Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 26 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Unterhattung auf jüdischem gebiete. Herop-gegtbt» vov I«o. 8K. I8L6 I Rabbiner vr. Ludwig PhiUppsou in Magdeburg. #on di»kt^g»ilsck>ris» erichet»« wSchenlllck «ine Stummer. Preis »es Iabr- (dnil .1 tblr. Bieriehädrlg 7'/. fc*t. SDt Vocddaudlungen. 9*JMmtrr | und getiunjidexptdino»«» nedmen P«Srllungr»an. [ 3. Jatjrg.«. «B»«rt«L J Parallelen aus dem Leben. Ist eS Dir noch Sicht vorgekommsn, lieber Leser, daß Du in einer Family, in einem Mpnde, Tod. Geburt und Hochzeit erlebtestdaß in einem Und demselben Hause, in derselben Sekunde, nwa bloS durch!eine Wand getrennt, der erste und der letzte Schmerzensschrei jener eines eben geborenen, und dieses eines rben versterbenden Menschen ertönte? daß im ersten Stockwerk destlelben Gebäudes der Jubel einegroßen GlückeS, im zweüen der Weheruf rinevernichtenden Verlostes zur selben Stunde gehört ward? ja — o ich erinnere!nich dessen wohh — mitten in eine größte Freude des Lei enS eine bitterste Täufchuyg hinein« trat — und umgekehrt ... Ich Hahe es vielfach erlebt, wie daS Leben solche Gegensätze liebt j wje es liebt, den Menschen aus dem onnenbeschienenest Orangsnhain des Glückes, wo weiße Blüthen und golstene Früchte an demsetbm Aweigf Manzen, mir Einem scherstur des Mißgeschicks zu versetze Maie in, di« Gletwelche Eisfelsen e>». und Abgrund, spt,ge glatte Schurre und unergründliche Eisspalte dicht an ein»nder grenzen, ürit einander abluechseln läßt. Es war mir stetinteressant^ zu beobachten, wie »st parallel nebenemanl er die entgegengefetztestea«cenen laufen. daß daS Leben d m. der eS zu überschauen vermöchte, aiS der bunteste Tepp ch. in welchem die mannichfaltigsten Tinten, die verschied«»artigsten Blumen-,. Frucht» und Dornenstöcke neben eil ander gebracht find, dan sich dennoch nicht Eineganz wiederholt, erscheinen würde. Ich selbst habe solche Do gange oft beobachtet, und da laß mich, lieber Leser. Einige» auS meinerreichen Erfahrung lir mittheilen. Ls st dem Menschen oft sehr nützlich, ihn in dem einen Au lande zu erinnern, daß es noch einen andern giebt, d r gar nicht alszuweir entfernt ist. Ach, dem Menschen d inkt gar leicht istaS ihm gerade ist als die ganze Welt, s ine Gegenwart stls das gcinze Leben. Dem kummervollen »üe dem Uebermüthigen thstt es gut, wenn man ihm sagt: weißt Du nicht, wie schnell eS sich ändert auf Erden? . . 1. Iver Abschied. ..Nun. Frau Mottw, nun mach' dem Dinge ein Ende, ich bitte Dich. Was soll daS Weiner!, di« vielen Umstände bei einem Abschiede auf einige chkonate. ein, höchstens zwei Jahre. Dir Wagen wartet unten, der mich nach der nächsten Eisen Zahnstation bringst; morgen um diese Zeit bin ich in Brüssel, in acht Tagen in Paris; wohin von dorz» werde Ich ftfon sehen und schreiben; genug, das Leben in unserm Neste langweilt mich zu Tode; der Vater hat mir endlich gestattet, die Welt zu stbea, was ist also da zu klagen? hast Du mir nicht selbst den Gedanken gegeben, den Vater bewogen? So einer eleganter Dame, wie Du bist, steht 1»aS Jammern nicht an. ich schicke Dir auch les nouvesulss Iss plus nouieellss auS Paris und Lopdon, daß die GeheimrochS dkülbeü vor Petd bersten sollen . . . ' . So und ähnliche Worte mehr.sprach tin junger, in die feinsten Reisekleiver gehüllter kchann von! etwa zwanzig Jahren, die man'ihm freilich? ^icht mehr ganz ansah — denn die Frische der Jugend mochte vor d«r!Gluth des schon genossenen Lebenentwichen fein. Zn klnem glittzenden Boudoir stassd er vor einer Dame in mittlerm Alter, die. trotz dem I mi>bif<6tfltn Rdgligs, verstört auf einer Otomane saß ustd mit dem Spitzentuch, wiederholt nach den Augen fahr, ja in der dennoch die! Mutter über die, in tausend Richtigkeiten versunkene Weltdame den Sieg davon trug, »aß tyrptrrg stöhnte tot« AstWtd« von ihrem einzigen Sohne.! Der Jüngling ging durch das Zimmer noch .einige Male hin. und her, und rief voll Ungedrrkst Hann aus: „Wo bn Äater bleibt/der kann fich gewiß Noch nicht voa seinen Anweisungen And Wechseln trennen,^ die er mir mitgeben muß . . . /?! „Franz, Du bist undankbar/' erwiederte die Dame, „bist Du denn so sehr ungeduldig. Deine Eltetn zu verlassen?....".? - ' | „Dann hätten wir eS vorher überlegen müffeU," lautete die Antwort, „da es nun aber einüral bestimmt ist, und ich gestehe, daß ich strich sehr glücklich darüber fühle, so Hilst daS Zerren zu inichtS, und je eher zu lEnde. desto besser! j Die Mutter stutzte. Da erscholl ein etwas schwerer Tritt die nahe Trappe herauf, ein Dientr öffnete die Thüre und war, ein Portefeuille tragend,^hinter einem ältlitben Herrn herein. ^— i ES war ein ganz stattlicher,^chon bejahrter Mann. Sein Aussehen war sehr behäb1g»Wder Bauch, den-skvpf in den Nacken geworfen, roch« WlDDn, Helle Augen, hohe Stirn, aber mit' ganz weißen Hmtten bekränzt. Dennoch ließ ein prüfender Blick, selbst trotz dem feinen Anzuge und den blitzenden Solitairs, keinen rechten Reshecl auf« kommen, denn die linkischen Manieren bei großer Süffisance, der finnliche AuSdruck, die schlaffen Züge verrie« then, daß hier weder Bildung, noch fittliche Würde vorhanden. , „Run, mein Sohn, noch beim Abschied bei der Mama?