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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 17 (1856) · p. Seite 69

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
17 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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67 u. .s. w. zu erhalten, daß 4oir an so cheitgi eisende Ideen nicht denken können. ES bleibt unter unS selbst so vtel zu tbun. wir erinnern z. D. an jüdische L chrerfeminare unv Lehrstühle. Wir müssen daher davom Korrespondent Besprochene den Juden in Amerika, Australien, Ostindien und am Cap überlassen. Jpir sagen hierbei nicht, daß nicht der Zukunft Solchenoch Vorbehalten sein könne — wir aber müssen davon bleiben! Die bürgerlichen Tugenden der Juden im vorigen Jahrhundert. 1 Cs ist nichtgewöhnlicher als die Meinung, daß die Juden im vorigen Jahrhundert aller bürgeilichen Tugenden baar gewesen, und daß erst die neueste! Zeit vermittelst der Gleichstellung jene bei unbervorgerufen haben. Der Gegenbeweis ist geliefert. Herr C.armoly zu Paris veröffentlicht im Licu d' sral‘l eine Reihje von DScumenten, die beweisen, daß k ie Juden zu allir Zeit gezeigt waren, dem Staate und d-m öffentlichen Woble zu bienen. sobald man ihtten bw Gelegenheit dazu nicht gewaltsam vorenthielt. Wir rheilen hier einige derselben mit. r. In, der 'Statistik vom Departement destrieder-Rheinvom Präfekten Laumvnd. die auf Befehl beS Ministerdes Innern zu Pariim Jahre 1801 verdeutlicht wotden, liest man in Bezug lauf die Israeliten im Elsaß Folgende-: ,! „UeberzeuglK daß cS nicht in den Absichten der Negierung liegt, ryje Männer dieser Nation rhn den öffentlichen Aemtern auSzuschließett, welche durch ihre Sitten und durch ihre persönliche Führung beS Vertrauens würdig find, habe ick ihr vorgtschlagen und sif hat ernannt zum Mitglied de- DepartemeNtal-Naiheden Kürzer Mogg (Moch) und die öffentltche Meinung hat düse Wahl bestätigt. ' , j „Ihre Geistlichen und Rabbinen iind^ebensowohl im Allgemeinen aufgeklärte unt» gesinnung-tüchtige Männer, von denen ich nur Lobendesagen kann; aber selbst, wenn sie im Geheimen allen Bo urtheilen, die ihr Stand mit sich bringt, entsagten, so suhle ich doch, daß sie nicht die geringste Abweichung der fanatischen Partei gegenüber wagen würden, und daß!stc eS auch nicht ohne Gefahr rhun konnten." 2. Ter tugendhafte Rabbiner AthiaS von Bordeaur hatte dennoch im Jahre 1795 folgenden Brief goschrieben: „An die Herren Maire, Municipalbramten und den oberen Rath der Gemeinde. ( „Meine Herren, ich Hab mit dem Briefes, den Sie mir zu schreiben die Ehre erzeigten, Exemplare! de- Gesetzevom 12. August erhalten, Bezug habend ans die Bildung von Ur« und Wahlversammlungen. Ich haße mich beetlt, dieselben an die Eingang'thüren der Synagpgea anzuschlagen, und die erste Llesung davon machen zu lassen. Am nässten Sonnabend wird da-^Gesetz dort von einer größeren Anzahl Bürger gelesen werden, die die Feier de- Festedahin ziehet. - , „Meine Grundsätze und riwin Eifer für die öffentliche Sache machen emir zur Pflicht, bei allen Gelegenheiten Gehorsam den Gesetzen und Achtung vor den bestehenden Autoritäten zu verkünden. „Mil diesen Gefühlen habe ich die Ehre, zu sein Ihr ganz ergebener und gehorsamer Diener Mittwoch, am 21. August. AthiaS, . im Jahre IV. Rabbiner der Juden von Bordeaux." 3. -! Der Prästck Colchen brückt sich ebenso in seinem statistischen Memoire.de- Departementder Mosrl^ VaS feinen Instructionen zu Folge an den Minister de- Innerer gerichtet ist, in Bezug auf die Juden, Pari-, im Z-Hre XI. auS: „Man muß ihnen da- Lob ^ugestehrn. 'daß selten. Klagen wegen Betrügereien oder Veruntreuungen in ihren HanvelSbeziehungen auf den Tribunalen einlaufen, ja daß sehr wenig Fallissementunter ihnen Vorfällen; daß sie eine außerordentliche Mildthätigkeü gegen die Armetr ihrer Nation, sowie auch gegen AnderSglaubenve beweisen; daß selbst Diejenigen, die weit entfernt von Wohlstand sind, sich auf da- Nothwendigste beschränken, um'den wirklich Rothleidenden Unterstützung zu. verschaffen. Wenn man einige eigensinnige Greise, m denen Gewohnheieen und Dorunhrile^u tief eingewurzelt sind, um sich davon loSzulöfen, auSnimmt, so fängt die Civilisation bet den'Zuden an Fortschritte zu machen. Einige haben sich Grundeigenthum gekauft, ^aS'sie bebauen; Andere erlernen'Handwerke; chre Kinder besuchen unsre Schulen. Mehrere von ihnen haben den Preis in der Centralschule erhalten; einer von ihnen ist im vorigen Jahre in die polytechnische Schule ausgenommen. „Die Jugend unterwirft sich weniger den abergläubischen Gebräuchen .de- RabbiniSmuS, der sich vollständig mit dem Despotismus werrrug, um sie zn Unwissenheit. Erniedrigung cknv UngMelligkeit zu erhalten. Aber mau muß hingegen sagen, daß die Sitten viel von ihrer alten Heiligkeit verloren haben; sie haben unterhaltene Frauen; sie besuchen unsere THnkhauser und man zählt unter unfern Prostiluirten mehrere jüdische Frauen. „(Hinen bemerken-werthen Umschwung inihren religiösen Ansichten bezeugen zwei Berheirathunge« von Juden mir katholischen Frauen, ohne daß ihnen weder -der Eintritt in die Synagoge, noch die Gemeinschaft mit den klebrigen untersagt wäre. Einer dieser Beiden, der in Dürftigkeit leßt, hat sogar Theil an.den Almosen der Gemeinde. Auch haben sie in den Jahren V, und VI. (1796 und 1797) junge Leute zu-Ler Mobilgarde gr» - stellt, die mir den Pünktlichsten in Di-Üplin und Treue auf den verschiedenen Posten, wohin man sie gestellt, gtwetteifrrt haben. Andere haben sich freiwillig 'einreihen lassen; sechzig find noch unter den Fahnen der Republik (einer von ihnen ist Chef de- Bataillon-)) acht find todt. Sie haben sich durch ihre Tapferkeit refranzösischen Namenwürdig gezeigt."

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