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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 37 (1856) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
37 (1856)
Date
1856-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Volksblatt. 7 - lur Belehrung und Anlerhattung auf jüdischem ssekiele. Herausgegede» vo» Rabbiner Vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. rcn. 0*7 ®on 6itfcr 9«ti{*rif» trf*«lnt »dAnHi* eine «nmwrr. #rei* 6f» 3«bfr ä A.i,_. : n [9co. 37. 1856.] 1 "K. ls-A>hr^3.w>art«t.] r Der Bürgermeister Steblitzky zu Rikolai, da» ist Joseph ben Abraham. Bom Lehrer! M. Herzberg i» Dre«^u. > Motto: > -UN ri« VN2N«1! :v'NL'3 ■paa cmn ms.^! 5, B. M. <0, tS.^ | < Fortsetzung.) ^__ 1 Eine» Tageging er zum Rabbiner und 'enthüllte ihm seinen ernsten, Unabänderlichen Entschluß. Wie groß war vaS Schrecken find Erstaunen dieseklugen und erfahrenen Manne», als Steblitzsp ihm die Worte zurief: „Ich will Israelit werden!" Anstalt erfreut über diesen neuen gewichtvollen Sieg seiner Religion zu sein, bemühte er sich vielmehr, wi/e» auch die Pflicht eine» jeden Israeliten ist, mit aller Äeredtsamkejt ihn von diesem Vorhaben abzubringen.! „Warum wollen Sie sich," sagte der Rabbiner zu ihm, „einer Glaubensgenossenschaft anschließen, die eine so schmäh« liche und tiefgebeugt» Stellung unter den Nationen der Erde einnimmt, —! warum freiwillig sich in eine traurige Lage werfen? und denken Sik,^daß die Üebernahme der un» obliegenden Pflichten so gerjing und seicht erfüllbar sei? jeder Schriit de» Israeliten, jede Hamdlung, jeder Genuß, jede» Vergnügen ist mit einer religiösen Pflicht verknüpft und muß sich eine Beschränkung^ gefallen lassen; wozu wollen Sie sich also solchen Verbindlichkeiten unter: ziehen, die nur einem einzigen Volk», dem israelitischen, auferlkgt worden? 4- Bedenken Sie aber auch tflt große Gefahr, in die sie stch stürzen wolle«, die unberechenbar unglückseligen Verfolgungen, denen Sie entgegen gehen, und Sie werben voü Ihrem Dorhahen nicht aistehen?" — „Nein," erwiede^te Steblitzky. ,,<!» ist ein Unwiderstehlicher Drang, der mi!ch dazu treibt; «ein Will! bleibt fest, mein Entschluß unbeugsam." „Aber, rheurer iHerr Steblitzky!" widerlegte jener, „ist e» nicht eine» treuen Unterthanen unwürdige dem Landesgesetze ungehorsam zu sein, zumal einm Gesetze,, da» in Bezug de» ileberttitt» zum ZudenthuNi so streng ist, und von der herrschenden Meinung so unterstützt wird?" — „Ich war immer' sagte hierauf Steblitzky, ein pflichttreuer Diener de» E^aat» und werde e» bleib^r, so lange ich lebe; gegen mei^e innere Ueberzeugung zu leben, ist mir unmöglich, da» hieße soviel, wie mich geistig tödten wollen." ,Lch sehe," sagte der Rabbiner, „daß ich Sie nicht mehr von dem Wege abzubringen im Stande bin, auf welchem zu wandeln »in unabwendbare» Geschick Sie zwingt. Ich habe nur noch den Wunsch, daß di« Hülfe de» Allbarmherzigen Sie a«f diesem gefährlichen Wege begleite, und die Bitte, wen« dieser Schritt viel« Bitterkeiten für Sie haben sollte, msr nicht Dorwstrfe zn machen, daß ich ^oft von der Bortreslflichkeit «eine» Glanbens^vor Zhnen sprach. Gott ist «eh» Zeuge, baß ich pur meine Religion von den Verdächtigungen, welche^ Uebelwollend« ihr andichten, vor «eine« edlen christlichen Freunde fteisprechen wollte, abev nicht die verwerfliche Abficht hatte. Sie herüber zu locken. Es ist de» Israeliten Beruf, durch sein, gottgefällige» Leben, durch jede seiner Handlungen die seiner Religion innewohnenden erhabenen Ideen der Sittlichkeit und der Nächstenliebe den Völkern der Erde zu lehren; außerdem ist e» seine Pflicht, Zeven in dem Schooße seine» Glaujben» ungestört zu!«§»." Erft nacj? wiederholten dringenden Bitten Steblitzky'» willigte er ein, ihn mit den religiösen Gebräuchen de». Judenchum» bekannt zu machen, und da» hebräische Lesen, wie auch da» Berständniß der hebxäischen Gebete zu lehren. Seit dieser Zeit lebte er ganz nach jüdischer Sitte, entzog fich allen den Israeliten verbotenen Speisen, und richtete sein Hau-wesen nach israelitischem Brauch ein. Seine Gattin zeigte! bei dieser Gelegenheit eine unsergleieblich schöne Anhänglichkeit und Gattenliebe zu ihm. Gewöhnt, allen seines» Wünschen nachzukSmmen, war. sie auch hierin ihrem Spanne nicht hinderlich, und wiewohl sie über seinen Entschluß sehr erschrak, suchte sie b»(fcr nachdem sie vergeblich ihm davon gbzurathen fich bemüht, >. ihn noch zu beruhigest und ihm in der Einrichtung der neuen Wirthschaft bülsreich an die Hand zu gehen. Doch ' Steblitzky hatte noch >immer nicht die Beruhigung, die er"' zu finden hoffte. - Er wußte wohl, daß, um wahrer unh Lchter Israelit zu sein, die erste Bedingung ist, sich beschneiden zu lassen, und so bereitwillig »y sich dieser, in seinem Alter (sechs u/»d vierzig Jahre war er damal»)- so schmerzlichen Operation unterziehen wellte, so fand sich doch Niemand, weder in der jüdischen 8e«einde zu Nicola», noch in der Umgegend, der diese religiöse Handlung An ihm zu voll- . ziehen wagte, weil St inet sich den schlimmen Folgen-an»- fetzen wollte, die bei der Entdeckung derlThat eintreffen mußten. Wie oft unv wie flehentlich wändte er fich an

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