Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 16 (1856)
- Date
- 1856-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Indisches Volksblatt I ' 9„ - ' 1 Belehrung uhö Änlerhaltung auf jüdischem Gebiete. > ■ / i ' 1 HrrauSgegrde» von (C y ■ \ Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. lRo. 16. 1856]!Bon Mtjtr rftiiid-rtji ind'ftru wi^entli* »in« 9tu*mrr. Prti» r« Iadrr a cn 7 a m L . -» Iri-ii'ri* 1 Ibli. 4<ur[«|liihn* 1*/» War. fillr t,ud<hjiiMiitiliril, t*DtMm»r I JjljlM |^!l ffiMIldl I unb .■ifituMbrfrrtitipnfii ntbnitit t'(ftfllunu*n an. Einiges aus SalomoniMaimon'S Privat, erziehunq und Selbststudium. Don (inanud •v>(<btjin -V pppftd M Mi; Der Philosoph ©aloinonl M ai »> on. fin' dialektischer Selbstdenker. in seiner Richtung ein Kantianer, geb. 1753, grst. 1800, von (Sfturij ein Pole, und man muß seine Geburt-zeil wohl berücksichtige» — har sfin Leben selbst beschrieben (Berlin, 17n2. 2 Thle.). AuS seiner Kindheit erzählt er viel, namijnilid) für unS Ittleressanres. um ivelche die Scene sich fo sehr verändert hat. Die Leser veS „BolkSblarreS^ gestalten w!ohi, ihnen einige Auszüge vorzulegen. I In meinem sechsten Iabre s ng mein Vater mit mir an die Bibel zu lesen. „Im A nfänge schuf Gört Himmel und Erve." Hier unterbrich ich meine» Väter. und , flragte: Aber, Papa, wer bat Gott erschaffen? Vater. Gott ist von Niem nd erschaffen, er war vor .aller Ewigkeit da. ' Ich. War er auch vor zel D. 3. P. 3. V. ewig. — O ja, er war auch vo Also ist Gott vielleicht Behüte! Gott war ew Aber er hat doch einma Närrchen, nein! er w n Jahren da? hundert Jahren da. chon tausend Iachre alt? J. —p geboren werden ^müssen? ar ewig und et^ig und Ich war zwar mir dieser Antwort nicht befriedigt, aber ich dachte doch, Papa muff, ,S heffer wissen alS ich, und ich muffe eS dabei bewenden lafstn. ' Diese Vrrstellungsart ist der!ersten Jugend, '6ei der der Verstand noch unentwickelt, hie EinbilvungSkriift hinsehr natürlich, der Bibel die Geschichte gegen in ihrer vollen Bli'ithe ist, Ein ander Mal laö ich in von Jakob und Esau; mein Ban r cttirtc mir bierhei eine Stelle auS dem Talmud, wo eg! hieß: Jakob und Esau theilten alle Guter der Welt untereinander) Esau wählte sich die Guter dieses, Jakob hingegen die Gitter deS zukünftigen LebenS; und da wir von Jakob herstammen, so muffen wir allen Anspruch auf hie zeitlichen Güter aufgeben. Hierauf sagte ich mit Unwillen, Jakob sollte kein Narr gewesen sein, und lieb r die Guter dieses Welt gttvählt haben. Leider bekam ich hierauf zur Antwort: „Du gottloser Bube!" und mimt telbar darauf eine Ohrfeige. Mein Zweifel war frritid damit nickt gehoben, aber eS brachte mich doch zum Sl illschweigen. Der Fürst Radzivil, der ein großer Liebhabet .der Jagd war, kam einst mit seiner Hochler (die nachher den Fürsten Rawuzkev tzebeirathet bat) und seinem gongen Hofstaate nach unserm Don'e, uni daselbst einer Iagtl heizuwohnen. Die junge Fürstin begab sich, um MittagSruhie zu halten, mit ihren Hofdamen, Kammerdienern und Lakaien, in rbrn baS' Zimmer, wo ich als ein Knabe hinter dem Ofew saß. Ich ekstaunte über die große Pracht und den Glan; deS Hofstaats., gaffte voller Entzücken die Schönheit der Personen und die mit Silber und Gold botdir-. ten Kleidungen an, und konnte daran meine Augen Nicht sättigen. Mein Vater kam eben dazu, als ich ganz außer mir vor Freuden, in fei» Worte auffßrack : Ah! wie schön! Um mich zu beruhigen, und zuglnch in. den Grundsätzen -unser- Glaubenzu befestigen, raunte er-mir inö Ohr: ..Närrchen! In jener Welt wird die Duksel (Prinzessin) bei unS die Pezsmk heizen, d. b. im zukünftigen Leben wird die Fürstin/hei unS den Ofen heizen. Man kan^l fick gar nicht die Art von Enrpfindungvorstellen, d»e diese Erklärung bei mir hcrvorbrachte. Don der einen Seite glaubte tch meinem Vater, und war über diese zukünftige Glückseligkeit sehr froh; doch hatte ich zugleich Mitleiden mit' der armen Fürstin, die zu einem solchen schimpflicken Dienste verdammt werden sollte. - Von der andern Seite aber wollte emir doch nicht in den Kopf, daß diese hübsche, reiche. Fürstin. in dieser prächtigen Kleidüng: den Ofen eines armen Zudrn beizen sollte. Ich gerieth darüber in die größte Verlegenheit, biS mir fin Spieldiese Gedanken auS dem Kopfe brachte. Ich hatte, von seiner Kindheit an -viel Neigung und 1 Genie zum Zeichnen. Zwar hat»« ich in meinemväterlichen Haufe nie ein Werk dieser Kunst zu sehen bekommen, aber ich fand am Titelblatte einiger hebräischer Bücher Holzschnitte von Laubwerk. Vögeln und verglichen; ich fand an diesen Holzschnitten einen großen Gefallen, und bestrebte mich, dieselben mit einem Stückchen Kreide oder' Kohse nachzuzeichnen. WaS über diesen Trieb bei mir noch verstärkte, war ein hebräische- Fabelbuch, worin hie agirenden,Personagen (die Thlere) durch solche Holzchnitte vorgestellt waren. Ick zeichnete alle Figuren mit er größten Genauigkeit ab. Mein Vater bewunderte zwar terinnsn meine Geschicklichkeit, schalt aber, zugleich auk »tch mit diesen Worten: „Willst Du ein Maler werden? £>u sollst Vn Talmud studiren, und rin Rabbiner werden. Wer den Talmud versteht, der versteht Alle-." ■ Diese Begierde und Fädigkeit zur 'Malerkunft ging 4<i mir so weit, daß, da mein Vater sich in H. etablir). hatte, wo ein Herrenhof mit einigen sehr schön tapezirr