Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 20 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
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deS ehebrecherischen Leben»! unv die Entartung der Koabenliebe, der bachantische Tauivtel von Wahnglruben, Unglauben und Derthierung machten die Juden a if ihr geistiges Eigenthum um so stolzer [uiiD forderten sie gewissermaßen heraus, die Vorzüge ihrer! GotteSerkenntnif im Gegensätze zu der heidnissten Religiös geltend zu machen. Da. wo dieshrlechische Sprache beii GebankenauSraüsch erleichterte, wie in Egypten, Klrinafien unv Griechenland kam e» zu geistigen Reibungen zwishen Juden und Heiden. DaS Judenthum lud gewiffernttßen vaS Heiden^hum vor das Tribunal der Wahrheit uw stellte seine Erhabenheit der niedrigen heidnischen Denkveise gegenüber.! Tie in der Brust leben ve Uederzeugung her Juden rang nach einem Mittel, sie au h den Bethürten! und Verblendeten beizubringen, weil aber daS Judeätbum bei den Völkern verhaßt war, g issen, die Gebildeteren zu einer An frommen Betruges, heidnische Dichter! und Wahrfa. ger selbst die Größe deS ZudenthumS verkünden zu lassen. ES ist bereits erwäl nt, daß aleranlrinifche Juden den im Nebel der Sage gehüllten Sänger OrpsseuSl jüdische Gedanken dichterisch c uSsprechen ließen Sobald daS römische Weftn sich verbreitete und die ^Sage von der weissagenden Sibylle bekannt wurde, beeilten sich jüdische Dichter, daS waS sie im eigenen Namen nicht auSfpreche,,' durften, oder wofür fe kein Gebör gefunden hätten, der römischen Sibylle unte 'zuschieben/ Die Sibylle spricht den riefen Gehalt deS Jrdentbum» ,ln Orakelform aus, erschüttert die Gemüther d irch AuSmalen her schrecklichen Folgen der Gottvergeffenhiit, reicht den Völkern, die sich in blutiger Zwietracht aofreiben, den Qlivenzweig deS Friedens und der Eintraht hin, wenn sie sich zu dem emen unsterblichen Gott d'S ZudenthumS bekennen, und eröffnet ihnen glanzvolle Aussichten glückseliger Zeiten, von denen die Propheten ^eweiffagt. Zur'Probe mögen folgenve sibyllinischen Ders> dienen. Im Eingänge wird den heidnischen Völkern zugerufen: , Ueber Gestein irrt ihr. Hört auf denn,; Sterbliche, -Thoren, i .; i ' Die ihr tappet in Nacht, in lichtlo» finster« Dunkel >)!s Dann wendet sich die Sibylle an Griechenland alt! Vertreter de» Heidrnthum»: ' » Griechenland aber, warum vertrauteA du sterblichen! Herrschern, I Welche dem endlichen Tod nicht zu entziehen ver inögen? i Und warum bringst dlr^dar^ den Todten vergeblich^ Gaben, > Opferst den Götzen? Wer hat den Jrrthmn! gelegt in / die Seele Dir, um diese» .zu thun und den großen Gytt zu ver« , lassen? .;! . . . Allvater» Namen vetehr' und nie sei dir er verborgend Tausend Jahr aber find'» und fünfhundert andere Jahre! Seitdem über die Griechen geherrscht übermüthige Herrscher.!! Welche zuerst daS Böse gelehrt die sterblichen Menschen; Die viel Götzenbilder gemacht für die, welche todt find^ Wegen welcher man euch unterwies auf Eitle» zu stnnen. Aber wenn über Tuch kömmt' der Zorn deS allmächtigen Gotte», -r Dann werdet ihr de» großen GötleS Antlitz erkennen. Aber die Seelen der Menschen zumal werde» stuften gewaltig, Unls zum Himmel empor,,dem großen, die Hände erheben. — Und man beginnt einen Helfer zu nennen den machtjgen König., Und de» gewaltigen ZornS Abwehr, wer fie fei, zu erfragen'). Sterbliche Menschen, feischlich gesinnte! und nichtige Wesen, Wie' überhebl ihr so bald euch und schaut nicht. ausS I Ende deS Leben»? Zittert ihr nicht und furchtet ihr Gott' nicht, euren höchsten Herrscher, der AlleS als S höpfer ernährt, welcher pflanzte den füße^ Geist in Alle hinein u >d zum Herrn <!ller Menschen! ihn machte? Ein Gott ist, ein einiges Gott, unendlich und ewig. Herrscher deS All, unsichtbar, selbst jedoch Alle» er, F blickend; j Aber er selbst wird nimmer gesehen rion, sterblichen > Wesen. 4- Ja, ihr werdet gebührenden Lohn für die! Lhorheit empfangen : } Denn den wahren und ewigen Gott nach Gebühr zu N j verehren i Ließet ihr nach; statt ihU» Hekatomben. hehre zu opfern. Habt den Dämonen ihr^Opfer gebracht-! den Geistern im Hadeii. Und in Dunkel und Wahn geht ihr, vom «bnSn, graden Pfad abweichend zieht ihr hin auf dornigen Wegen, Im Gegensatz züm Heidenthume hebt die'Sibylle die Vorzüge des' JudentbumeS folgendermaßen hervor: (Sijjf Stadt giebt'S im asiatischen Lande; . Au» ihr' ist da» Geschlecht der gerechtesten Menschen ■i entsprossen, Die stets treulichen Sinns und herrlicher Werke gedenken : Denn um der Sonne kreisförmigen Lauf nicht- - noch um de» Mondes. Noch um gewaltige Dinge sind sie auf Erden be» i kümmert; — >7 Aber ftr sind nur bedacht auf Gerechtigkeit-und auf die Tugend. ' Auch besitzen ste nicht Geldgier, die den sterblichen , Menschen Tausend Uebrl gebiert, den Krieg unv den schrecklichen Hunger. Auch ein richtige» Maß haben fie in den Dbrftnl und Städten, ') StbylliaeU nach Frtedlteb't Neberfetzung, erste» Fragment S. r. ». <—4} t9—rr. *) Das. Bach z. v. 8^8—56!.