Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 38 (1856) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
38 (1856)
Date
1856-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/4908862-5999341-6000763--0774-4909451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung uyd Unlerhaftung auf jüdischem ^eüiete Hrrausgegebe» vo> Rabbiner vr. kud»ig Philippsou in Magdeburg. > > lRo. 38. 18S«.j sÄ ^vo» »lek» grUILrlfi ^rfdKint^wfr^rwtlid^elne^Wummrr. Pre>« tf» Jubr- 3 ftlfillflL J 1 Zblr. Bifitdljibri* 9i«r. Kür •,n*baH»lungn», an» geimk-ltrretitio»»» o«d»«» »fftraungfn m. Der Bürgermeister Steblihky zu Rikolai, daist Joseph ben vom Lehrer M. Her Abraham. zberg i» Breslau. Motto: -2N nx ofonec :C^*: *pK3 crrrrffna *o S. B. Ml <o. <9.! Wahrend der Verhandlung bemerkte Steblitzky. daß yie bei den Jsrarliten übliche Zei zum Minchagebrt*) herangenahet sei; er bat seine Richter. die Prozeßführung ans eine halbe Stunde unterbrechen zu wollen, cheil er jetzt daö Gebet zu verrichten verpachtet sei; man gestattete ihm "oad,*uii?^«i«N'ohl Ml« HHOw^yrgen ihn erbittert waren, so konnten sie sich doch nicht he- Gefühlder Achtung erwehren,. welches ihnen der frömme Ernst, die Unerschrvckradeit diese- Manneabnötbigten. Ohne alle Schüchternheit stellte er sich in Gegenwart aller Anwesenden ln einen Winkel der Stube, seiaGestcht gegen Morgen gewendet, und verrichtete da- Äinchagebet mft voller Iabranst und Andacht. Thräyen der tiefsten Wehmisth und Andacht quollen auseinin Augen, alrrjitn Schluß» gebete der achtzehn SegenSspmche die Worte ^agte: „zerstöre, Gott, die bösen Anschläge aller Derey die wider »ich Bösesinnen." Nach Beendigung d,S Hebetkehrte er zu seinen Richtern zurück »nd richtete folgende Worte an dieselben: I „Meine geehrten Herren s daß ich in Ihren Augen strafwürdig erscheine, ist gang! natürlich, daß Sie nach dt« Buchstaben de- Gesetzeein ^raurige- Urthel^ über mich fallen müssen, ist mir nicht unbekannt; doch mögen Sie mit einem Menschen, der, »e^n er gefehlt, nicht au- Dhs- Willigkeit, sondern au- Zrrtöum gefehlt, menschlich verfahren und ih« seine unterthnnige und gerechte Bitte gewähren, die darin besteht, dast ganze Sachveohältniß dfm Rechrsspruche unserweifen pnd gnädigen Äonarchen zu überlassen. Seiner Hochherzigkeit, feiner vourtheilslosen königlichen Ansicht will tigern mein Schicksal anvierttauen. Gott, der AübanÄerzige, in dessen! Händen die Herzen der Könige und Fürsten liegen, lenket vielleicht dakönigliche Uriheil zu meine« Munstea." I ') Gis Gebet, welches vor ^ouueuuutergaug v!ob de» Israelit«» »errichtet »ird. 4 > Die Gewährung dieser Bitte stieß auf manchen Widerstand, besonderderjenigen, die gern recht schnell und unverzögert Steblitzky al- Opfer ihrer Rachlust gesehen hätten. Jedoch war man spater gezwungen zu dem, waman Anfangihm verweigerte. Die Entscheidung de- BrozeFeS wurde nämlich schwierig, weil jeder.Richter die Sacde aueinem andern Gesichtspunkte betrachtete, wiewohl sie all» in seiiwr Strafwürdigkeit üibereinstimmten; auch häuften sich die Koste» her Prozeßfb^rpng sebr bedeutend, sowohl durch die Aftern Vorladungen, als auch durch viele ärztliche Untersuchungen de- Geisteszustand,-' Steblitzky-, wobei die Rechtsfrage sich heratzsstelltk, wem die entstandenen Kosten zur Last gelegt werden sollen. — Die- Alleveranlaßt^, daß man sich an den Dhron wandt,, und man überschtcke'di« ganzen Derhandlumgen an den König Friedrich II, den Großen, von dessen Unheilsspruch also daS Loo-^S-rbiitzlltzltz-1 —— Unter diesem allgezge«« Auffruhr im Volke nahte der den Israeliten so wichtige Berföhauagstag »nd die demselben vorangehenden zehn Bußtage heran. Eherrscht, wie bekannt, in dieser Zeit murr den Israelitm ein. z» dem einen Ziele' sich,-hindrtngender Wunsch, ttn« Aussöhnung zwischen den Menschen und Gott, und -wischen Menschen und Menschen durch Reue und aufrichtige Buße zu bewirken; ',» wird da das stärkende. Bewußtsein der reinen Menschlichkeit im vollendete» Sinne Leb Wortes im Israeliten wach gerufen, er lernt sich kennen, wie er ist «nd wie er sein sollte, und die besten Vorsätze begleiten ihn dann ins Leben. In dttHr Zeit, ewar am Vorabende zum Versihnvngttage, als ehe« die Gemeinde in der tiefsten Andacht begriste» war. betrat Steblitzkv die Synagoge jfttb redete die Gemeinde auf folgende Weise an: „Meine theuern Brüder, meine lieben Glaubensgenossen? W»e lange noch wird bloße Menschenfurcht Euch zurückhalten, mich al- Mitglied anzuerkennen. wie lange noch werdet Ihr einen Mann von Euch-stoßen, der kein Opfer, keine Leiden, keine Gefahr gescheuek, um de»>s Gotte Israels anzugehören? vertrauet auf die Allmacht diese- Gottes und nehmet Euch eineseiner treuesten Kinder brüderllch an. Erlaubet mir in Eurer Mitte, mit Euch gemeinschaftlich diesen ernsten und heiligen Tag unserem großen Gotte zu weihen. Ich rufe Euch die Worte Davidzu: Gott ist mit mir, ich fürchte nichts,, was kann der Mensch^mir thun!" —.Die konnte die Pemeiude auch einer so rührenden, auder Tiefe der Seel« kommenden Bitte tvtderstehen; wie hätte sie überharcht an eine« solche» Loge, bei der ihr innewohnenden heiligen Stimmung und gänzliche»,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.