Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 11 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches. Bolksvlatt. Zur Lklehrnng uni) Unlprfiflflurifl aus jüdischem Gebiete. Herausgrgeben vov Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. lRo. 11. 1858.1 Aon H«'tt Arirslbrifi tt(d>rint vtoenllld» nnr f?a*m«r. Arns N# IJabr« Ajna* 1 Zbl». Bifntildbria 1*/» Bar- Hilf Bu»daadlungkn. Aoftämier ujib z«ltuiiA«elvtdittonen ntbmrn BtfttBnnatn an. l4.Zahrg. 1. tturfiLJ Bilder von L. H. A. (Aoriitdung.» 2. (£iit Kinderschmuggel. Trübe schleichl rin kltinrr Knabe dsirch eine lebendig l'cw.gi,' Gaffe Ziivmir S. Mii kindischer Sleugier hängt sein Äugc an jevcr Auslage, an jevetn schönen Haust, an jever uniforminen Person. anderer ntblößien HaupkeSvorubrrgeht.»er fftht Alle-, versckrli tgt Alles in dem tremeen Gewübl »er großen Stadt mir staunenden Blicken und mit dem AuSdruck der Bewunderung in dem naiven Gesichte. Aber wenn für einen Augenblick die zerstreuten Gedanken dearmen Knabe» sich gesammelt und daS Bewußtsein seiner Lage vor seinen jugendlichen Geist getreten, da senkt sich sein Köpfchen ujie eine unter der Gewalt des Eiurnirs schwer gebeugte Pflanze und füllen sich seine Äugen, schon roth geweint. Mil frischen Thränen, die schnell und stitt^herunter gleitest, denn der arme Knabe denkt an seine Heimath. an seines Eltern und Geschwister. an seine muniern Gespielen und an Alles, das für ihn wi, am Schlage gestorben war. Aus dem weinen Bene in einer verbängnißvellen Na«n. auS den weichen Armen des Schlafes und der Semen gerissen, die vor Schwerz und Weh aufschrien, wei man sie auf's Herz genossen, war der Knabe muttersdelenallrin in ein fremdetrostloses Leben hinau-gezern worben. Der Rest seiner Jugend ist für ibn verloren, o jung muß er aufhören Kind zu sein, darf keine kindischen Launen, keinen Willen, keinen Frohsinn mehr haben, u^td an die Stelle delustigen Traumesorgloser Jugend tritt eine bleierne Wirklichkeit. I Diese- Kind ist ein Rekrut. j j In unmittelbarer NLHe de- Knabeil marschirt ein Soldat. Da- Gesicht de- Mannes ist vpn Leiden. Kämpfen und Mühseligkeiten, von den beißrii Schlachten, in denen er mit eiserner Au-dauer gestanden, gefurcht und verwittert, eine lange Narbe theilt fiirlc braune Stirn und einige Pulverkörner sitzen in der niit weißen Haarstoppeln besäeten Wange. Der lange! einfarbige Rock reicht ihm bizu den Knöcheln herunter^ auf dem Kopfe trägt er eine schirmlose Mütze und raucht'mit sorgloser Ruhe die kurzsticlige. mit stinkendem. Kra it gefüllte Pfeife. Der Soldat folgt, ein bestellter Wärter, dem Kinde -aus dem Fuß. Wenn diezuweilen stehest bleibt, von dem wenig mitgenommenen Gelde ein Brot Uder eine Frucht kauft, wendet esich zum Soldaten, gieb^ ihm treulich die Hälfte davon,, die dieses annimmt, ohne sich zu weigern ’ und ihm zu danken. Im Augenblicke, alder Knabe und sein Begleiter aus einem Punkte der Straßeangelangr-' j waren, wo daS Gewühl. der Zusammenfluß von Leuten am größten war, vertrat ein bärtiger Mann ihnen den Weg. in der Hand trug er mehrere buntfarbige Tüchel, die er lockend im Winde spielen ließ. ..Kauf' mir -ein -schön,- Tuch ab," sagte er zum Soldaten. ..Ich dab' kein Geld." „Ab. Du hast kein Geld-? Aber ich glaube Dich zu kennen." „Tu mich?" ~~ _ „Ja. bist Du nicht aus —" „Jedwiz. auS Jevtnl; bin ich, vor» lebte wein Dater." „Richtig, in Jediniz muß ich Dich gesehen hieben." „Ich bin fünfzehn. Jahre vom Hause." „Hast Du vielleicht einen Bruder, der Dir etwaS ahn- ' lich sieht.? " ’ „34 habe wirklich einet» Bruder daheim, RamenS Waffilew." _ „Ja. ja,. Waffilew. er sieht Dir so ähnlich, ich verkehre oft mit ihm, ein wackerer Mann, da mmm dieS rethe Tuch da, ich werde eS schon Deinem Bruder Wassilew verrechnen, und willst Du einen EchnapS nehmen, zahle ich ihn auch." „Dazu bin ich stetbereit; komm. Du scheinst ein braver Mensch und kennst meinen Bruder Waffilew. Doch wo ist mein Rekrut?" „Du suchst einen Rekruten?" „Einen Juvenknaben. Gott, mein Gott!" „Sei ruhig, ich sah ihn eben in diese Schenke treten. Du findest ihn sicher." — Der Soldat.stürzte in raS bezeichnet« Local, sich durch den Knäuel darin durcharbeirend, um den verlornen Knaben zu suchen, während sich der Fremde rasch entfernte. Än einer Straßenecke trat ihm ein Männ entgegen., ES war der Bater. _ „Nun, JonaS?" „Euer Kiud ist geborgen. Während ich mit feinem Wächter plauderte, bot ihn mein Helfer-Helfer in Sicherheit gebracht." „Gott (ei gepriesen.' Und wann werdet Ihr ihn über die Grenze bringen?" , „Sobald ich mit den Uebrigea fertig bin, reiset/nur zurück nach Hause und grüßt von mir Euer Weib, sagt ihr: in »er ersten finstern Nacht werde ich Euer §kind