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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 48 (1856) · p. Seite 192

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
48 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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ISS eben in Bad Ems fich aufhalrende Oberrabbiner Isidor von Paris, der auf feiner Heimreise unser Dadestädtchen besuchen wird. Die vielen würdigen und nennenswer- «ben Privatpersonen von Bedeutung will ich nicht hier ansübren, sonst müßte ich eine ganze Curliste anfertigen, soviel, sei gesagt, daß kein Platz sich in jeder Beziehung besser zu einer Rabbinerconferenz eigner, als unser Homburg. daS jährlich, und mir Rechr, in der Gunst unsrer jüdischen Geistlichen. Gelehrten und Privatpersonen steigt. — Ilm 81/* Ubr endigt die Musik, man verläßt "die Brunnen, eilt.nack Haus', frühstückt und geht zur Svnagoge. Hi;r. wo der allgemeine Gottesdienst eine Stunde vorher begönnen, kommt man eben reckt zur „MizwoS- ^ersteigerung" s'); da „treiät" Einer den Andern, ein -Jeder will den Sieg davon tragen, der Eine bat eine /Beschneikung. dem Andern wird ein Kind „Schule" „getragen". der Dritte ist Bräutigam, ver Vierte ist von einer Krankheit genesen und will Vsrs benschen, der Fünfte bat Zahrzeil u. s. w. So berühren sich hier die Extreme. Geburt, Hochzeit. Krankheit und Tod machen ihr Anrecht an den.MizweS geltend, unddadurch staigen' letztere im Werkhe, dazu will mancher hiesige Bürger den ihn? bekannten. berühmten oder bei ihm wohnenden Fremden „ausrusen" lassen, oder der Letztere bat dem Gemeinvediener u»b MizwoSaucrionär heimlich Ordre gegeben, ihm *r*2- oder die Haphthora um jeden Preis zu verschaffen. Dabei regnet eS ellenlange Mischeberack'S. aber die Gemeinde wird für ihre bewundernswertbe Geduld danft auch entschädigt, renn manche schöne Gabe wird hierbei dem Eultus oder den Armen geweiht. — Nach dem GotteS-. dienst« zerstreuen sich die Leute, der Eine macht einen Besuch .'der Andre geht spazieren im nahen, berrlichen Schloß» park, oder im-Lesecablnett und den Spielsälen de- Kurhauses. — Aber nicht lange, und man muß anS Nachbausegeben, denken, denn wer gegen Zwölfe zur Judengaffe chereinkommt, der stehet, wie die fleißigen Mägde auS dein ..Backhause" kommen, große Töpfe vor sich daltend und sich freuend, wenn ihre Bohnen-Kuchel, oder Schalet, gut gerarhen! sind. — Für die Curgäste, von denen die Meiftcn die Diät vergessen und Sabbarhessen haben wollen, sind jetzt mebrere Restaurationen hier, die sich gegenseitig <>oncurren; machen und Alles ausbielen, um die Leute für sich zu gewinnen. ES wäre mir sehr lieb gewesen, wenn Sie, bochwürdiger Herr, „auf der Reise" nach Brüssel eine solche Wirrbschaft angelrossen hätten, „um dem fühlbaren Mangel abzuhelsen" — wie jüngst unser neuster Restaurateur seine Speisewirthschatt annoncirte. obschon man hier weniger Mangel verspürte, als-da, wo man. wie Sie, zu meinem Bedauern gezwungen war, mir nichts Warmem im Magen einen Tag über zu reifen. — Unmittelbar nach Tisch nimmt der hiesige Einwohner, der zum ..Israelitischen Lesezirkel “-NTr" gehört, feine SamSragSIectüre zur Hand, z. B. Ihren Saron. Ihre „Reden wider den Unglauben". Ihre Zeitung und eingebundenen Jahrgänge des Jüdischen VvlksblatteS, oder Or. MeifelS „Homilien über die Sprück« der Väter", vr. Frankls „Libanon" u. s. v. A., um die Zeit angenehm uad nütz- . lich.zu verbringen; — waS mich' betrifft, ich lese in Ihrem prachtvollen Bibelwerke und 'hat diesemir schon markch schönen' Aufschluß», über mir dunkle Stellen der beiligen Schrift gegeben. — Nachmittags um 2*/, Ubr beginnt die Musik im Kurgarten. und dasselbe Schauspiel. daS Morgens an den Quellen Freuve gewährte, reißt hier zur Entzückung und Bewunderung hin. Die hohe aristokratische Welt, die sich diesmal in unsrem Homburg Rendezvous gegeben, erscheint in voller Kliiverprachr im Ganen, wo man ein«; größere Uebersichr bat wie des Morgen-, und größere .und herrlichere Tonsiücke lassen die Zeit bis 4 Uhr schnell svorüberstreichen. — Für den frommen und wißbegierigen Juden bietet sich jetzt Gelegenheit im großen, freundlichen Versammluiigsziinmer ver „Talmublhoragesellfchaft" von Herrn Rabbiner Fromm die Bibel mit recht beftiedigenrer Erklärung vertragen zu hören. und von da aus zum DeSpergorreSviensi um 5 Ubr zu gehen. — Inzwischen ist eS etwas kühler geworden, man vereinigt sich und , macht jetzt größere Promenaden, nach naben, freundlich winkenden lörferir.-iiacb dem klei. nen und großen Tannenwald u. f. w. Hier war es. wo im Angesicht der blaueg und majestätisch' sich erhebenven Berge, ves dunklen GrünS rer Wälder, abivechselnd mit ven von murmelnden Quellen durchstossenen Wiesen, mir einem Blick nach rem i^rn und schön liegenden Homburg ein'mir mir spazierender Rabbiner begeistert ausrief: (Ps. 132. 14.) ITT»,-? r?s „D raß ich hier wohnen könnte!" — Äebr man dann zur Seile neben ab. so kommt, man besonders Rechts an einem freundlichen Dörfchen vorüber, am Wege eine Wirlhschasr mit Garten, wo man Glaubensgenossen antriffr, dre schon längere Zeit da sind, man setzt sich $!u ibnen hin, genießt Etwas und gebt dann in größerer Gesellschaft nach Haus. — Die Baume am Wege werfen nun einen längeren Schatten, eS ist düstrer geworden, man eilt zur^Jüdengassc, in die Svnagoge und hier beginnt im Dugkel des Abends der tief die Seele ergreifende AbschievsgesaNg vom Sabbath. Plötzlich sieht der Gemeindediener auß die Ubr, wird geschäftig, und mit dem Ersten Talgltchk7 das derselbe ansteckt, entfliehet alle Poesie, der Samstag ist vorüber, und die Woche, mit ihr die Prosa dsS Erwerbslebens, bat wieder begonnen.! Ein Mann', der Pielqn alS Heuchler bekannt war. stand länger als alle Andre imGebet. Ein Andrer deutete auf ihn. indem er eine fragenve und lächelnde Miene da bei machte. Der Rabbinör aber, der diesenr. zunächst stand, sägte dem sich Wundernden ins Ohr: „Sie werben als Kaufmann schon längst wissen, daß was gut g e särb l'ist. sobald nicht anSgehl. / Allgemeine Zeitung d^S JudeutbumS. No. 34 «8S6. Leitende Artikel: Rußland. — Jerusalem, S. Nb. — Vom Institut zur Förderung der israelitischen Literatur. — Zustande. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Don der Uuterweser. Preußen: Aü» der Provinz Posen, aus der Provinz Posen. Hechiageu. Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: PrzemvsI. Die Schweiz: Lber-Eadiägen. Belgien: Brüssel. — Gptrtspovdenz: Charleston (o.j ß.) LS. Juni, jschluß.) Zu bejteben durch jedes Postamt uad jede Buchbandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährig '/« Tbaler. verautwonlicher Redacteur: K. Rabe. fou fjun^Tli-r'» *u*fcjnNisni in LeivjlL. — Druck von Nlexandrr Wirde in Stipitj-

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