Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 17 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches VolkSblatt. a« Belehrung u|iö MiiIerQaftung auf jüdischem HeKiett. HerauS-egebe» von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. •* sNo. II. 1856 ] Bo, dieser ZeUs-i-rikr rrfd^int irfl'fnHi* fine Rümmer, frei# beAIadr «ja«# 1 Iblr. Vien l|4bri,?>/, R«r. Alle fiubbantlungen. f sKämNr .uti» geiluii^sekredilio^en nebmen feftrUimnen an. «I3.Zl>hrg.2.D>«1at.] Romadisirendc Juden in Kurdistan. i§S ist merkwürdig, in we chen verschiedensten Gestal!» >ie Abkömmlinge AbrahamS in der MeNschrnwelt zir n sind. Nicht allein übt! all. sondern auch in allen Gestalten, aus allen Stufen dir Gesellschaft erscheinen stq. Der berühmte Lavard, der die großen Ausgrabungen in Nineveh und Babel veranstaltet hat. ging >auf feinest letzten Reise 1850 über den ZigriS hinan-, i nd durchzog die Ebenen und'Gebirge von Kurdista i. Unter Ändern', erzählt er: „Im Gebittc von Schirwai am Zabfluffe mitten im Gebirge trattn wir auf einige jüdische Familien, die von Orr zu Ort wandern. DieiLeute sind Tabulcrkrämer und Goldschmiede und werden selbst in den intoleranten Familien der Kuiden nicht ungern gesehen, da sie den Schmuck der Fraueii fertigen und «»-bessern." (S. 373.) j Später kommt er nach deoi Distrikte von 3^an. „Da meine Begleiter und Wiener sehr derMuhe bedurften. so hielt ich mich einen! Tag in Lasch-Kalah auf. AlS wir unsere Reise wieder fortsetzten. wähltet wir den direkten, jedoch schwierigen Weß nach Wan, d r nur in der Mitte deS SommerS gangbar ist. Wir folgten einem Flusse und traten in eine Schlicht ein. die in das Herz deS Gebirges führt. Auf einen steilen Wege 'angS deS Bachuferö gelangten wir nach drei Stunden zu einem großen Lager. Die Heerdeu n aren von den höher gelegenen Weiden herab» und zusammengetrieben wrden. um vor den schwarzen Zelten grmelken zu werden. Lin Theil der Weiber kauerte bereits um die Schafe. I! r langes Haar war in Zöpfen gestochten, die sich in.Scl leisen, in welchen goldene Münzen eingeknüpfi waren, endigten. Von einem hohen Turban von lebhafter Färb,, der eben» falls mit Münzen geschmückt war, sirl ein dünni r, weißer Schleier über ihre Schultern; '!ihre fliegenden Gewänder waren von glänzender Seide. Kinder liefen bir und der mit hölzernen Näpfen, und «in Mädchen, fei 6 in der Nähe stand, sang eine klagende Weise. wozu sie luf einem Tamburin den Takt schlug. Di: GesicktSzüge dir Weiber und Männer, die, als wir vorbeiritren, aus ihr n Zelten herauskamen, sowie die Sprachi, in welcher sie mit ein» ander redeten, zeigte, daß sie keine Kurden waren. ES waren Juden; Hirten und Wanderer, vielleicht ron jenen abstammeiw, die mit dem Hrhenpriester HyrkcnuS, im zweiten Jahrhundert unserer Z eitrechnung von TigraneS gefangen fortgeführt und in )er Stadl und l mgebung von Wan angesiedelt wurden. Ühre Abkömmlinge waren schon zwei Jahrhunderte nachher so zahlreich; daß SchaPur (SaporeS II.) nicht weniger alS 10,000 Familien in Wan allein niedermachle*). . „Wir lagen nahe bei den jüdischen Nomaden und'ich besuchte auch ihre Zelte, konnte aber nichts von ihrerJAeschichte erfabren. Sie weidetcn^hri Heerde» in diesen Bergen, wie ihre Väter vor ihnen gethan r^nd zahlten ihre Abgaben dem Gouverneur von Basch-Kaläh. Etz waren noch viele andere Familien. Hirten wie sie selbst in den Bergen Zerstreut; sie wtzrden wieder Hirtin, waS sie gewesen, als sie den Egyvtern ein Greuel waren. Diese- Lager von jüdischen Hirte» war 9076 Fuß über der MeereSfläche." Weiterbjsi berichtete er auS Armenien: ^,Jm ^)sten des Distrikts von Mahmudijab und in dem von Kärafu giebt »S viele Jezividörfer und''ein« betrichtllche'lüpische Bevölkerung. Beide Stämme werden von den kurdischen Häuptlingen sehr gedrückt, die ihnen ihre Habe und selbst ihr 'Leben mit der größten Gleichgültigkeit rauben, „indem die Kadi." wie mich Ahmet Agha versicherte, „FetwahS erlaffen hatten, baß Beides dem wahren Gläubigen dem Gesetze nach erlaubt sei." Lavazd. bemerkt hierzu hoch: „In der jüdischen Bevölkerung, die weit über diesen Theil deS alten Armeniens zerstreut ist. dürfen wohl die Ab» kömmlinge der zehn Stämme Mit mehr Wahrscheinlichkeit zu suchendem. als in den verschiedenen Ländern, welche scharfsinnige Dxrmuthung als Wohnorte der- Ueberreste .Israels bezeichnet hat." — Wir sehen also hier nomadtsirende Zudenftämme als Handwerker und ^Krämer, dann wieder in den Borgen Kurdistanals Hirten. Und in diesem Stande welch' Bild: seidene Kleider, weiße Schleier, goldener Schmuck — und Layard ist kein Romantiker, kein Dichter. Sein Wort ist Wahrheit. Daß cs so wäre! i ' t Ein Mann auS dem Innern von Ungarn Jdpicifct unter Andcrm in einem Briefe: - „Ich bin einer Derjeni» gen, die sich in ihren vielfachen Geschäften nicht hindednlassen, auch an das allgemeine Wohl ihrer Brüdeh zu denken, und lebe der Ueberzeugung, daß unsere Ration die Bewunderung und zugleich die Achtung der Völker - *) Mose« von Oberen«, B.' II. A. 19. St. Martin, M«th. sur 1‘Armfnie, Vol. I. p. 139. *