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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 9 (1855) · p. Seite 36

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
9 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 liL brachte mich der Bauer in der Nacht auf Waldwegen in das Schloß eines Edeln. Da wurde ich in eint» Keller versteckt. Meine Uniform baue man mir langst genommen, ünd mich mir Bauernlumxen bekleidet- So lag ich in der unterirdischen Höhle, in'trübem. unklarem-Brüten, kärglich die Nahrung genießend, die man mir reichte. Eines RacklS erschien der Besitzer vor mir, und forderte mich auf zu fliehen, da er selbst zur Flucht bereit fei. indem er die gewisse Nachricht bade, daß morgen ein Detachement Nüssen sich im Schlosse einstnden werde. Er trug mich, wohin ich zu geben gedenke? Rach Posen, war meine Antwort., zu meinen Eltern. „Unmöglich, der Weg dabin ist der gefäbrlichste. Sie können dorr den Russen, das beißt dem Tod« over Sibirien, nicht entgehen, und selbst im zu bezweifelnden. . glücklichsten Falle, daß Sie die preußische Grenze erreichen, werden Sie vor: als entwischter Unter» rban. als einzelner Flüchtling der Bestrafung anheimfalleN." — „Aber ich kann gar nicht anders, und mein Schicksal ist nur gleichgilng." — „Gedenken Sie Ihrer Eltern, kungrr Mann! Weiter kann ich Ihnen Nichts sa» gen. Iw bobe Eile. Tbun Sie. was Sie nicht lassen können. Hier baden Sie-Reisegeld und ein Paar Pistolen. Gon geleite Sie?" PeideS legre er hin, und verschwand; die Pforte ließ er offen. Ich ermannte mich nach einiger Zen. steckte Geld unv Pistolen-zu mir, stieg hinan, wo ich Schloß und Dorf wie auSgestorben fand, und ging m der Nackt von dannen." ..Ja. Gott geleitete mich. Wie ich alte Hindernisse über, -wand, allen Gefabren entging, dem Hunger nicht erlag, .der Schwache nicht zum Opfer siel — .ch begreife es hduir noch nicht. In den Wäldern übcrnuctteicich; in einzelne Gehöfte kehrte ich in der Dämmerung ein. um mir kümmerliche Nahrung rbeilS zu erbandeln, tbnll :u erbetteln. Don mancher Tbüre mußte ich unverrichteter Sache umkehren.'weil ich Russen dahinter verspürte. Bei nnevl einzelnen Kosaken thaten meine Pistole^/ noch medr mein Geld günstige Wirkung. Einer Treibjagd auf mich entging ich mit vieler 91otb harr an der preußischen Grenze. Nach vierzehn Tagen erreichte ich Posen, passirre mitten in einem Hausen zu Markte fahrender Bauern Tbor und Brücke, und befand mich bei einbrechender Nacht a^der Pforte rer väterlichen Hauses. ..." Gegen pic Missionäre. VI. Wenn er 1. Mo>'. 22, 18 beißt: ES werden »Ich segnen mit deinem Samen alle Völkerder Erde, dafür daß du gehorcht bast meiner Stimme." will man diese Der beißung GotixS an Abrabam dem Volke Israel ent-' ziehen und aus einen einzigen' Sprößling diese- Stammes legen. Allein schon 12, 3 war dieselbe Berbeißong hui den Worten an Abraham gegeben: ..gesegnet werden mir (in, durch) dir alle Geschlechter reS Erdreichs." Und waS Anderes sollen diese Worte beißen. alS: durch das Werk. daS Äbräh'am begonnen, durch das Auftbun der religiösen Erkenntniß und die Empfängnis der Offenbarung sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet, d. b. zum Heile geführt werden. Tie göttliche Offenbarung ist Abraham zum eigen» rhümlichrn Besitz gegeben, von ihm auS ergießt sie sich auf seine Nachkommen ( "pno), und von diesen auf alle Geschlechter der Erde. Unv will man diedem Volke Israel absprechen? Sind*- nicht in seinem Schooße alle die Schriften entstanden, durch seine Propheten und heiligen Scribemen geschrieben, von denen waS an wahrer sittlich-religiöser Erkenntnis in die Menschheit gekommen, auSgina, und was noch an wahrer sittlich-religiöser Erkenntniß in die Menschheit kommen wird. auSgeben wird? Smd es nickt unsre Lehren, die in allen Schulen gelehrt, > unsre Gesänge, die in allen Gotteshäusern gesungen, unsre! WeiSbeitssprüche, die auf allen Lippen, unsre Gesetze, die! aller gesellschaftlichen Ordnung zu Gründe liegen? Und | ist nicht Israel dieser Mission treu geblieben und hat den : Druck der Welt dafür getragen, und ist in ihr wirksam I bis beule? . . . j Notizen des Tages. Zn Gorba ist den Juden die Niederlassung gestattet worden. — In Sardinien ist der alte Iudeneid aufgehoben worden; der Eid wird, die Hand aus das 20ste Kapitel des 2len B- Mosch, gelegt, geleistet. — Ter neue Lord-Mavor von London, Salomons, har.bei feinem AvttSankrill allen mitteralkerlichen Pomp abgeschassl, die dadurch ersparten 2000 Lstr. sind Im Ar-! men überwiesen worden. — | Bor Kurzem halte die „Gesellschaft zum Schutz der j Tbiere" in London die jüdischen Schlächter angeklagt, baß ‘ durch vaS Schlachten der Tbiere diese einem schmerzlichern j Tove unterzogen würden, als beim Nieverschlagen der Thiere j durch eine mit Spitzen versehene Keule, so daß dann ein j Stock in die Oeffnung zum Bewegen deS Gehirns' gebracht wird, wie es die christlichen Fleischer thun. Die ärztlichen Gutachten, die berangebracht wurden, zeigten aber, daß die letztere Weise zwar einen schnellem Tod berbeisüb«, aber es sehr fraglich ist, ob er nicht schmerzhafter ist. Haben doch viele Römer, wenn ihnen die Wahl i des Todes ftei stand. Vas Oeffnen ver Adern. alS den { schmerzloseren Tod vorgezogen, z. B. Senrka. Der Richter wies die Ankläger ab, da die vorgebrachten Motive i durchaus nicht rechtfertigen, in die Gewissensfreiheit Jemanves einzuzreifen. Die Londoner Zeitungen waren einig ' darüber, daß dieser ganze Versuch jener Gesellschaft den j Ebarakrrr „bigotter Heuchelei" trüge, und die Juden der . dummen Masse gehässig machen wollte. — Allgemeine Zeitung des Iudeurbume. No. 47. 48B5. Harfeutläuge: Tie Sendung Israel». XUl— Leidende Artikel: Aufforderung. — Die Anklage der jüdischen Schächter von London durch die Gesellschaft gegen Thierquälerei. — Lneraturdericht VIII. (Schluß.) — Aphorismen.,— Zeitungsnachrichten:^ Deutschland: Hamburg. Dessau.' auS dem Großberzsgtbn» Heuen, JouderSbanseu. Zn beziebd» durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 T-balcr. vierteljährig */« Tbaler. Verantwortlicher Redacteur: K. Nabe. Mit 5 jb* $4 rf n« r» Buj-vLAdtBA, ib Seioiig. Druck o»n Nl«k«or«r Wied« in tzeiotiz.

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