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Jüdisches Volksblatt · 1856-01-01 · 17 (1856) · p. Seite 66

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
17 (1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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1 66 < auf sich zu ziehen fähig wäre, 'sobald eS nur jedem Einzelnen erntzlick am Herzen läge, sowohl geistig als maleriell zur Ehre und Wohlfahrt unsere- Volkesein 'Scharrlein cheizusagen, sobald wir. so auSgestreut und entfernt wir auch von einander leben. dennoch emen durch innere moralische Krakl zusarmnenhängenden Körper bildeten unv mit vereintem Interesse und vereinten Mitteln all Dasjenige unterstützen würden, was einem Volke, dessen Aller sür dagrößte und dessen Geschichte als die ehrwürdigste anerkannt wird, am würdigsten ist und ihm zur Zierde gereichen kann. . \ — - Eine Anfrage. Ein Mann au- Pommern richtet folgendes Schrei», ben an uns: „In den neuern Volksblättern sind mir hei den Ärnkeln „Gegen rie Missionäre" einige Gedanken aurgestiegrn. über rie ich recht -gerne im klaren, fein möchte. ..Ist es überhaupt Unrecht, frage ich mich, wenn eine Religions'ktte, die da;u Mittel bat. von ibrem inneren Werrhe überzeugt. Missiouäre. auSschickk? Wäre es vielleicht von uns Juden ein Unrecht, wenn wir Associationen für Missionsrwecke gründeten? —• Zwar wurde man. eS unS ist den christlichen Staaten bald verbieten. - koch könnte man es untersagen, wenn es gegen die 'Heiden schebe? ..Ich ttebme den Fall an. ein Jude balle in seiner Bedienung einige Negersklaven, die noch dem Heidenkbumc angeböNcn. wäre es dann nicht lobenSwerth. wenn er dieselben von der Wahrhaftigkeit seiner Religion überrrugte und sie zu Juden machte? ..Liegt denn überhaupt etwas Verbrecherisches darin. Jemanden, der in Unbildung und Verwilderung lebt, zu riner sittlichen Religio,« zu bekehren? — ...Es ifl mir außcrdrnl unklar, daß es uns Juden an« «mreoblen wird, einen. Andersgläubigen, der zu unS kommt vnd unsre Religion annehmen will, davon die ersten Paar Male 'abzuredrn. — Ich meinesrbeils. bin so sebr von der Wahrheit unk Hölrlickkeir unsrer Religion durchdrungen, daß id> jede Gelegenheit wahrnebme,. ibre Borzügc und' Erbabrnbeiken öffentlich zu rübmen. und daß ick mich wahrhaft freue, wenn ich von einem Urberrritte;um Iuventhulnx höre. — „Man kann es. glaube ich . den christlichen Vereins» nicht verargen, daß sie zu bekehren suchen. Gegen uns Juden vermögen ne NlchlS, da wir, Gott fei Dank, auf festem Standpunkte sieben, doch jede Seele unter den Heiden, die ne;um Ekristentbume bekehren, ist ein moralischer Sieg über sie. Könnten wir Juden, denen eS an Mitteln nicht fehlt, nicht auch für die Sache der Culrur, deren Träger zu fein wir uns rübmen, auch in dieser Hinsicht Etwaleisten? ..Ich wäre sehr erfreute hochgeschätzter Herr Redakteur, wenn ne einige Aufklärung über riesen Gegenstand in Ihrem Volksblatte' brächten. L. S." Antwort. Wenn der geehrte Briefsteller die, von ihm aufgeworfene Frage nur theoretisch teaniw'orttl wissen wollte, so wären wir schnell fertig. Es ist im Iuvemhume nichts vorhanden, was den llebenritt. ja waS die Bekehrung geradezu verbiete. Es ist nur dem Juden zur Pflicht gemacht, nicht leichtsinnig zu Werke zu gehen, nicht äußere bestimmende Motive zu gestalte». wo es sich um die innere Ueberzeugung. um die Selbsttreue, um das Heil der Seele handelt. Auch haben zu allen Zeilen Ueberkritte staltgesundeii. Dem Abraham wird geboten (1 Mos. 17. 12. 13.). sowohl seinen im Hause gebornen, als auch den mit Geld erkauften Knecht zu beschneiden. . Und Abraham ,hal also (P. 83.). Solchen Knechten wird auch besohlen vom Peffack zu essen (2 Mos. 12, 44.); auch jeder Fremdling, nicht aus dem Stamme Israel Entsprossene. “3, der sich beschneiden läßt, sott davon essen (V. 48.), also ganz zur Gemeinde Israels gehören. Auch in, Talmud kommen Beispiele genug vor. ivir erinnern an die artige Anekdote mir Schanunai und Hille!. In Rom gab es eine Zeit, wo der zahlreiche Uebertritt von Römern zum Iudenrhume den heidnischen Priestern Furcht einflößte und die Salvriker veranlaßte. Blitze zu schleudern. Biele Decrere der byzantinischen unv römischen Kaiser verbieten den Juden. Sclaven iores Hauses zürn Iudenrhume anzunebme». Späterhin »erbot man überhaupt den Juden daS Halten uichljüriscüer Dicustboren. — Also, wie gesagt, vom theoretischen Standpunkte ist rie Antwort bereit, und der Inte foll sich nur jeder verlockenden oder gar zwingenden Maßregel enkbalten. Aber der geschätzte Schreiber dieses Briefes hatte doch vielmehr die praktische -Wirklichkeit im Auge, lmv darüber ' einige Worce. Der Eorrespondrnt schlägt die rechte Saite an, indem er die Frage nicht um bcS IuV-nrhums und s«neS LZacdSlhums willen erhebt, sondern alS eine Culturfrag,'. DaS Iudenrhum ist nicht auf die Vermehrung rer Zahl sondern nur aus die Treue seiner Bekenner der in ihm Geborenen berechnet. Seine Lehre sott.sich auSbreiten, aber nicht vermittelst des speciellen JuventbumS, sondern in ihrem allgemeinen Gedankeninhalte' vermittelst der Entwickelung des Menschengeschlechts. Die anderen positiven Religionen sink so in Abend- und Morgenland seine Sendlinge. seine Vorboten. Wo diese positiven Religionen schon herrschend sind, da wirkt daS Juventhum alltin durch seine Erisienz. Der Correspondent fragt nun: aber-wo das Iudenrhum mit dem Heidenthume in unmittelbare Berührung tritt? Wir sagen: allerdings ist eS da Pflicht der Juden, ihre Lehre zu verkünden, sie ben Heiden mitzuibeilen. „Unter ben Heiden erzählet seine Ehre, seine'Wunder allen Nationen," ruft unS der Psalmist auf (96. 3.). Aber der Correspondent weiß,. VaS Iudenrhum ist nicht allein Lehre, und die Uebung dcS Gesetzes erfordert den Anschluß an eine Gemeinde, besonders für Diejenigen, welche zu ihm treten. Deshalb kann eine Bekehrung der Heiden zum Judenthume nur von den Gemeinden ausgeben, welche in der Nähe der heidnischen Völker bestehen; Sendlinge, Missionäre in die. Milte der Heiden auSzüsendeo. um sie zum Iudenrhume zu bekehren, würde unübersteigtiche Hindernisse uttv schwankende Erfolge haben. Aber gar bei unS Vereine zu solchem Zwecke zu bilden und Kräfte aufzuwenden, würde rein phantastisch sein, und das sind — die Juden nicht. Wir Juden haben überall so viel zu kämpfen, sind so belastet, um nur CulruS, Schule, Wohlrhätigkeitsanstalten

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