Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 32 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
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128 ordentliche Gewisscn-fi^upel tn der Gastronomie und fraß kein Kutter, weil e» unverzehntet war. (Eabbath112, b). Ein anderer Lchter Esel brachte allabendlich den verdienten Taglohn feinem Herrn; wenn jedoch der Miether etwa» zu viel oder zu wenig an Sohn dem Esel ans den Rücken band, kehrte er nicht nach Haufe, jßinstma!» ließen Seme ein Paar Schuhe auf ihm liegen, und der gute Esel blieb fv lange stehen, de» Hunger» nicht achtend, bi» ihm die Schube abgenommen wurden. (Tanll. 23, s). 11. Man,pflegte zu sagen: „Der Schafbock ist beim Leben ein», beim Tode fiebenstimmig," wa» dahin erklärt wird, daß man au» seinen Hörnern Blasinstrumente, auS seinen Schenkelknochen Flöten, au» feinen großen Därmen Saiten zur Laute, au» seinen kleine« Därmen Saiten zur Harfe und auseiner Haut Pauken verfertigt. Za, man machte sogar au» seiner Wolle Kugeln in Form von Granatäpfeln , die al-dann zwischen die goldenen Glocken am Oberrock de» Hohenpriester» angebracht wurden., welche so durch den Anschlag Glockentöne hervorbrachten. (Kmim25, a). l 12. „Du hältst Fliegen, Flöhe und Mücken al» über» flüssig, und doch gehören sie zum Schöpfungsplan der Bor» ßehuag." (Rabba vajikra f.|189, d). Titu» sollte an der schwachen Mücke die göttliche Allmacht kennen lernen, (Gittin 56. b) unv jeder Mensch soll dem Stolz sein Herz verschließen, da selbst die Mücke um einen Tag früher, al» >r geschaffen wurde. (Sanhedrin 38, a). — Auch die Schlange hat ihre Bestimmung, und diese ist wichtig geiwg, wenn sie auch nur den Zweck hat, den Verleumder darzustellen. Ernst, heißt es, werden alle Thiere gegen. die Schlange sich vereinigen und über ihr Treiben Rechenschaft verlangen. Der Löwe würgt, aber er genießt seine Beute; der Wolf zerreißt, aber er stillt seinen Hunger dadurch; welchen Genuß jedoch hast Du? So fragen sic/ vir Thiere. Die Schlange erwievert: „Und welchen Genuß hat denn der/Verleumder? "-(Lrachin 15, b). — Dem hartherzigen Baker wird der weiße Rabe (Elster), der seine Zungen liebt, entgegengehalten. (Ketuborh 49, b). Aphorismen. 8s« Dr. Dahl. Die gute, alte Zeit! nicht jener herrliche Zeit, al» die. Erstlingsgarben de» Judenthum» etnporstrebten; auch nicht di» de» Mittelalter», al» der fruchtreiche Baum Jakobs schon die halbe Welt überschattete; nur auf ein halbe» Jahrhundert blicken wir mit diesem AuSrufe zurück, al» ein arme», verachtete» Völkchen, allem Anspruch auf den Prunk der Außenwelt entsagend, die erhabenen Tugenden der Menschenliebe und Gottesfurcht au»übte; al» die milde Flamme der Humanität, mit der sich die Fortschrittsmänner der Neuzeit brüsten, unerkannt und unbeachtet in den schmutzigen -Gaßchen der stolzen Städte loderte-doch. die fünfzig Jahre sind verflossen, und die Allgewalt der Zeit — nicht die Humanität; denn der Haß glimmt noch in der Asche — hat da» bedrängte jüdische Volk der dumpfen Kerkerluft entrissen. Aber leider! hat eS mit. dem reinen Aether der Freiheit auch den Pesthauch einer ver- .derbten Eivilifation eingesogen.. „Die Kinder Gotte» kamen zu den Töchtern der Menschen" und lernten ihre Moden, Solle» und Theezirkel kennen. — „Die Augen gingen ihnen auf. und fie sahen, daß sie nackt waren;" sie schämten sich ihrer nackten Einfalt und bedeckten fie mit dem gleißenden Modeflitter der Zeit. Und wie ein parfümirter Stutzer die altfränkische Tracht seiner biedern Eltern belächelt, so blickt man mitleidig auf da» schroffe, ungehobelte Judenthum zurück und haschte, kaum daß noch der Peitschenknall unserer Dränger verhallt ist, nach der Gunst einer Menge, deren Vorfahren un» mit harter Knechtschaft drückten. Za, um der Schmach die Krone aufzusetzen, verbannt man au» den Familien die Namen der Erzväter und der hochherrltchen Männer und Krauen au» der glorreichen Zeit de» Judenthum» — wahrscheinlich au» einem inneren Gefühle, ihrer nicht mehr würdig zu sein — und kokettirt mit den Namen jener übermüthigen, mittelalterlichen Wegelagerer, Ritter genannt, die dem Juden seine Habseligkeiteü raubten und ihn mit Feuer und Schwett verfolgten.--Geht, Ihr seid nui noch bunt schillernde Schmetterlinge, die, wenn man ihnen den Blüthenstaub abgewischt. nur ein nackte» häutige- Ding zurücklassen. Juda ist au« seiner edlen Einfalt herausgetreten und eine eitle Putznärrin geworden. Ein eigenthümlicher Ausdruck in der jüdischen Volkssprache »st da» Wort „Schlemiehl." welche» durch Ein deutsche» Wort wiederzugeben schon deshalb unmöglich ist, weil e» zugleich die subjektive Bedeutung „Tölpel" -einen linkischen Menschen, und die objektive: „Pechvogel/1 dem Jede» und Alle» mißlingt, in sich faßt. Der Ursprung de» Wottes ist mit Gewißheit wobl schwer zu ermllteln, UN» dünkt beinah, als ob e» von 'niTD (mein Friede ist Gott) abzuleiten fei, indem „Schlemiehl" vielleicht ursprünglich einen in Einfall wandelnden Menschen bszeichnete. Aber im Verlauf der Zeit, wie auch viele deutschen Wörter, z. B. Dirne, Schelm, Kerl u. a., eine gehässige Nebenbedeutung annahm. Der Ausdruck theilt vielleicht mit dem Worte „einfältig," dessen edler Inhalt in einen sarkastischen übergegangen ist. dasselbe Schicksal. Der frühere Eriminaldirector Hitzig in Berlin, ein getaufter Jude und vertrauter Freund Adelbert» von Ehamiffo, hatte diesem, der wegkn eine» Namen», den er feinem Romanhelden geben wollte, in Verlegenheit war, zu „Peter Schlemiehl" gerathen. Allgemeiue Zeitung de» Judeuthumt. Ro. 48. 4856. Leitende Artikel: Altert die Meuschheit? altert Israel? Ei» Pesiachwort. — Erklärung. — Aut Belgrad in Serbien; die Lage der donigeu Ge«ei»de. — Die Schweiz. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Jena, aut Baden, Haunover. Preußen: Berli», Berlin, aut der Proyivz Pose». Oesterreichischer Kalserstaat: Prag, Groß Bectkerek. Die Schweiz: Beru. Türkei: Smyrna. 3» bezieben durch jedes Postamt und jede Luchhrubluuz. Jährlich 3 Thaler, vieneljährig '/« Thaler. i Lerauiwonttcher. Redakteur: St. Nabe. D«rla> von Vou»-Lrt»er'« VuS-dandlonß in tftiyji*. — trurf von «lexaoder Sied« tn Leiviig. (Hierzu eine außerordentliche Beilage.)