Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 47 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches VolMlatt Retehrung und Änterhaitung aus jüdischem gebiete. Herausgegeben voo sRo. 47. 1857.] Rabbiner Dr Ludwist Philippson in Magdeburg. Bc>n kieker A»it ck>rif erscheint wöchentlich «ine Stummer. Prei» te» Iaör- »aiift« -i'rdlr. Sier eijilirig 7'/, Sk«r. Olle ^uchdanklunge». Postämter und Ztitungäexpediiionen nehmen P«öeUunu«n au. i4.Z«hrg.4.Gsartai.1 Briefe aus und nach der Heimath. (Schluß des zweiten Brieses.) l. Etil 2> Der Odenwald und der Schwarzwald ein tiefes, schmale- Thal von einander geschieh der Neckar fast ganz mit seinem Bette a wo er im Begriffe steht, da- Gebirge zu in die Ebene Hinauszuströmen, wo er bald Windungen seine Fluthen mit denen des mischt, da weichen die Berge auf seinem ein wenig zurück, und diesen immer noch zwischen Fluß und Berg hat Heidelberg benuht dervollen Fleck Erde mit seinen Häusern Die Stadt bildet daher eigentlich nur eine die mit dein Neckar parallel läuft, und von die Nebengäßchen links nach dem Flusse bin^i nach den Höhen hinauf. Aber über den sie noch die weiten Bogen einer prächtigen säulcn gezierten Brücke, und auf einem v Hügel lagerte sie noch einen gewaltigen weit hinaus über Stadt und Fluß schaut, zerstörten die Franzosen mit vandalischer Ende deS 17. Jahrhunderts, aber hoch auft, herrlichen Ruinen, welche auch zum Theil i bare Räume umschließen. Dies ist Heidelberg benetzt, von den Schloßruinen überragt, vor bewaldeten Höhen von beiden Seiten» um auch hinausgewendet nach der weiten Ebeir Rhein und Neckar durchströmt, von ^zahlreick neuen Städten bevölkert ist — ein Fleck selten mit so vielen Reizen geschmückt ist. Die Sonne war gvlden aufgegangen, spannte fich tiefblau über die Erde, kaum ein weißes Wölkchen darüber hinfuhv; von rog die Luft in lindem Säuseln herab m ^luth der Junisonne. - Sie kennen meines vor Allem die höchste Höhe einer Gegend um sie völlig zu überschauen, sich in ihr z und wie sie mit der übrigen Well in stehe. Dann erst steige ich hinab um die ein kennen zu lernen und zu genießen. Man I oft aljugendlichen Uebermuth getadelt, dx: rückten Alter nicht mehr zieme, man müsse Kräfte schonen und erst allmllig in die IH aber et ist mir ein Bedürsutß, daS aus Anlage meines Geistes entspringt, und eS daß Zu werden durch' en, welchetiSfüllt. Da. verlassen, und' nach einigen RheinS verlinken User ngen Raum den wunzu bedecken, nge Straße, ihr streifen nter, rechts tzluß spannte mit Bildi rspringenden oßbau, der ieseS Schloß Wuth gegen gen noch die och bewohn- , vom Neckar den grünen 'en. dennoch S, die vom en alten und Erde, wie er der Himmel hie und da den Höhen kühlte die Grundsatz, zu ersteigen, orientiren, lsammenhang einen Punkte at mir dies dem vorgehübsch seine che kommen, der innersten j eht mir mit einem Buche nicht anders, dessen' übersichtlichen Inhalt ich stets zuerst mir anrueignen suche. Ich verstehe und genieße die Details crfl recht, indem ich sic mir in ihrem Zusammenhänge zum .Ganzen vorstelle. Wir waren daher schnm in einem bequemen Wagen und fuhren durch den Hellen Morgen, durch die reizenden Laubholzwalder, von zahllosen gefiederten Sängern belehr, auk den höchsten Gipfel, den König^stuhl. Oben angelangt, rasch den Thurm erstiegen, und nun liegt eine umfassende Fernfiäu vor unfern Blicken. Die vielen Dergkuppen deS SchwarzwaldeS südöstlich, die eben so zahlreichen Gipfel des Oderz-. Waldes, unter ihnen der schöngerundete MeliboeeuS nordöstlich. der Lauf d«S Neckars 115 liefen Thal, unten ein Theil der weithin sich dehnenden Stadt, dann nach Westen die fruchtbare Ebene. der Einfluß deS Neckarin den Rhein, Mannheim. WormS. Speier und in der Ferne, nebelvcrhüllt, ttr Hunsrück mit dem Donnersberg. Dies war daS Bild, auf welchem unser trunkenes Auge lange Zeit umherschweifte, bald,hier, bald dort haften blieb und dann immer wieder nach einer anderen Seite zurückkehrenb. Der Wagen sühne unS natch einer. Stunde hinunter zur sog. Molkencur, einer guten Wirtschaft auf der halben . Höhe gelegen. Fehlt hier der Blick über das Ganze, so ist doch das Bild noch prächtiger, indem rechts die stolzen Schloßruinen plötzlich vor das Auge des Beschauers tretend die Stadt in ihrer ganzen Ausdehnung unter unS liegt und alle Gegenstände unS näher gekommen; die grünen Wellen deS Neckarziehen vor uns hin und tragen Nachen und Flöße pfeilschnell der Mündung deS lieblichen FluffeS zu. Hier war gut weilen. Ein paar Flaschen gurew- Rheinweinö^und ein frugales Frühstück mundeten vortrefflich und erhöheten die Laune der bereithinlänglich Entzückten. In der That ist für un-/ welche wir die norddeutschen Ebenen bewohnen, und Herbst, Winter und Frühling in ummauerten Städten. nur anstrengenden Arbeiten hintzegeben. verbrachten, dahöchste'Entzücken, endlich wieder auf einer Berge-höhe zu weilen, und im süßen Vergessen aller Sorgen und Trübftle, von klarer, ftifcher BergeSluft umfächelt, über die Tresen hinzuschauen. ES ist dieser Anfang einer Reise fast der böchste Wonne-^ Moment, dem späterer Genuß kaum gleich kömmt, namentlich wenn sich so Allevereinigt, dein armen Ererb, lichen einmal die ganze Herrlichkeit der göttlichen Schöpfung in da- Herz zu werfen.. Der nächste Gang galt den Schloßruinen, welche wir nach allen Setten besichtigten. Da- Schloß bestand eigentlich auzwei Flügeln.