Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 15 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Indisches Volksblatt. Zur Belehrung und Anlehhaltung auf jüdischem Heftete. > HerauSgegeben von Rabl'iuer vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. m. 15. 1857] 1 <*on fifi>r Bcuid’.rifi «n'dtunt irpd'entltd’ «tue Kammer. . $rnl k«t Jahr» r « fik l A aa:M» i It>.r. iPierte jäl’ri^ 71/* St»r.. Alle furt’t.rnNunflfii. 4‘oftjniier I *4^ JJJJlfÄ .ä unk rfeüHT fl»<jretitionen nehmen fefteUuimt« an. 1 w ®* Die Sünden der Zeit. Aovellcncvclus vou Ludwig Schragge. f 1. Der Schwindel. i He 9iad»t baue üch herabgeseükl, frühzeiug, wie es EndeNovembcrs geschieht, und mit ihrem Shleier auch das Knvstädicken Ufstejn verhüllt, wohin wir unsere Leserl-inen sick von uns! fübren zu lassen. Das Stadt, wen 4ir wie ausgestorben. Der Scknee bedeck:« die nicht gepstZerren Straßen, und da erst beute gegen Abend üch ein euraS schärferer Nordwind erhoben batte, so blieben die Ehritte rer Wenigen, die eilends über tie Straßen glitten, rast lautlos. 'Dort am Markte. auS den Zim» meru 'cs uralten ..RathskeÜerS"^---chckctt zwa^r noch tjui lau:rs Plaudern und Zechen der Srcmlmgaste, doch da nach mv nach auch diese sich nach Hause be^ab-n, und da die Abendstunden eine nach der andern langsam vorüber schlichen, und die Lichter in den Häusch, n allmalig erloschen — die Stadt selbst kannte eine Strußenbelcuchrung- — weder wenn der Mond am Himmel, noch wenn er nur im Kalender stand — w lag sie bald wie von einem Zauber gebannt da. inmitten der erstorbenen Landschast, wo der stille Forst, der die zabllosen strme seiner Bäume laublos in die Lun streckte, mit den Meißen Feldern abwechselie, durch welche hie und ba eine verschnelle, jetzt unbenutzte Landstraße rührte.! Doch in einem Häuschen oer Stadt, im Erdgeschosse »-echts der Lbüre. »eben wir noch Licht, das seine wenigen ^crablen durch die Fenster auch auf die Straße wirft, da die Bemobner vergessen bauen, die Laden zu schließen, und eben einige Eisblumen idre ersten Fäden "und Linien ^u schießen begannen. Warum ,o spät hier! noch Licht, ^ährend des Städtchens Insassen »ich bereits dtm Schlummer in die Arme geworfen? Wirft hier ein Kranker ruhelos aus dem Lager sich herum und kann!ven Schlaf nichr finb'n. den die beängstigte Seele und! der fieberdurchglübele Lerb herbeisehnen, und den die sach'te Stimme der wachen Lnbe vergebenzu kommen beschrßörr? Oder ist es die Sorgc, die sich hier heimisch gemacht, da» Weh tiefen Kummers, das bald in träumerischem Brüten die Stunden der Nach».nickt schleichen bört, bald in banger Unruhe den langsam'.» Gang de- Zeigers verfolgt, Minute nach Minute zaissr, und der Gegenstand so vieler Unruhe will nicht komuen und daerwartete Ereigniß . nicht eintrelen? . . . Wli fürchten, eS ist daS Letztere, welches die Bewohner des bescheidenen, aber netten Hauschens wach ball, dentis wir sehen in deat erleuchteten. Ziiümer einen ältlichen Mann unruhig abilnb auffchreilen, und die karge Länge desselben immer Frieder turchmessen; dort am Ofen hat ein jungte-, schönes Weib so eben gar neue Scheite in die erlöschende Fl>imme gewor-- fen. als ob sie abne / die Stunden der Grd'artung oder, der Angst waren noch lange nicht zu Ende, und an ihren Schooß schmiegt sich ein Mädchen von etwa! vier Jahren an., das längst das blonde Lockenhaupt iß die weichen Kiffen Hane legen, und nach'seinem kürzest Abendgebet die großen blauen Augen schließen sollen.! Auch spricht eben der alle Mann, vor der kleinen Gruppe stehen HrUbend: „Aber. Lina. Emma'chen sollte dock venigstens zu. Bette geben, ivenn Du einmal meinen B unschön nicht 'nachgeben willst, meine liebe Technik" j Die letzten Worte betonte der alte Marut so sanft - und herzlich. als ob er den Eindruck der barschen Worte, die er zuerst hastig auSgestoßen, "schnell wieder mildern wollte. ' I „Aber ich will nicht, Großvater, bevoh mein Papa nach Hause gekommen, ich will nicht —" antwortete schnell daS Kind, bevor die Mutter-«tue Erwiedrrüng hervorgebracht, und stieß mit dem Füßchen auf den >Boden. „Und warum willst Du nicht,, selbst wienn ich Dich bitte, und die liebe Mutter befiehlt, liebe Emma?", frug der Großvater. „Sieh, Du wirst trank werden, wenn Du so lange wachst, und da werden r^ir, und Dein Papa auch, uns sehr betrüben." . „Ich werde nicht krank, ich fühle nichts davon," ant?' wartete starrsinnig daS Kind; „und warulm ich gerape heute nicht zu Bette gehe, bevor mein Papa gekommen. daS weiß ick nickt, aber ich .will es nicht, und bitte, bitte. Großvaterchen, tbu' eS nickt und «S erhob seine Händchen und fein Antlitz so flehend, daß »er Alte nickt widerstehen konüte, -sondern wieder seinen Gang durch die Stube sortsetzte. Der alTf Mann war von mittlerer Grö;e. Er mußte einst gar stattlich und Würdevoll einherge schritten sein, denn noch batte fein Körper die Haltung bewahrt — aber in den letzten Zeiten mußte das Elend des Lebens ihm schwer auf den alternden Nacken-gefallen sein, daß er sich nach vorn gebeugt und daS Haupt auf ^ie Brust berabgesenkt hatte. Noch war daö Antlitz voll! und gerölhet, aber die Stirn so durchfurcht, der Mund >so schmerzlich zusammenzezogen, und das Auge tief eingesunken und unruhig umherspäbend; da- Haar hi»»g lanj vom Schri-