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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 45 (1857) · p. Seite 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
45 (1857)
Date
1857-01-01
Page
Seite 180 (sequence 4)
Language
German
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schönen Stimme widerstehen. Geht, fegt das Eurem Vater, sagt ihm. daß Eure Sendung mißglückt." „Beruhigt Euch." sagte das junge Mädchen mit ängstlichem Lone. ..ihr verkennt meine Absicht, ibr stoßt die ^md zurück, die Euch reiten will. Vbn Mitleid und Verehrung getrieben, entschloß ich mich. Euch zu retten, ohne daß Jemand eS weiß bin ich bergekommen. Morgen ist es vielleicht zu spät, überlegt, was ihr thut'." „Versuchet nicht, mich zu einer Handlung;u. überreden. zu der ich nie schreiten werde. Der Ewige ist z mein Wahlsrruch. sein Name auf meinen Lippen. der 1 Glaube an Ibn in meinem Herzen, wttde ich mit Freuden den schrecklichen Tod erdulden." „Aber ich ^will Such nicht zwingen. Euren Glauben zu verlassen! "Wenn es auch ein Irrtbum ist)'so wäret -Ihr darin feil Eurer Jugend und in Eurem Alter-muß eS schwer sein. Ideen zu entsagen, dir unS eingewurzelt sind-, aber, um Euer Leben zu retten, könnet Ihr wohl einer Feierlichkeit unserer Religion beiwobnen und in Eurem Herzen dem Glauben Eurer Vorfahren treu bleiben." „Und waS gilt mir denn daS Leben. daß ich. um seinetwillen meineidig werden sollte, die Gesetze und. die Befehle meines Got/es verletzen, mit den Lippen verleugnen sollte, vöaS in mein Herz gegraben ist? Was könnte mir das Leben bieten, wenn ich immer die Stimme meines Herzens bören müßte: „Pu hast eine schuldige Handlung begangen^"' wenn^ich. getrennt von meinem Volke und mit feiner Verachtung belastet, den heidnischen Ceremomen folgen sollte, welche mich beleidigen, welche in meinen Augen eine .Entheiligung sind? Und wenn diese- Leben, für welches ich e-in solches Opfer brachte, seinem Ende 'sich zuneigte, wenn der eisige Hauch deS Todes meine Glieder'erkaltete, wenn ich bereit bin. vor dem ewigen Richter zu erscheinen, womit kann ich dann die - Stunde meines Todes erleichtern? Dem TodeSkampfe würde sich der Schrei meines Gewissens vereinen: „Dü bast selbst gesündigt )ind Dein Beispiel hat die Andern zur Sünde verleitetl" „Warum weiß ich kein anderes Mittel!" rief daS junge Mädchen die Hänbe ringend, „ich würde gern alle meine Schätze opfern, um Euch das Leben zu retten. Aber, was zaudern wir? Laßt uns fliehen. Rabbi, ich werde Euch «inen sichern Zufluchtsort verschaffen, ick werde wie eine Tochter Eure letzten Tage pflegen." ^Schluß folgt:) besaß nicht mehr die Freundschaft deS SouveramS und wurde mit &ilte behandelt.' Am 14. November 1716, um 10 Uhr AbendS. starb Leibnitz. Kein einziger Christ, sei er groß oder, klein, begab sich zum Leichenbegängniß. Er wurde um Mitternacht begraben, einsam wie ein Landstreicher in einem versteckten Winkel, ich weiß nicht auf welchen Kirchhof Hannovers. Indessen ein einziger Mann folgte der Leiche, begleitete die sterbliche Hülle deS Philosophen zur Gruft. DieS. war der Jude Rapbael Levv. ein alter Schüler deS berühmten Mathematikers. So war das Ende eines der größten Genies, von denen man. seit den ältesten Zeiten Kenntniß hat. Aphorismen. Bon Dr. Wahl in Koblenz. „Zahn der Zeit", „Vergänglichkeit alle- Irdischen", „Meer der Ewigkeit" sind abgedroschene Ausdrücke, aber eben diese Abgedroschenheit zeugt von ihrer unergründlichen Wahrheit. Die vom Judenthum entsprossenen Religionen handeln oft wie Schriftsteller, welche die Quelle nicht angeben, woraus sie ihre Artikel geschöpft haben. Man kann wotl unwahr denken, aber nie unwahr fühlen. Traumgebilde sind mit Umrissen bekleidete Gedanken. Wissenschaftliche Bildung, welche daS Herz nickt veredelt, oder wenigstens mit der Veredelung deS Herzens' nicht gleichen Schritt hält, ist Flitter, welche die Eitelkeit zur Schau trägt. Anekdote. Ein Pole zeichnet 20,000 Thlr. Actien. „Wie könnt Ihr so viel zeichnen?" sagt ein Anderer zu ihm, „Ihr habt doch nichtzu zahlen?" — „Nun," sagt jener, „waS fchadt'S, der Staat garantirt mir doch die Zinsen." — Miscelle. Der Tod kdS berühmten Philosophen Leibnitz. Libnitz war.Rath oder besser gesagt Freund von Ernst. August,-Kurfürst von Hannover. Welt machte dem Freunde de- Fürsten, den Hof. Am 23. Jaüuar 1698 starb der Kurfürst. Sein ältester Sohn Georg Ludwig, später König von England, folgte ihm auf dem Throne. Die politifße Stellung Leibnitz'S blieb dieselbe, aber er Allgemeine Zeitnng dr« JndeurbumS. No. 31. 1857 Leitende Artikel: Der UnitariSmuS. — Förderung der Juden durch Juden. — Zeitunasuachrichteu. Preußen: Graudenz. Bad Rdinerz. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag; Mailand. Daag-Reustadtl. Dien. Prag. Wien. Großbritannien: London. London. Frankreich: ParlS. Afrika: Marseille. Tunis. Correspondenz: Reift« skizzen auS Dürtemberg. Zn bezieben durch jeder Postamt und ^de Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährig a/4 Thaler. verantwortlicher Redactenr: K. Stfte. tkTia* **m e»»««ir»n«r•* SB$fc4nHunj IB — rn>d »ob Nl»k«Bder Wte»e in

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