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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 12 (1855) · p. Seite 48

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
12 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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Wilhelm als nächster Nachbar veS Beraubten kam zunächst in Verdacht, sein Läugnen half nichts, das eorpos delicti ward bei ihm gefunden. Er wurde bestraft, aber mir haue er seitdem Rache gelobt, und dieses Gelöbniß nur zu sehr gehalten."' „Ich habe Ihnen diesen Vorgang berichtet, weil er der Anfang meines Schicksals war. Wie mich der böse, tückische Knabe verfolgte, waS er mir für Streiche spielte, wie. er mich verleumdete und verklatschte, daS gehört nicht hierher. Er verbitterte mir die sonst so schönen Schülerja^re. — Langst war der Friede heimgekehrt in Deutschland. ES war das schreckliche Hungrrjabr 1817 vorüber,. 1818 kam, ich hatte daö sunszehnk* Zabr überschritten. Durch meinen Fleiß hatte ich alle meine Mitschüler überholt, ich hatte schon Unkersecunva verlassen, und stand im Begriff in Obersecunda einzulketen; in zwei Jahren gedachte ich auf die Universität zu gehen. Einige der deutschen Fürsten schickten sich an, ibre Versprechungen, zu lösen. welche sie^beim Beginn jener Kriege, die die Deutschen „die Freiheitskriege" nennen,, gegeben. Darunter auch K?niz Mar von Barern. Die Constitution erschien. Mag sie übermäßigen Erwartungen-nicht.genügt Häven, die Vernünftigen begrüßten sie mit Freude. Auch den Juden erwachten neue Hoffnungen, Etwas' mußte hinsichtlich ihrer geschehe.». Da kam der 17. Oktober desselben Jahres, und mit ihm' ein Kgl. Refcript, durch welches die Ausschließung von allen Sraatsämtern selbst für die Juden Rheinbaierns und' das Verbleiben der alrbaiersch'en Juden im Gesetze von 1813 ausgesprochen wurde. Der Stamm dller fröhlicheren Hoffnungen war mit Einem Hiebe abgebaoen. ... Ich kam gerade aus rer Claffe. unvl hatte kaum meine Bucker abgelegt, als mich der Daker, mir trübernster. aber enkschlosseuer Miene zw sich rieft Er umarmte mich, küßte mich auf die Stirn — ich war Gefangen von so vieler Feierlichkeit, und blickte den Vater fragend an. „Mein David," hob. er endlich a», „Du bist ein braver, verständiger Jüngling, ich habe Dir eine' Frage vorzulegen. ..." — „Sprich, Zheurer Väter, waS ist eS?" — „Die Sacke läßt sich nicht mehr vertuschen, - sie ist entschieden, und darum müssen wix unS auch estrschriven. Dieses Blatt, was da liegt, schneidet D^nen Studien auf Gymnasium und Univeyuat alle Ankunft ab; Du kannst als Jude nichts werden; zum ärztlichen Studium hast Du keine Neigung, ich nicht die Mittel;, jede andere Carrrivro. ist dem Juden auf's Bestimmteste versagt . . . waS willst Du tbun? willst Du Deinem Glauben entsagen; willst Du Dir, mir, den Deinen, Deiner Ueberzeugunz untreu werden, oder willst Du den Dir so. . tbruren Studien entsagen? Entweder Du bleibst aus der Schule, dann kannst Tu -kein Jude hleiben oder Tu verläßt sie, und verläßt Deine Religion, Deinen Gon nickt? Diese Frage liegt Dir vor — ich säge kein Wort, ich' erkläre Dich heute sür mündig, fasse Deinen Entschluß, und künd' ihn mir beute, morgen, wann Dw willst. . -„-Ich war wie vom Donner gerührt, und -konnte lange nickt antworten. Endlich faßte ich mich, und antwortete: „Lieber Vater, ein Entschluß ist da nicht zu fassen-wie konntest Du an mir zweifeln? Weil weg weise -ich jede Versuchung, am Höchsten und Heiligsten treulos zu werden — nein! keinen Entschluß habe ich zu fassen, aber mich selbst, und meinen Schmerz zu überwinden. . . Ich fing an zu weinen. Auch meinem Vater rollten Thranen übctJHt Wangen. Er sprach mir gütig zu. ich aber riß mich ll»s, eilte aus meine Kammer, und warf mich auf mein Lager. ..." „Dies war der erste wahre Kamps meines Leben-, und ein sehr Harrer. Ich sollte meinen Neigungen, denen ich mich mit ganzem Herzen und guten Erfolgen hingegeben. entsagen, ich sollte die Hoffnungen, deren sich mein kindliches Hezz erfüllt hatte, aufgeben, mehr noch, ich sollte ein Leben beginnen, das ryir widersprach — denn EkwaS mußte ich doch ergreifen. Noch sehe ich mich Tage lang umberschleichen, kein Buch konnte ick in die Hand nehmen . . . ach, es warteten unser noch mehr Schläge. Kaum war das Rescript erschienen, so ließ der Oberamtmann meinen Barer rufen, und.kündete ihm an, daß er angewiesen sei, nunmehr auf die strenge Erfüllung! des Gesetzevon 1813 rücksichtslos zu achten. Er, mein Vater, betreibe den Hopsenbandel umherreisenv; daS wäre Haufirhanvel: das müsse unterbleiben, nur wenn er ein ordentliches Lager führe mit kaufmännischer Buchung und am Orte selbst, dürfe er das Geschäft sorksetzen. DieS war io viel wie ein Verbot. Denn mein Vater hatte dce Mittel.zu diesem Geschäft im Großen nicht, und im Kleinen war es gar nicht anderzu treiben. Alle Remonstrationen und Petitionen halfen nichtS, veS Oberamtmanns Bescheid ward von oben herab bekrästigt. und daS Dawiderhanveln selbst — mit Prügelstrafen bedroht. Wir waren in Verzweiflung. ' denn damit war der Unterhalt der Familie, die so viele Jahre redlich und in Ehren bestanden. unker.zraben. 3^ diese Notb aller Meinen ging auch meine persönliche auf. und ich entschloß mich, meinen Studien Valet sagen, und irgend ein Gewerbe zu ergreifen. Äch, es war gerade der erste Abend deS MakkabäertesteS. als mein Vater o»e kleinen Lichtlein zu dessen Feier zündete, und das Gebet von den Wundern GotleS an unsren Vätern sprach., als der Enrschluß unerschütterlich in mir seststanv. Ach, sagte ich zu mir selbst, bist Du nicht auch ein Makkabäer, va du die Nnbille der Syrer gegen dich um deines Glaubens willen trägst? Ich wand in oer Tiefe meiner Phantasie einen dicken Lorbeerkranz um meine jugendliche Stirn — und dieses Bild trocknete die letzte Thränt meiner Augen." roljit.) Druckfehler: Ja Nr. 11. S. 41. Sv. 1. Z. i. v. oben lies: „Mar b- Rabina" statt: Mar Rabbiner. Allgemeine Zeitung des Judentbum». No. DV. 1355. Leitende Artikel: Einiges über Freitag- .'Soll nnd Haben." — Die Conferen; in Cleveland. — R. Jochanan den Sakkal und dar Sonbebrion zu Jabue. Don Ravdaei Kirchbeim. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: a»r Mecklenburg. Hamburg. Preußen: Paderborn, aus dem Coanstorial-svreagel ürefeld^ Aachen. Schweiz: Ober-lknbingen. Frankreich: Pari». Großbrilanaien: London. Türkei: au» der Türkei. ' Zn bezieben durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler. vierteljährig */< Tbaler. ' Verantwortlicher Redakteur: St. Nabe. 4»rlaq reu 8.»vmaJttnrt'« duhhaudltmg in Leipzig. — Druck von Slexanber Wieke in LeipUg.

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