Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 47 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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187 i Urthcil machte er in Allem -bewunderungSn^enhe Fortschritte; aber in seiner naiven uvd rührenden Dankbarkeit übertrug er deren ganzes Verdienst auf seinen Wohl» rhälter. den er bei seinen Krankenvisiten ti der Stadt begleitete, und befreundete sich auf diese Werse früh mit der Kunst, die er später mit so viel Erfolg au^üben sollte. Nachdem er auf diese Weise für das Studium ' der Medicin vorbereitet war. besuchte er mit Kielern Eifer die Universität Ferrara *) unter berühmten ^Professoren. Herr Finzi lieferte ihm wie immer die nöthsgen Bücher und Schriften. Da er selbst eben so wobl ^in gelehrter Theoretiker als geschickter Praktiker war, so diente er ihn als Repetitor; um ihn an die wissenschaftlilche Spracke zu gewöhnen, gab er ihm seine medicinische Korrespondenz abzuschreiben und ließ ihm Auszüge aus den Journalen und andern medicinische» Werken machen;, ev weible ihn dann auch in die Behandlung der Kranken eiin und sprach oft mit Eifer von den Pflichten des guten Arztes und den Tugenden, die ihm unerläßlich sind. Unter so glücklichen Auspicicn beendigte unser Rosst zu allgemeiner Befriedigung seine mediciaischen und chirurgischen Studien und erhielt sein Diplom, dessen Kosten die israelitische Gemeinde z^ Ferrara, welche der künftige Ruhm des jungen Gelehrten mitbest Zahlen sollte, zum Theil trug. Aber während seine arme unglückliche Familie mit an den Früchten seines Wissens Theil nahm, hatte er selbst nicht allein gegen die Hindernis e. die jedem jungen Arzte beim Beginne seiner Laufbaln entgegenstehen. zu kämpfen, sondern noch gegen »iel ernstere Feinde, welche in den Landen deS Papstes der uedicinischen PrariS der Juden hinderlich sind. Die Kanons erklären es für unwürdig deS Christen, sich v >n jüdischen Aerzren behandeln zu lassen und bedrohen Den Priester mir Absetzung, den Laien mit dem Banne, der sich dieser Herabwürdigung schuldig macht.^) Da^ Gouvernement wäre vielleicht geneigt, die Augen bei Vergehungen der Art zu schließen, eS weiß wahrfcheinlichf^aß die Leibärzte mehrerer Päpste, nach dem Zeugnisse eküeS strengen Prälaten,'*) Juden gewesen sind, und die Bevölkerung, die überhaupt freundlich, wo daS Gesetz ui duldsam ist, treibt durchaus das religiöse Dorurtheil nicht so weit. s) Rach der Bulle Leo XII. vom 9. Juni 18L5 und die Jutftn £um Studium der Medici» nur durch eiu^ specielle und versönltche Eoncession des Papstes zulässig; sie üehmen in der Schule besonder« von denen anderer Studenten getrennte Plätze ein; sie erhalten kein Diplom, sondern nur die Erlaubnis, die Medicin unter den Juden auSzuiben. servatis reliquo servandis etc. 3) Ich citire wörtlich ein denktiürdiges Stück, das einen Begriff von der Ausdehnung der Intoleranz giebt. 1 ie dem Bonn« Iheile und dem Hasse die heiligsten und theuersten Interessen der Menschheit opfert. „Sed noatria etiam aedibu« prohibentnr quantum fieri potest judaei. Certe si qui ex ipais medicin® arte polleant, hi nunqaam vocandi, ut suis nos cons liis, praeacriptionibus, medicaminibna juvent. Hoc enim adeo christiano homine indigtmm exwtimant aacri canones, n« st id fecerit clericua, hunc deponendom, si laicus, eecleaiai commtmione privandum judicant.* (Synod. Mattaei, Theil I §• IV., Seite <0.) Ich bade vor mir eia Attest zu Gunsten einearmen Teufel», der um die Erlaubuiß bat. sich von Herrn Fiuzl bebaudeln zu lassen, der eS unentgeltlich thun wollte. Die gegen die Juden gerichteten. Jnterdicte fallen, wie schon gesagt, chuf die Christen zurück, die eben so viel dadurch leiden. > i) Monsignor Marini, in den Archiutri ponöficii. daß eS sich die Hülfe erfahrener Aerzte versagen sollte; aber die Eifersucht und Furcht der kathoüischen Concurrenken sind immer da, um die Behörden anzurcizen und sie zu nötbigen. veraltete Gesetze in Kraft zu erhallen, den Apothekern zu verbieten, fßr katholische Kranke Medikamente zu bereiten, die von jüdischen Axrzten verokkrlet wurden, und bei ihnen strenge Untersuchungen zu machen, um dergleichen Receple in die Hände zu bekommen. Rosst haue demnach keine sehr lachenden Aussichten und war zuerst'dadurch emmuthigt, aber ein unerwartetes Ereigniß eröffnete ihm plötzlich einen Weg heS Heiles und entschied sein Schicksal. Da er gehört hatte, baß Mehe« mcd-Ali, der Vicekönig von Aegypten, in Italien Aerzte suchen ließ, um sie nach Mekka zu schicken, wo di« Pest große Verheerungen anrichtete, und Hadder Professor Venturd zu Bologna eine mit dieser Nachsuchung beauftragte Person sei, so zögerte er nicht, ^er bewarb sich, stellte seine Bedingungen, die angenommen wurden, betheiligte sich an dieser entfernten und gewagten Erpedition. unterstützt von bedeutenden Männern und verließ, obgleich schmerzlichen Gefühls, sein theurcs Paterland. seine Freunde, seine Verwandten, denen er sein ganze- Leben zu weihen versprach. 1 Als er am 1. Juni 1838 zu Livorno-askam, wurde er von dem Geschäftsträger des VicekönigS definitiv mit dem Range und der Eigenschaft eineS yberarzteS erster Classe aizgestelll und er reiste sogleich nach Aegypten ab. Das Fahrzeug. baS ihn trug, hielt an den Küsten SicilienS einen. furchtbaren Sturm auS. der drei Tage dauerte und dann. nachdem daS Wenn ruhig wurde, liefen sie in den Hafen von Palermo eini. um das Schiff ausbeffern zu lassen, woraus sie wieder in Sec stachen und ohne andern Unfall am 1. August in Aleraydrien ankamen, von wo das Gouvernement semen neuen Arzt nach Kairo, der Residenz des HauptsannätfirätheS. schickte. - 'und dort erhielt er seine Bestimmung für daS Hevjaz (das alte Land der Midianiter Arabia Petraca), wo ein ArmeecorpS rangirte. bestimmt, die Fortschritte gewisser religiöser Seelen äufzuhalten. Er reiste von Kairo auf einem Kameel ab, kam nach Suez und von da nach fünfzchntagiger, gefährlicher Fahrt in Jambo auf einem kleinen arabischen mit Pilgern gefüllten Schiffe an. „Da war Alles neu für ihn, . Klima. SittenLebensart, er hatte bei drückendster Hitze und unter vielen Entbehrungen große Landstreckcn in schrecklichen Wüstey zu durchreisen, unter Völkerschaften, die vollständig verschieden von den Unfern sind, und deren Sprache ihm gänzlich unbekannt mat.M Gr und der Apotheker, der kurze Zeit daraufmach Aegypten zurückkam, waren die einzigen Europäer in diesen wüsten Regionen. ' Da hatte.« Gelegenheit, seine medicinische» uizd chirurgischen Kenntnisse zu vermehren, neue Krankheiten zu beobachten, oder wenigstendurch daS Klima bedingte neue Formen derselben, oft'den Staar zu operiren und viele Augenkrankheite» zu behandeln, 'welchen dieses unglückliche Land unterworfen ist, sowie . alle Atten Verletzungen; und er war so glücklich in der Behandlung einer diesem Klima eigenen Krankheit, daß der General Selim-Pascha beschloß, in sein Lazareth alle Soldaten der andern Regimenter zu schiften, die von die^ ser Krankheit ergriffen waren. So konnte er. sagt sein Biograph, auch aufmerksam den^Wurm beobachten, der