Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 44 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt Zur Belehrung und Unterfjaftung aus jüdischem Hekiete. Herausgegebe» vo, ' * Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Mo. 44. 1888-1 Bon dieser geiilchrift rrlckeiot »0B«»ttick »ine Bummer. »r«,< te< Aobr» ,aug« 1 ttlr. Btrurljädrig?>/, B«r. Alle BuLdondluugen. Bokimter und gU"un-0er»ekition«n nedmen Bek»llun«en an. 13-Iahrß- 4.«L»tzrt»l.^I > DaS buyte Haus. Bo« Wilhelm IFret ia Die». tsteci» »una-> Wenn MarkuS in der Zudengaffe nur der „Soi" genannt wurde, s» wird «>an diedurch die bisherige Zeichnung leicht' erklärlich s nden. Markus hatte einen Sohn, der de- Vaterwürdig war. Mendtl — so hieß er. au» kurzweg ..Affe-" -£ war ein hochgewachsenrr, keck au-sehender. durch eine hlarbe an der Unken Wange sehr entstellter Bursche. Ar, hatte keine Beschäftigung außer die, müßig zu gehen stnd trieb stch dacher die ganze Woche auf den Feldern und!ln den Straßen Hs. herum, plagte alle Rinder unl^ zerstöre, wo es etwaungestraft zu zerstören gab. Ein sprechender Beweis von seinem Thun und Lassen war die okvedachte Schramme, die ihm von dem Hiebe ein,- Rnech»<I»übergeblieben war, als er vor zwei Jahren zur Heuzen, während der Abwesenheit de- Rnechte-, die Pferde vom beladenen Dagen ausspannte und so lange peitscht», bi» die Tbiere auf und davon und in den Stall liefen. Mendel war schon bei drei Meistern, um ein Handwerk zu lernen, von allen dreien aber ward er nach je! acht Tagen schmählich audem Haus, gejagt, weil er nicht nur in höchst Eigener Person müßig war. sondern au« ' ' ~ ' die Andern iri der Arbeit vollendeter Taugenichts. Des pelten un^ Butten am Brun» jünstigen Augenblick, um ein dann lachend davpn lief. Oft «ne tüchtige Tracht Prügel M den meisten Fällen aber Uemand in der Iudengaffe störte. Mendel war also ein Abend», wenn die Mägde ihre nen füllten, erhaschte er jeden Gefäß umzustürzen, wonach er fand er seinen Herrn, der au» Herzensgründe spendete, ging er ungestraft au», denn wollte Etwa» mit dem „Goi" zu lhun haben,! der in den Angelegenheiten seines Sohne» stetrechtferm»end und rächend für denselben auftrat. Man durfte Äendel an» sehen, wann man wollte, so! mußte da- Auge stetauf ein schmutzige», zerkratzte- Gesucht, auf zerrissene Rleider und schief abgetretene Stiefel stoßen, die Elnbogen guckten Jahr au-, Jahr ein neugttrig auden Aermeln beraus, und wenn tijxt Mutter t|rn ungezogenen liederlichen Rnaben zurechtweisen wollte, so durfte man auf die Anspielung sicher fein: „Du bist!accurat wie Go«'» Mendel." Wie der Vater nur un|er den christlichst» Ortsbewohnern Gesellschaft sucht?, so suchte auch der Sohn feine Rameraden nur unter den Ehrlftenknaben, und wie dieser es stets nur darauf abgesehen batte, übermüthig und verachtend gegen seine Glaubensbjüder stch zu zeigt», so that auch der Sobn da» Seinige, die Juvenknaben zu necken, zu plagen und ihnen allen denkbaren Schabernack zuzufugen. Jede» Spiel wurde von ihm gestört, und die armen Jungen konnten sich darum nicht wehren, weil Mendel, abgesehen von seiner persönlichen Rrafk, immer noch eine Anzahl gleichgesinntem Dauernburschen in seitrew 077 folge hatte; es kam zuletzt so weit, daß die Jungen bei gesperrten Hausthüren spielen mußten, in Folge dessen' manche der schöusten Unterhaltungen, wie „Verstecken." „Ringelball" u. s. w. ihnen ganz verloren gingen. Dawaren schwere, tyrannische Tag, für die jüdische Juge»d in H.. und Niemand kann den Druck dieser Znr in entsprechenderem Grade fühlen, als derjenige, der üe selbst mitgelebt-. Aber auch mancher EhristeUknabe kam nicht unangefochten durch, Dielen that er alles ^Mögliche zum Tort, doch auch dafür erhielt er selten eine Strafe, denu^felbst die Bauern wollten mir de« Markus stch nicht „verfeinden," und warum? Weil, wie ste sagten, der Markus ein „auSgespitzter Schädel" war und hie und da ihnen gute Rathschläge in Proceßsachen u. s. w. er. cheilte. Regelmäßig-, wenn der Daker nicht zu Hause war. lud stch der Sohn bei einem Bauern ohne Umstände zu Tische, wie er überhaupt nach seines Vaters Art und Weife die religiösen Gesetze mit verabscheuung-würdigem Uebermuthe mit Küßen trat. Statt in di» Synagoge zu gehen, spielte er mit dm kleinsten Rindern vor derselben und machte einm solchen Kstrm, daß Josef, der Schäme-, kaum das stille Schmon« E-re zu Ende beten konnte, und hinauseilte, um Ruhe zu bewirken. Ein Mal, als man ihn zum Minjan bat — es waren nur neun Männer zum Minjqngebete versammelt, lachte er dem bittenden Greife in- Gesicht, und von daher kommt auch der Zuname: „Asse-". Markus hatte schon vor' vielen Jabren seine Frau, also Mendel auch seine Mutter verloren, übte ste noch, wer weiß, ob die Dinge so stünden, ob Mendel so sehr der Theilnahme an seinem Elend nöthig hätte! Ich glaube nicht! — *-— Run habe ich meinen lieben Lesern die wichtigsten Personen unserer Erzählung vorgeführt, und unmittelbar werde ich in die eigentliche Geschichte greifen. Wer Langeweile fühlt, hat schon zu lesen aufgehört, oder wird »och aushören, wer aber geduldig war. dem werde ich, soviel alS möglich, Entschädigung im Folgenden biete». n. Das Ehometz-Feuer. ES wav am 13. Nissan des Jahre- 5607, also ger»de ein. Tag vor Crew Peffach.