Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 20 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches VolkSblatt. 4, Zur Kelkhrung uni) Jlnfprfiaftiiiu) auf jüblschem Gebiete. Herausgegebe» von Rabbiner ] I >r. Ludwig Philippfon in Magdeburg. lNo. 20. 1836.; Veit Bir{rr Zeid | »angs t iblr. •rtft trttxmt »ö<l>»nil»l> eine Mtunour. Preis de« Jobr« , , n i* * . . » vierreljäbris 7'/» NU» 0>u»boneiluis»»!. Poüimier l »4 jfflnflt £ Biltlln«l r -teitungs^rebiiionen aelnnen We«eUnn«en an. , * -*• J Donau waren von Juden cheS Berhängniß trieb eS rer von ihrem Mittelpunk aber auch ein Gegen und Die Ausbreitung de » jüdischen Stammes und der jüdischen Lehre por der Zerstörung Jerusalems. Aus Dr. H. Grttz. Geschl^te der Juden von den Makkabäers tk<i zum Untergang des jüdlfchm Sta tes'). Keinem Volke der Erde ist an der B liege schon daS Lied von endloser Wanderung und Zerstreuung vorgesungen worden, wie dem jüdischen, und dieses schaurige Wiegenlied ist in erschrecklicher Buchstäblichkeit in Erfüllung gegangen. GS gab kaum einen Winkel in ^den beiden da°- malS herrschenden Reichen, dem römischen und parthischeu, worin nicht Juden wohnten 2), no sie nicht zu einer religiösen Gemeins^afi zusammenger>achsen wären. Der Rand deS großen MitelmeerbeckenS um die Mündung aller Hauptströme der alten.Welt: Nil, E iphrat, TlgriS. bevölkert. Wie! ein unerbinlidie Söhne Israels immer weie fort. Diese Zerstreuung war ein Werk der Vorsehung. Die Unvertilgbarkeit und Unsterblichkeit de» jüdischen Stammewar dadurch gesichert. J^ einem Lande verfolgt, zertreten. sammelten sie sich in einem andern und gründetet Stätten für die immer theurer gewordene kehre. ES wa. ren auSgestreute Saamer körner, welche toon der Bor- 'sehung bestimmt waren, überallhin lautert GotteSerkenntniß und tiefere Gesittung hinzutrag<n. Wie die Colonisirung der Griechen dazu beigetragen hal^Einn für Kunst und Wissenschaft unter ^en verschiedenen! Nationess zu wecken, wie die Ansiedelung der Römer dazu diente, ein durch Recht und Gesetz geordnetes Gemeiswesen in vielen Ländern zu fördern, so bat die noch v!iel auSgebreitetere Zerstreutheit der Jsden den nicht zu übersehenden Zweck, den Wahngebilden und den verthierten Lastern deß Heidenthumentgegen zu wirken. Wie Zersprengt aber auch der jüdische Stamm! war, so wäret, feine Glieder doch nicht von einander losgelöst; sie hotten einen EinigungSpunkt im Tempel zii Jerusalem und in dem Gynbevrion der Ouaderhalle! an denen die iZerstreuren mi: ganzem Hetzen hingen. Dorthin waren Älter Blicke gerichtet. dorthin sandten Älle ihre Spenden, um fich an *) Der Druck deS Werkes uäbert fich seines Sude; i« März wird «S deu Adoaneste« dei! Justttut« z»r Föideruug der israelitisches Literatur zugefasdt. *) Ettabo bet Josephs» AlteNh. XIV. 7. 16, 4. iltedact. 3.; jäd. Krieg ll. dem OpfercultuS wenigstens durch Beiträge;u bethoikjge»; vom ^Synhkdrion erhielten sie ihre Norm fürs Leben, die um to bereitwilliger, befolgt wurde, als sie nicht durch Zwang aufgelegt war. Daß Synhedrion sandte von Zeit zu Zeit.Abgeordnete zu den Gemeinden nah und fern, um sie mir den wichtigsten Beschlüssen bekannt zu machen*). Das Besuchen de- Temvels von Seiten der außerpalästiniensischen Juden befestigte da- Band der Einheit, und diese Besuche müssen so häufig gewesen sefn, daß die auswärtigen Juden eigene Gotteshäuser in Jerusalem hatten, wo fie sich zum Gebete versammelten. ES gab in der Hauptstadt Svnagogen der Alerandriner, Kyre« naiker, Libertiner, Eikieier und Asisottn*). Di« Zahl von drei Hundert achtzig Svnagogen. welche sich in Jerusalem befunden haben sollen, bürste nicht allzusehr übertrieben scheinen, wenn man berechnet, daß zum Paffafeste > runzkilan über gwei und ,in halb Millionen Mensche» auallen Ländern zusammenströmten*). Bon der großen Zahl der Juden in dieser Zeit kann man sich einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß in Aegvpten allein vom Mittelmeer biS zu den Grenzen AethiopienS' beinah eine Million wohnten *). In Syrien und namentlich in der Hauptstadt Antiochien machten die Juden einen großen Theil der Bevölkerung au-. Die ontiochemsche Gemeinde hatte eine schöne, mit reichen Weibgeschenken gefüllte Svnagoge*). In der Welthauptstadt Rom, de» Anziehungspunkt der Ehrgeizigen, Gewinnsüchtigen, Schwärmer, Unzufriedenen, sammelte sich auch die jüdisch, Bevölkerung so massenhaft an, daß, als der Kaiser Elaudiu» sie wegen Unruhstiftung, die von einem unbekannten Manne C h r e st u S auSging (nicht Christus auch nicht ein Ehristiaaer), aoSzuweisen beschlossen hatte, wegen ihrer großen Menge nicht wagte, den Beschluß au-zuführen (»« 48)*). Rach einer andern Nachricht hätte fie EläudiuS doch ver^ trieben 9). Größer noch als in Europa, Syrien und Afrika war die Zahl der Juden in den parthischen Ländern, Ueberreste der ehemaligen Erulanten, wo sie in Mesopotamien *) Dergl. Apostelgeschichte 28, 2(. *) Das. 6. 9. Tosifü Megilla c. 2. Jeras. Megiüa Hl. 75. d. Js Babli Megilla 26. *. würde die Lesea« rarsiiw eise Svnagog« der. Jade» »os Darss« schließe» lassen. ' Josephs« jüd. Krieg VI. 9, 3. ktzssediru 64. d. Pdtl» gege, fflaecv« II. 523. ') Josephs« Altend. VII. 3. 2. ') Dio Cassius 60, 6. Orosius 7, 6. *) Ssetos. Llasdiu« 25. jzJ