Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 48 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Volksblatt «BefeQnnuj unü Unterhaltung auf jüdischem gebiete. HerauSgegeben von ( Rabbiner ilr. Ludwig Philippson in Magdeburg. lNo. 48. 1857.] Sen Nef.r gangs 1 Iblt. und S rrldjibrifl ^l/f Sk>,r. fOe Sudsbanblungn., 3kitungl(rvebitientn tubmtu S«ft<Qun*«n an. *•«■« [4. Iihrz. 4. ffiaartal. ]- I)r. Elias Aossi. i Biographische Skizze von Prof. dellasTorre. (Nach den Arch. isr. de Fr.) . (2-1'Nitz.» Bon Damiette ging Rosst nach dem Deltas' von da nach Tajum als Oberarzt eines Cavalerieregimeniitzs, dann nach Topazig und spater nach Mekalla-e!-«abira', wo die orientalische Pest in Folge einer Tbierfeuche erschienen war, welche alles Hornvieh getödtet Mattel dessen Leichname auf den Straßen zerstreut und in din Canälen angehäuft, die Lust verpesteten.e'Zn Mckalja wurde er selbst von dieser schrecklichen Krankheit ergriffen. ' ^EineS Morgens war er zu Pferde gestiegen, um sich nach dem 3 Stunden entfernten Regimcntc zu begeben^ da den Dienst zu versehen und die Soldaten in die heilsamsten Räumlichkeiten zu vertbeilen nach der weisen vvn ihm getroffenen Maßregel, die vom glücklichsten lftsolg bei der Epidemie gekrönt war. Ein schmerzhaftes Gefühl an der rechten Seile des Halses zog ihn plötzlich aus den Träumereien, in die er versunken war; indem er den Finger nach der schmerzhaft«, stelle bringt, fühl er eine kleine bewegliche Beule: er hatte die Pest. C> erschrak jedoch nicht; muthig und restgnirr, rubig selbst, setzte er seinen Weg fort. Beim Regimcnle angekoinmcr. girbt er seine Defeble, ißr. schläft ein wenig, dann lomuit er nach Mekalla zurück. Da schickt er diejenige», die ibn consultiren wollen, zurück, indem er ihnen ,»zeigt, daß er die Pest habe. Am Abend unterhielt er stch von weitem mit größter Ruhe mit den europäischen Beamten, legt sich zur gewöhnlichen Strmde zur Ruhe and schläft die ganze Nacht sehr sanft. Am andern Morgen gebt er ins Hospital, um seine gewöhnlichen Dejuchc zu machen, aber der plötzliche Ausbruch aller Symptome der Krankbeit läßt ihn kaum Zeit, auf's Pferd;j steigen, nach Hause zurückzukehren utzd^sich zu Bette zi: begeben. Die grausamen Leiden, die er erdulden mußt, . drückten ihn weniger nieder als die Einsamkeit, zu der r sich verdammt sah, noch dazu, da er. wie wir gesehen laben, nicht an die Ansteckbarkekk^'ber Pest glaubte. Ei, einziger Bedienter wurde ibm gelassen, man verbot s, lbst einem Barbier. ihn zur Ader zu lassen, drum that tV eS selbst. Am neunten Tage verlor er ganz die Besinnung, am elften erwachte er, er war gerettet, aber die Beulen, die seinen Körper bedeckten, schlossen sich zwei Monate lang nicht." Cr war noch nicht ganz wiederhergest^llt, alS intermittirende Fieber und Dysenterie von Neuem fein Leben, in Gefahr brachten. Um seine zerstört« Gesundheit durch die vaterländische Luft wieder herzustelleu, bat er den Vice» könig um einen Urlaub, welchen ihr dieser für sechs Monate mit halbem Solde bewilligte und gleich Befehl ertheilte, ihm bei seiner Rückkehr nererdings eine Anstellung zu geben. Cr reiste also Code Oktober 1843 ab. bestand die Ouarantaine in Svra und gelangte über Triest nach einer Abwesenheit von 6 Zähren nach Ferrara. seiner theuren Vaterstadt. Wir werden nicht dem gelehrten Biographen in seinen detaillirten Beschreibungen und Schätzungen der zahlreichen Arbeiten RossiS in diesen 6 Zähren seiner Beobachtungen und Erfahrungen, seiner Theorien und Heilmethoden und seiner gelehrten Abhandlungen folgen. Doch kann ich nicht ganz mit Stillschweigen übergeben, daß er hauptsächlich über die Pest tiefere Studien machte; er wankte einen Augenblick in seiner Meinung über das- Epidemische ober Endemische dieser Krqnkhekr^. irregeführt durch einige Falle, ahcr er kam zu seiner frübern Ueber« zeugung zurück, die er nun ebne Äufhvren verfolgte.' Diese Ueberzeugung begleitete ibn aus seiner Reise nach Europa, die er zu einer Untersuchung^ der mcdicinischen Archive und Bibliotheken Italiens, besonders Pifa'S und Ferrara'S benutzte, und sammelte daselbst die» Materialien zu einer „GeschiHte der Pest", über welches Werk er sejt lange schon sann.- um sein . Unheil auf unrrschütterljche Basen zu stützen» deshalb ließ er ftintn Urlaub noch 3 Monate verlängern. ' Während seineö Aufenthaltes in!Livorno-veröffentlrchte er ein Stück vom zweiten Theile dieses Werkes, welches er nach zwei Jahren fleißiger Arbeit vollendete, und .historische und kritische Chronik der Pest" nannte; eS erregte vielfache Opposition, wie das bei jeder neuen Idee der Fall ist. nicht allein von Seiten der Gelehrten, sondern auch von Seiten eines israelitischen Theologen, der Rosst mit vieler Bitterkeit vorwarf, durch physische Gesetze die Wunder der Schrift haben erklären zu wollen, waS gewiß nicht neu ist^).. Rosst bat auch in einem Briefe an seinen Pater, welcher als frommer und gläubiger Mann dadurch beunruhigt war, gegen den Vorwurf Protest««. „daß er nie die Mysterien (?) der Bibel habe 5. Sul brano di c'rönologia storico-eritica dclla peste del. sig. dott. Elia Rossi. Nota di Isach E. E. Ascoli, nno dei Rabbini esercenti della comunita israelitic^ di Ferrara. Livorno 1844. 15 Seiten in 8. '