein Tod. auch der ihrige sein würde, so ist ihr Schmerz natürlich anfänglich grenze»ld« und toa«Jh>fha», oermag ihre» aufgeregten Herzen Ruh« zu geben. Aber je größer der Schmerz, desto schneller die Heilung. Nach einem Jahre schon sieht sie sich nach einem zweiten Garlen um. Am längsten trauen wohl ein Mutterherz um dagestorbene Kind; aber man kann doch nicht ewig ttauern. Bald breitet fich ein Schleier auch über ihren - Kummer, unh der -Nebel de- Vergessenlagert fich auch auf ihrer Seele. Hin und wieder nur noch sprechendie Freunde von dem jovialen Jungen, die Kinder von dem seligen Dater. von ihrem ersten Manne die Frau und die Mutter von ihrem in Gott ruhenden Sohne.' Daist alle-. — Bald bist lu ganz vergessen! Darum—- bestrebe dich, durch gute That^n dem Gedächtuiß in die Herzen der Menschen dich ciihugraben und du wirst nie vergessen werden. — Dawaren meine Gedanken im Grabe. Da fühlte ich mich plötzlich vop unsichtbaren Händen erfaßt und in die Höhe gehoben. Uüd immer weiter ging die Lustreise über Städte, Dörfep, Flüsse, Meere, biich im Dorsaale de- Himmelabgesetzt wurde. Dieser war von unabsehbarer Äu-dehnung^ und eine große Menge wogte darin einhen Die Juden und Jubeuweibrr waren haupts-chttch an ihren weißes Sterbeklcidern erkennbar nnd verursachteu diese einfach«! Todtenhemden den letzteren keinen geringen Aerger. weicht gern Lyren Schmock und andern mitgenommen hätten, um selbst hiet oben -j- *) Sein ein Mensch «Uioe Jahre nach seine» Lode an'S Tage-licht znrückkehot«. so zwetst« ich. ob er selbst »o« denjenigen, dir seine» Andenken die »eisten LhrAWN gewacht haben, »it Freude wieder-eseben würde. So schnell schloßt au» andre Bcr*~ btndnnaen. s» leicht »l»»t »an andre Gewohnheiten an. so in* beständig ist die «rnschlich« Statur, so wenig ist unser Leben selbst 1» Herze» unsrer Freunde« —

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