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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 49 (1856) · p. Seite 196

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
49 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 196 (sequence 2)
Language
German
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196 „ch- Mäl gesehen. Auch bei der Abfahrt war derselbe Lärm vor dem Schwanen und die Menge konnte sich nicht enthalten, fortwährend vir»l! zu rufen, worauf der Kaiser Huldvolt mit der Hand winkte. Er fuhr durchda- Mainzer Thor, also vor der Judengaffe vorbei. ~ ser trug ein graues Kleid (!) ohne Gold und Sil gelbe lederne Beinkleider, Snefkl und stäGeru daran unv einen goldenen Degen in der Hand, in dem mit Sechbespannten Postwagen, um sehen (wohl um vo» allen gesehen zu werden), fein eigenes Haar und eigenen Haarzopf, vorn z und einen Stern. Gott vermehre die Jahre unseres ftotn« men Herrn und Kaisers! ein große- Gastmahl . . gewährte Abgabenerlaß .... gab Geschenke .... Matt brachte zum zweiten Male Jungfrauen zusammen .... Mordechai weilte am Thore _ allein Esther hatte ihre Herkuuft und ihr Volk nicht verrathen. 18 — 21. Edle S^lbstbeherrscheria! Du schwiegst, sprachst Du mutbig zu Deiner Zeit, und hast fieg. «sprachen. für alle Zeiten. — Millionen segnen noch te Dein Andenken. llnterhaltungs -Pillen. Mitgetbrilt von L. Lehmann in Bad Homburg. Blumenlesc. Auszüge von Erzabl»»gen, Gleichnisse». Gedanken und Äeinnnge». wie Erklärungen von Schriftstelleu ans hebräische» Werke«. Boa Joseph Rawicz in Breslau. "vrv rr» Esther 2, 5. Warum stebl hier nicht,- srägt der Midrasch, die richtigere Bezeichnung der Abstammung ■r r -•«? Weil Mordechai sich vor den Augen der Welt alS Jude zu erkennen gab. Als AchaschweroS den Befehl erlheilte, daß Alles sich beuge und bücke vor Haman. leistere Mordechai diesem Befehle keinen Gehorsam. Warum.? War er etwa «in Empörer, ein Aufwiegler? Allein der König wollte feinen Glauben geltend machen unv ließ an- Haman in der Richtung des Herzens daS Bild seines Abgottes anbringen, damit bei den sich Verbeugenden unv ÄiederwMlndcn-eine Anerkennung dieses Glaubens erzielt werde. Diesem widersetzte sich Morvdchai unv sagt«, ich . beuge mich vor keinem Götzen, ich werfe mich nur vor dem ehrfurchtsvoll nieder, dem alle Wesen, alle Götter der Erve unterworfen sind. Deshalb bezeichnet ihn die Schrift mit -vrr , welches sprachliche Verwandtschaft bat mit "Ttp , als den unerschütterlich festen Anhänger des Glaubens ab den Einig-Einzigett. Der König gab sich sehr viel Mühe, berichtet der Talmud. der Königin Esther das Geheimniß ihrer Abstammung zu entlocken, egelang ibm aber mit keinem Mittel. Ihr zu Ehren gab er ein Fest den Fürstet und den untergeordneten Dienern, sie blieb fest bei ihrer Weigerung; ihr zu Gefallen hob er viele Steuern auf. sie zhllte ffrm nicht dafür mit der Entdeckung j zu Gunsten rhrer öffnete er seine Schätze unv vertheilte Geschenke, sie verschloß ihm ihr Her^ Er holte sich den Rath bei Mordechai. „Womit kann ich der Königin daS Geständnis ihrer Herkunft abnöthizen?" — „Rur ein Mittel giebr*S," erwiederte derselbe, „ihre Festigkeit zu erschüttert" — „Und dieses wäre?" — „Versuche es mit Erregung von Eifersucht. Beglücke eine Andere mit' Deiner denn wisse, nichts neidet eine Frau der andern die Liebe. Um Dich zu fesseln, wird ne sich von de^^^^ heimniß lossagen." Der König befolgte, diesen Rath. aWI die Verschwiegenheit der Esther hielt auch diese FeuermLbe aus. Bedeutungsvoll erzählt die Schrift: Er veranstaltete Ein Jude vom Lande ging zum Bezirksrabbiner in der Stadt mit einer geschlachteten Gang unterm Arm. um zu hören, ob dieselbe erlaübt sei zu essen, obschon sie einen Fehler batte. Ohne sich anmelden zu lassen und ohne anzuklopfen, ging derselbe sogleich zur Thür hinein und redete, den jungen, erst öon der Universität gekommenen Rabbiner mitten» Titel „Rabbi" an. Dieser darüber unwillig, sagt ihm. er solle erst, nochmals hinauSgehen. sich anmelden lassen, anklopfetz unv ihn beim Hereinkommcn mit „Herr Doctor" anredfn, dann erst könne er erfahren, wa» mit seiner GanS zu ihm, fei. Der Mann ging nun nicht allein zur Stube, sondern auch zum Hause hinaus, indem er seine mitgenommene Gans schon selbst im Voraus fürterek» hielt und deswegen nicht die vielen Complimen.'e machen wollte. Deir Rabbiner, der den Mann fort» gehen sah, ries ibm vo>jr Fenster aus zu: waS denn eigentlich dieser GanS fehle? „Der kann kein Doeror mehr helfen!" war die Antwort. Ein Pole saß Samstag- Abend als Gast bei Tische und lugte begierig nach dsm so eben aufgetragenen schönen Schalet. — Plötzlich erscholl der Ruf: „Feuer!" Die Tischleute stürzten eiligst hinaus, während der Pole gemächlich fltzen blieb und/ sich die allgemeine Verwirrung zu Nutze machend, sogleich! die mürbe Decke deS Schal,tö ablöste, auf seinen Teller!prakricirte unv sich ans Essen machte. Bald jedoch kämest die fortgeeiltrn Tischleute wieder — eS war blinder Fsuerlärm, erstaunten aber nicht wenig über deS Polen Th^in. „Nun," sagte derselbe entschuldigend und erklärend^ indem er auf die obgelöste Schaletdecke deutete, „wenn'- brennt, gilt , die Regel, daß mau sogleich daS nahe Dtzch abhebk.";---1___ Allgemein« Zeitung te$j Zudentbume. Ao. Jö. 1856. Zeitnngsnachrichtent Deutschland: Worms. Worms' München. Augsburg. auS der bayrischen Pfalz. Preußen: Ans de« Großberzogtdu« Posen., auS der Provinz Posen. auS der Provinz Posen, vo« Rbein. lOefterreichischer Kaiserstaal: Wien. Leivuik. vo» der westgalizischch» Grenze. Rußland: Boa der russische» Grenze. Perneu. Literarische Aach,ichre«: Danzig. 3E3F 3b beztedeu durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Zäbrltch 3 Thal er. vierteljährig % Thaler. Verantwortlicher. Redactenr: K. Räbe. | Vti'cii pcb *?,mw#3Tnwf» ««Mrt-tHmMira'hi tcirv*. — frutf rcn f.lrrut.fct VI, t« m V«ir;w. * i

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