Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 18 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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. 72 voll heftigen Atramvfm überfallen und den folgenden Tag wieder nach Frankfurt geschafft. Fest überzeugt, daß Genesung nun unmöglich sei, erwartete sie ruhig und gefaßt die Ankunft de» Tode», und obfchon die -Sprache sie verlassen hatte, so war sie doch im Stande, ihre Bedürfnisse und Wünsche durch Zeichen mitzutheilea. Ihr sehnlichster Wunsch war der, ihre Mutter zu trösten, und wenn auch ibre Zunge sich weigerte, ihr Amt zu verrichten, so flehten doch jene abgezehrten Finger die Mutter an. geduldig zu sein. Die letzte Bewegung, die ihre Finger machten, war. um die Worte: ..obschon er mich rödke. hoch will ich auf ihn vertrauen." zu bvchstabiren; und älK"diefe ihrem Willen nicht mehr Folge leisten wollten, pflegten ihre lie. brnden Äugen ibre Mutter zu suchen und dann aufwärts zu blicken, anbeutend, daß sie sich einst wieder begegnen würden. Sie starb im. September de» genannten Jahre». Sie liegt auf dem jüdischen Gottesacker zu Frankfurt be. graben: auf dem Steine, welcher da- Grab bezeichnet, befindet sich ein Schmetterling und fünf Sterne, darunter die Inschrift: ,.Si, wird gerühmt von den Früchten ihrer Hände, und ihre Werke werden sie loben in den Thoren." Svr. Sal. 31, 31. — Ihr T»v wurde besonder» in England und Amerika tief, betrauert: auswärtige Freunde ergrss.» sich in Klagen. Privatfreunde drückten ihren Schmerz in Poesie und Prosa aus. und die verschiedenen Journale beider Hemisphären sprachen von ihr mit der Achtung und Bewunderqng,,die sie.so reichlich verdiente. Kür ihr eigenes Volk war ihr Verlust unberechenbar groß; fie war rin goldene» Glied in der Verbindung zwischen Juden und Christen; von Beiden gleich geachtet und bewundert, brachte fie die Einen den Anderen in Liebe naher, und verdiente, inbtmfie in einem hohen Maße dazu beitrug, da» Vor» uriheil zu vernichten und gegenseitige Liebe einzuprägen, den Dank be» wabren Christen eben so sehr, al» den de» gewissenbaften Juden. Im Laufe der Zeit lernte auch, wie bereit» erwähnt, ihr eigene» Volk sie nach Verdienst 'chäyen, und eine kurze vor ibrer Abreise nach Deutschland an sie gerichtete Zuschrift mehrerer jüdischen Krauen Euglantr» «st ein schöner Beweis der rühmlichen Anerkennung, welche ihr heilige» Streben in näheren und weiteren Kreisen fand. — Unter Grace Aguilar'» Werken von—allgemeinem Charakter ist der „Einfluß de» Hauso»"-vielleicht da» beliebteste. Da» Nacdstück dazu, „der Mutter Belohnung" (The roelhers Rfccompense), obfchon erst im Jabre 1851 veröffentlicht, war bereit» 1836 geschrieben. Da» ...Eederntbal" (The vale of Ceders) ist eine Erzählung vom jüdischen Glauben und Dulden, auf merkwürdigen Tbassachen beruhend, die ste durch Leute ihre» eigenen Glauben» kennen lernte. Die Anordnung war hier schwierig, wie e» stet»-schwierig ist, da» Einfache und Würdige zu verschönern, vbne dessen Wirkung und Schönheit zu zerstören; aber sie wußte zufammenzudrängen und zu vergeistigen, und all' ihre Gedanken und Gefühle waren in den Essenz der himmlischen Wahrheit getaucht. Wir find fest davon überzeugt, daß. wenn diese» junge Weib in den schrecklichen Zeiten der Verfolgung gelcbt hätte, sie um ihre» Glauben» willen den Scheiterhaufen bestiegen und sterbend für ibre Mörder gebetet haben würde. I Notizen des Tages. D»r Abgeordnete zum preußischen „Haufe der Abgeordneten" hat einen von fünf Grafen, drei Freiherren, einem Baron, fünfzehn Adligen und fünf Bürgerlichen un» terzeichneten Antrag auf Streichung der Worte: „die bürgerlichen and staatsbürgerlichen Rechte sind unabhängig vom religiösen Bekenntnisse", aus Art. 12. der preußischen Verfassung eingebracht!'. Vor Allem müssen wir Juden uns auf den vom Gesetze gestatteten Wegen wehren. Der Reracieur d. Bl. hat sofort an alle preußischen Gemeinden einen Aufruf erlassen, in Gegenpetitionen gegen einen solchen Act zu prolestiren. Außerdem ist er in den öffentlichen Blättern dem Abgeordneten Wagener mit geöffnetem Visier mtgegengetreten. Nous verrons! — Der König von Sardinien hat durch seinen Minister Marqui» d'Azeglio in einer Antwort auf eine Evin» burger Adresse erklärt, daß in Seinen Staaten die Israeliten völlig gleichgestellt sind und bleiben. — Viele Leser de» „jüdischen VolkSblatteS," welche die ,-Allgem. Ztg. de» Juventh." nicht lesen, wird folgende Stelle au» einem Bericht au» London imeresslren: „Bei dem Banker, de» Lordmajor» David Salonion» waren aüch mehr al» 20 Glaubensgenossen und einiqe Damen von der- Familie de» Lordmajor» zugegen. Da dasselbe am Freitag Abend stattfanv, so hatte er einige Schlafzimmer in der Nachbarschaft gemiethet für diejenigen, welche nicht nach Hsuse fahren wollten. Die Fleischspeisen für den Lordmajijr waren von einem jüdischen Fleischer bereitet, der den Auftrag erhalten, während der ganzen Amt»» zeit des Herrn Salomon» den Municipalpalast mit Speisen zu versehen. Herr Salomons besuchte am Morgen nach seiner feierlichen Jnstallirung die Synagoge von Portland-Street und wurde zur Thora aufgerufen. Wir führen diese Züge an. ,weil ein torystische» Blatt die religiöse Ueberzeugung Salomon» zu verdächtigen gesucht har. Im Nebrigen ist er von liberaler Gesinnung und hat soeben seinen Sitz im övard ok Deputies aufgegeben, weil er mit den Vorurtheilen. die diese Körperschaft' beherrschen, nicht» mehr zu thun haben will." Allgemeine Zeitung de» Jubeuthums. Ro. 4. 4856. Leitende Artikel: Die Stellung und Zukunft der Juden. — Literalnrbericht XI. — Au die Abonneule» der Instillt« zur Förderung der tsraelirischen Literatur. — Der Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Prenßen. < Forts.). — ZeitnngSnachrtchtrn: Deutschland: Eaffel. Oesterreichischer Kaiserstaat: Dien, Die», Präg. Brodv, Hotzenplotz. Donaufürstenthümer: an« der Moldau. Frankreich: Part«. 2$ 8° beziehe» durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler, vierteljährig •/« Tbaler. i Verantwortlicher Redakteur: K. Stäbe. Äeelaz * u * ftir ln nr> i*tt.+buntt>mg m Vrirjig. — Fnuf ton «lexairdir Wiede tn triftig.