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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 8 (1856) · p. Seite 31

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
8 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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31 die Worte seines ironisch gehaltenen Wahlspruchs ebrlich! “ — „Nur Ein polnischer Jude kam auf seiner Neise «od SamSrag auf ein kleine- Dörfchen, wo er von dem vo t einzig wohnenden Glaubensgenossen zu Tische geladen wird und rer Einladung natürlich auch Folge leistete. — Er erstaunte aber nicht wenig, als er an seinem Wir he eine solche Unwissenheit entdeckte, daß derselbe den L orsegen bei Tische (tm^) nicht sprechen konnte, auch den Nachsegen bei Tisch nur mangelhaft sprach. Der Pole, diese Gelegenheit erspähend, um ei» Paar Wochen sch hier l'erumzutreiben. erklärte seinem Gastgeber, welche Schande es für einen Juden sei. das Tischgebet nicht zu kennen, und erbot sich, solches seinen Wirth zu lehren^ Der Letztere aber erwiedene. er könne nicht gut Hebräisch lesen, habe auch kein hebräisches Gebetbuch im Hause, '-c-. Pole, der um jeden Preis einige Wochen hier Lehrer i'ein wollte, verlangte nun ein andres Buch, > eS fei welches er habe, und der Wirth brachte hierauf d^rS Register seiner Schuldleute. Nun lehne ihn vcr Pole da« Tischgebet, zuerst den samstäglichen Vorsegen, auf folgende Arr: „Sehen Sie, Herr Wirth. va steht voi^ Ihrer Hand geschrieben Adam, lassen Sie sich denken, baSj hieße: ’vjrp; da stehr Hanne-. daS soll heißen: da Peter. das heißt: da Paul, das soll beißen: u. s. w. Der Mann, der sich schon 1 lange seiner Unwissenheit schämte, den sich behaglich fühlenden Polen auch bald wieder fort haben wollte, irnachte deshalb ungeheure Anstrengung, um die Sache schnell zu erlernen.' Nach Verlauf von 14 Tagen mar der!unterricht so weil gediehen, daß der Pole entbehrlich wirk und seine Reise weiter sortzusetzen harte. — Zwei Zahlte spater kam unser Tourist wiederum in diese Gegenf» und rvollte nun auch einmal wieder sehen, wie ,S feinem sonderbaren Schüler ginge. Tr ward ziemlich gut stufgenommen uno auf diesen Samstag zu Fische gebeteln. —i AIS man sich nun am Freitag Abend zu Tische gesetzt, erhob sich der Herr des HauseS. und in der einen iHanp den Wein, in der andern das Handelsregister gravitätisch haltend, sprach derselbe den erlernten Segen. Abee schon beim dritten Worte merkte der Pole, daß der Sprechende dasselbe vergaß, und dqS wiederholte stch noch meherq Mal. Als er nun später seinem Schüler dieses vorhielt, nahm derselbe das Register wieder vor und sagte: .'.sehen Sie, Peter heißt: y“'»"], Gerhard soll heißen: Dra u. s. w.* aber ich kann selbige doch nicht mehr gebrauchen und mirrechnen." — „Warum denn?" fragte der genannte Leh- .Ach sie haben ja schon lange bezahlt." antntortettj der Wirth/ ES ist factisch und ungefähr jetzt 50 Jahre, düß die Viehhändler hiesiger Gegend sich in großer Geschaf Sver^ legenheit befanden, weil die Dauern daS Hebräisch, besonders Worte, welche den Geldwerth ausdrückten, zu gut verstanden.. In ihrer Roth wendeten sie sich an jeinen jüdischen Dorfschullehrer, derselbe solle ihnen eia KeueS Zahlenhebräisch fertigen. Der Dorsbachor entledigte sich seines Auftrages so gut er konnte, zur größten Freude der Viehhändler und Mäkler; und kamen Letztere iu rüj nem Bauern, um einen Viehhandel abzuschließen, so wußte!! jetzt der Letztere doch nicht gleich, maS Beide «-gesprochen I hatten _zu bieten, oder was der Werth veVAieheS fei. Eine Probe deS damals lange in Kraft gebliebenen Neuhebräisch für Werthbestimmungen möge daS Tiefdurchdachte desselben /zeigen. Statt 20 Gulden sagte man z. B. nicht mehr Kasch Sehubim, sondern Zochlemo Sehubim, „denn." sagte der beauftragte Sprachforscher, „eS siebt ja in der srr-,2 deutlich zu lesen: (ju deutsch:* Ein Jochlemu gleicht einem Kaschf. Blumenltsc. Aoszüge von Erzählungen. GleisiOisse». Gedanken und Meinungeo. wie Erklärungen von Schctstflelle» aus hebräischen Werkes. Bon Joseph Raujicz in Breslau. Und es sprach. Kajin zu seinem Bruder Hebel . . , eS geschah, als sie ans dem Felde, waren, da erhob sich Kajin gegen feinen Bruder Hebel und erschlug ihn. 1. B. M. 4: 8. Den Inhalt des Gesprächs mittheilend, berichtet der w-rra Folgendes: AlS Kajin sich mit seinem Bruder auf dem Felde befand, sprach er zu ihm: ^Komm, laß unS die Welt mit ihren Schätzen. Prachrgerärhen und Kleinodien theilen; Du nimmst, die beweglichen, ich die unbeweglichen Güter. Hebel erklärte sich damit einverstanden, und die Theilung fand in ibezeirhneter Weife statt. Dem Kajin ward hierauf übel zu Muthe, er-war eifersüchtig auf daS Vermögen deS Hebel, daS Leben schien ihm halb verkürzt, wenn er nicht Alles vor Augen har. ES kam zwischen den Brüdern zu Mißhelligkeiten und zu Reibungen. Der Neider sackst nach einem Mittel, sich in den Besitz deS ganzen ErdenreichlthuoßS zu bringen, er sann und — trachtete dem Bruder! nach dem .Leben. Hebel suchte in der Entfernung Schutz. Kajin verfolgte ihn und packte ihn an: „In Folge der Theilung gehört die Stelle, worauf Du Dich nied,Klaffest, mir. gehe heraus aus meinem Gebiete.'! Hebel floh uiitd ließ sich auf einem Berge nieder. Kajin setzte ihm nach: „Bei der Theilung war eS nicht auf eintn Flecken, sondern auf den ganzen Erdboden abgesehen, hinweg qus I dem Lande und auS dem Leben!" Ein Hieb; und Hebef fiel nieder, getödtet von der Hand des ntidischen Bruderö. Gon, der rächende Richter, verwies den Kajin: „Ich bflr Herr deS Himn^lS und brr Erde; den Boden. worauf ich den Menschen ^geboren werden lasse, kann er alS fei» Land betrachten änb_ ihn zum Wohnort wühlen. — Du gönntest Deinem Bruder keine Ruhestätte^ unstär und flüchtig sollst Du sein auf der Erde; wohiij Du gehest, werden örtliche Plagen. Dir den Aufenthalt verkümmern;. Du wirst ein warnende- Beispiel. sein für alle Diejenigen, die dem Wahne anhangen, seinen Mitmenschen ÄS Fremdling auf göttlichem Boden anzusehe». und sich,ähnlichen Versuchungen von Vertreibung auS Neid, Trotz oder Eigendünkel auSgefttzt fühlen. — ___ j Unb er sprach, nsirf ihn zur Erde, und er warf ihn auf die Erde, und er (der Stab) wurde zur Schlange, und Moscheh floh vor ihr. Eine Matrone sagte zu "st „Gelt, mejn Gott bar unstreitig vor Deinem -/

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