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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 10 (1855) · p. Seite 40

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
10 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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40 t M»« natürlich. sondern günstig und erfreulich, da. wenn sie sich behauptet hätte. Polen doch nur neuen, sürchterlicken inneren Kämpfen enrgegengrgangen wäre.. . ,,<5» war natürlich, daß, nachdem ich mit meinem neuen Seuoffen vertrauter geworden, unser Gespräch sich bald darauf lenkte, und ich mir-«einen Ansichten und Hoffnungen nickt hinter dem Berge hielt. . KunvwSki. so hieß mein Landsmann. hörte aufmerksam zu, und al« ich au-gesprocken, legte er seine Hand auf meinen Arm, und sagte: ..Da bist Einer von den Unseren! . ." Hierauf machte er mich damit bekannt, wie im -schooße von Pari» sich eine große polnische Verbrüderung gebildet, deren Grundkäge eme demagogische-sei, und darum den aristokratischen Vereinen der polnischen Adligen qegenüberstehe.' und daß jene nicht» Andere» beabsichtige, als eine Schilverbebunz de» polnischen Volke» in een Provinzen de». ehemaligen Königreiches. Entfernt wie ich gelebt von den. großen Kreisen der Welt, nur mit meiner Arbeit beschäftigt. hatte ich Nicht» davon erfahren. Jetzt ergriff mich der Gedanke mir ganzer Kraft, und ich zeigte mich sofort bereit, in den Bund einzutreten. Zuvor sprach ich mit meinem Freunde davon, und zweifelte nicht, daß auch er daran Theik nehmen würde. Aber nein! Einen Augenblick schwieg er still. Dann fuhr er ungestümer, als er gewöhnlich war. auf: „Was? Eine -Verschwörung, eine Wühlerei von hier aus? Von vier, aus der Fremde will man Polen ausregen? Nehmt Euch in Acht, denn au» Thoren werdet Zbr Verbrecher! Schon ist der Adel Polen» vernicklet, wollet Ihr unseren Feinden das Schwert in die Hand geben, um auch da» Volk zu zermalmen? Wenn da» Volk aufgestanden, dann wird e» rufen, dann --müssen wir hin, aste feine Söhne — aber wir hier, fern, unbekannt mit Stimmung und Lage, mit Nicht», im Volk wurzelnd, ibm nicht vertraut, nicht bekannt, von idm nicht geliebt und geachtet, Hir wollen jene Länder in Aufruhr bringen? Da» ist Wahnsinn; da» .könnte nur-Verderben auf Eure, maßlose» Unheil auf de» Volke» Häupter bringen.—^ nimmermehr!" , ..Die Rede meine» Freundes machte mich ftutzrg, mnd da ich ebenso wenig an seinem Patriotismus wie an seiner Einsicht in die Weltverhälkniffe" zweifeln konnte, so blieb sie nicht ebne Eindruck. „Franz." sagte er ruhiger, „ich kenne Dich, ich kenne die Reizbarkeit Deiner Gefühle, »ie so manch, Leidenschaft, die. in Dir schlummert, nimm Dich in Acht, laß Dich damit nicht ein, sonst ist der. Weg. den Du bi» jetzt gingest, der längste gewesen, Dü verdirbst Dir Alle»...." Dabei faßte er meine Hand, sah mir ruhig in'» Auge, und schwieg. Diese Bevormundung kränkt, mich. Ich antwortete ihm: „Bruder, ich kenne Deine Liebe und Deine Klugheit an — aber wenn der --Name „Polen" genannt wird, wenn der Ruf. für diese» Gut und Blut einzusetzen, ertönt, bann kann lch nicht Zurückbleiben. Wer kann ermessen, wa» au» Etwas noch erwachsen mag? was der Schneeball für eine Ichlaglauwine werden kann? . . „Um Euch und Biele zu begraben. ... Ich habe gesprochen;'rhu. wa» Du nicht lassen kannst." U,nd er entfernte sich langsam, aber stolz." „Es war.natürlich, daß ich mich noch denselben Abend von Knnowski in - den Bund einführrn ließ, wo ich bereitwillig ausgenommen wurde. Die Warnung «eines Freundes war' bald bi» auf die letzte Spur verwischt. Was in diesem Bunde gesprochen, verhandelt, bettieben wurde, traf mich bi» in s Innerste, stimmte zu sehr mit .all meinem Sinnen unv Fühlen überein, al» baß e» mich nicht gänzlich überwältigen sollt,. Hier war da» ideale Polen vorhanden, daß ich von Kindheit an erträumt hatte; hier wurden Freiheit und Gleichheit als die Basis de» zu, künftigen Polens ausgestellt; ein Feuer, ein schwärmerischer Enthusiasmus, ein Außersichs.in, beherrschte alleTheiknehmer der Versammlungen. Zch war bald ein tdätigeS Mitglied des Bundes, oft hielt ich Reoen in demselben, in. denen Mlch eine unbegrenzte Begeisterung über mich selbst hinausriß, lch wurde zugleich der Dickier de» Bunves, der meine feurigen Gesänge mit Beifall aufnabm. Bald bemerkte lch, baß in dem Vereine noch ein engerer Ausschuß veftanv. der die Leitung de» Ganzen in Händen halte und auf die Verwirklichung unserer Plätte hinarbeilete. Nach einem Jahre wurce ich in denselben ausgenommen. Hier war meine Thäligkeit bald so in Anspruch genommen, daß ich meine Arbeit aufgad, und eine Unterstützung aus der Vereinskiffe erhielt, die zwar kärglich, mich aber bei meinen gerinzen Bedürfnissen frei leben ließ." „Zch habe Ihnen ausführlich den Weg gesckilderr, auf welchem ich noch einmal mitten in die revolutionären Bewegungen unv Bestrebungen hlneingeworftn wurde. Was illln in diesem Kreise geschah, kann Sie weniger inleressiren. Es wird genügen, über Zähre bin zum Ende zu eilen. Das leitende Camikee. deff.n Mitglied ich war. war von einem eigenen Geiste beseelt. Gerade im Gegensatz zu dem stürmischen und schwärmerischen Feuergeiste, der in den Versammlungen zum Agsbruch kam, dielt c» die kälteste Berechnung fest, und schrill auf dem logischesten Wege vorwärts. Es legte seinen Kalkülen eine bestimmte Voraussetzungen Grunde unv baute auf dieser die strengst geregelten Folgerungen auf. wie die Operationen zu leiten, die Masse des Volkes in den Provinzen zu versammein, die Festungen einzunehmen. eine sofortige provisorische Regierung rmzusetzen rc. re. sei. Welche war aber jene Voraltsseyung? Daß die Masse des polnischen Volke» bereit sei, sobald v>e Führer sich zeigten, aufzustehen. Und wie anders, sagten wir, könnte die» auch sein, da wir kamen, da» Volk als Solches zu befreien und zur Herrschaft zu bringen?—- Nachdem daher alle Entwürfe vollendet. alle Pläne zur Einheit' gebracht, die Sammelplätze bezeichnet, die Führer ernannt, dte Art und Weise der Einnahme der Starre bestimmt, die Züge der Heere festgestellt waren — wurden die Emissäre nach Polen gesandt. E» sollte diesmal im preußischen Polen begonnen, unv Krakau der Haupkplatz sein. Ich war einer Vieser Emissäre, und mir war eine Hauptrolle zugedacht." I gorn'tsung felgt.) __ Allgemein« Zeitung de» Zubeutbume. Ro. »8 <888. Leitende Artikel: Wa» ist zu thu«? — An bi« Zsraelitea. insonver» Westpbaleu« und der Rheinvrovinz. wegen Gründung eine» jüdischen Waisenhauses In Paderborn. — Aphorismen. — Die jüdischen Soldaten in der frauzös. Kri«,Ar«ee. — Ueber di« Berbindmig de« Schächter. Dienste» mit de» Lehramte. — ZeituugSuachricht«»: Preußen: vom Riederrdein. Oesterreichischer Katserftaal: Wien. Prag. Padua. Großbritannien: von. Schwede«: Gothenburg. jCär 8« beziehe, durch jede« Postamt und zede vitchbanvlang. Jährlich r Thaler. vierteljährig */« THaler. Verantwortlicher Redakteur: K. Rabe. -erlag »,« ©4*«g ärmer'* ©uj|b4attn*g in torjig. — Ctutf van «lexanter Sitte in »einig. »

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