Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 46 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
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184 LlS er sich. seiner väterlichen Wohnung näherte und im - obern Stockwerke Licht erblickte, da wurde er wieder fl« J waS froher, kenn nun war er ja nicht mehr fo-ganz allein. — — Markns ftlß mürrisch am Tische, auch vertieft, wie es schien, denn die Talgkerze brannte ob dem langen Dockte äußerst düster. Er batte den Kopf in die beiden. Hände gestützt, und bewegte sich erst auS dieser Lage, als Mendel eintrüst: , ' „Wo bist Du gewesen?", fragte MarkuS seinen Sobn. Hersckel war über diese Frage befremdet, noch nie batte Nck der Barer um seine Wege bekümmert. Er blieb die Antwort schuldig. ..Haltest können wohl zu Hause sein und mir helfen. Tu renkst, der Vater lebt immer und kann mich füttern) 's fallt-.Dir nicht ein, daß der Markus nickt immer da ist und daß Dich die Andern dann verhungern lassen." ..Ich war im Tempel," sprach Hersckel kleinlaut. „Wo? 3m Tempel? wiederholte MartuS die Antwort -seine- SohneS und warf auf diesen einen befremdeten Blick. Seit wann gehst Du in den Tempel? Mach' mir nur Ebawrose mit ihnen, das fehlt mir noch." ,,Mit wem denn?" forschte Mendel mit einer neugierigen Miene. ^Jch weiß nicht." antwortete Markus kurz und schwieg, und setzte sich nieder m seine vorige Lage. Nack einer Weile, während der Mendel über daS ei» genthümlicke Benehmen seines Vaters nachsinnend auf daS Fenster getrommelt, wendete er sich abermals zu Jenem mit den Worten: ,^WaS ist denn beul' vorgegangen mit Dir und dem Görg? Dem Görg ist ein Stück von einer Kapsel in S Auge gesprungen," antwortete Mendel m\t seiner gewöhnlichen Unbefangenheit. ,8«rt,ttzun» S . Einige Fabeln und Erzählungen der Alten aus der Thierwelt. Ban Dr. 8. Lewvsobn ja Worms. 15. AlS Rabbi PinchaS b. Iair durch einen.Ort reiste, in welchem er gekannt und hochgeachtet war, kamen die Einwohner zu ibm und klagten über die Blage der Feldmäuse, welche, die Ernte fast ganz zu vernichten drohten.^ Der Rabbi beschwor diese mißliebigen Tbiere und sobald stellten sich diese ianggesckwänzten Dierfüßler ein und veranstalteten ein Concert. wo bei-dem Prälubiunr sckon Hören und Sehen vergingen. Der Rabbi aber - » kannte den Norenten gar wvbl und sagte zu den Leuten: ..Wissel Ihr. waS kiese Thiere mir oortragen? Ihr babet biS jetzt den Zebnren veruntreut, und sie. verzehren nur daS. was Euch nicht angehorr. — Beschämt gestanden die . Leute ihr Unrecht ein. verbrachen Besserung, worauf jene Gäste sich für immer auS'^dem ganzen LandeSkreife enli fernlen. ^^(AuS deo hinter dem WSrterb. d. Menackem de Lom'ano). ~ * 16. Zwei Israeliten wurden von einem Sklavenhändler gefangen genommen. Während er sie fortführte, sahen sie ein Kameel in einiger Entfernung vor sich, welches kurz vorher denselben Weg passirte. „Dieses Kameel," sagte Einer du Gefangenen, muß auf dem rechten Auge blind sein." Der Andere sagte. „Es trägt zwei Schläuche, von welchem einer mir Wein, der andere mit Oel gefüllt war." Der Sklavenhändler fragte sie nach den Gründen ihrer Aussage. „DaS Kameel," sagte jener Erste, muß auf dem recklen Auge blind sein, weil eS nur daS GraS, welches links wächst, abweidet." Der Andere sagte: „Du einr Schlauch muß Wein enthalten, weil die Tropfeiz. ^welche auS ihm zur Erde fallen, in den Sand sich eingraben und eine Vertiefung bilden, der an-ere Schlauch hingegen hat Oel, weil die aus ihm herabfallenden Tropfen über dem Staube liegen bleiben und' wegen der Leichtigkeit deS OelstoffS keine Vertiefung be. wirken." — Der Sklavenhändler von diesem Scharfsinn helrossen, entließ sie in Frieden und beschenkte sie noch reichlich. (Nach Sanhedrin 104, b.) 17. Da die "Ameisen den Schatten mehr alS daS Sonnenlicht lieben, so breitete Jemand im Sommer eine Decke über einen Ameisenhaufen, so daß derselbe völlig beschattet wurde. Hierauf berichtete dies die wachthaltende Ameise sogleich dem Schwarm, welcher in Masse bervorkam. Nun nahm Jener die Decke fort, und die enttäuschten Ameisen fielen über die unglückliche vermeinte Derrätherin her und tödteten sie. (Chubin 57. b. Diese Fabel enthält bemerkenswertbe nalurhistorische Momente: vergl. meinen Beitrag in der Frankelsschen Monakschrift 1856. 114) 18. Nikanor reiste nach Alerandrien. um zwei kupferne, kunstvoll gearbeitete Thüren für daS östliche Thor deS Tempels zu holen. Sr bestritt die hohe Summe des Ankaufs dieser Thüren auS eignen Mitteln. Bei der Rückreife über daS Meer entstand ein Sturm und der SchiffSeapilän ließ einen Thürflügel in'S Meer werfen. Der Sturm hö«e aber nicht auf, und der Capitän befahl auch den zweiten Flügel auSzuwerfen. Nikanor aber umklammerte denselben und bat, ihn zugleich in'S Meer zu werfen, da er von der dem Tempel bestimmten Gabe sich nicht trennen wollte. Der Sturm hörte plötzlich auf, und Nikanor betrauerte nur noch den Verlust deS ersten Flü-. gelS; wie groß war aber feine Freude, als er bei der Ankunft in Ako den Flügel vorfand, welchen ein Riesenbai aufgesangen und än'S Land.gebracht! (Joma 38, s). Allgemeine Zeitung de« Judentbum». Wo. 32 1866 Leitende Artikel: Wiener Briefe. Bon H. Zirndorf. IV. -7— Zeitungsnachrichten: Deutschland: Worm«, Stuttgart, Lanchheim, Hanaover. Preußen: Anclam. Rußland: Pose». — Literarische Notizen: Worm«. — Korrespondenz: Tharlestou (S. (J.) 25. Juni. Ä3F* 3» bezieben dnrch jede« Postamt vlld jede vuchbanklung. Jährlich 3 Tbaler. vierteljährig •/« rhaker. Lerautmortltcher Redakteur: Jt Nabe. *«U| *« eaMasUoaj ts tttvjif. — Ern* »on «I*faae«t Siede t» 8rt»ii|.