Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 5 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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20 ftftn bei Ihnen verspreche — scheint mir doch hier der Geist der edlen Väter zu weben —" Bella konnte nicht Rein sagen. Der Fremde erschien a« folgenden Tage wieder, er erzählte ihr die Geschichte seine« Leben«, voll Müden, voll Opfer, voll Kämpfe, und deren nächste« Ziel nun doch vereitrlt war. Er ließ fich auch von ihr ihre kleinen Erlebniffe mittheilen, voll Heldenthaten zwischen vier Pfählen. Aber vergeben« suchte er chr auf offene oder geheime Weise einige Unterstützungen zustießen zu lassen — fie wie« Alle« standhaft ab. auf ihre« Barer« Grundsätze und ihre eigne kräftige Zugend hinweisend. Eine Achtung, eine Bewunderung vor diesem Mädchen ergriff den Fremden, immer enger knüpfte stch da« Band, da« ihn an diese holden, lieben Wesen schloß; aber auch Bella empfand bald die Einwirkung eine« so biedern, gefühlvollen, erfahrenen, und dabei in seinem Aeußern so stattlichen Mann,«. Eine« Morgen«, al« der Frühling die ersten Primeln und Gräser au« der Erde getrieben, bat er die Mädchen mit ihm hinauszufahren nach dem etwa« fernen Gottesacker, die Gräber der beiden Väter zu besuchen, die sehr nahe an einander waren. Al«, sie da standen, und der geliebten ^Asche gedachten, die in diesen Grünen rutie — da ergriff der Mann Bella'« Hand und sprach: „Hier, lheure Bella, wo wir den Geistern unsrer,beiden verklärten Daser naherfind, hier ftage ich Eie: — diese Hand hat mir mein theuerstr« Defftzthum, die einzige Hinterlassenschaft meine« Vaters, übergeben, »ollen Sie wir. diese Hand und Ihr Her; geben. daß uns di, vereinigten Väter segnen? ..." Bella stand überrascht, ergriffen, überwältigt — aber die Webmukh. die ihr Herz! füllte, ließ ne um so tiefer in dessen Tiefe fühlen, und.^da er seine Frage dringender wiederholte — sank ihr Haupt auf seine Brust nieder — und am Fuße der Gräber empfanden fie zum ersten Male da« große Glück, das ihnen geworden, und das ihnen — der Edelmutder Väter bereitet hatte. ... Rach einigen Monden sühne der Sohn des blinden Bettler« unsre Bella in ein schönes, reich au«geschmückte« Hau«, und begrüßte ste al« Herrin desselben — all seine liebende und geliebte Gattin. Za7 schloß der Vater, ich habe r« viele, viele Male erlebt: rr-fsrt 5— r* 1—ar; frp-rjr hät rsarrr „©ifcf, Geber und Wohlrhärrgkeit führen da« b-se Derbangniß vorüber!" Gegen die Missionäre. III. Kehren wir noch ^einmal zum ersten Buck Mofcheb zurück. Tort beißt e« 3,14, 15: „Und der. Ewige Gott sprach zu der Schlange: Weil du diese« gethan, so sei verflucht von allem Diebi und allem. Geihiere de« Felde«, auf deinem Bauche sollst du gehen und Staub essen, olle Tag« deine« Leben«. Und Feindschaft will ich bringen zwischen dich und da« Weib, und zwischen deinen Samen und ihren Samen, selbiger soll dir nach dem Kopse trachten. und du sollst ihm nach der Ferse trachten." E« ist hier in der That Alle« sonnenklar. Wenn in dem großen Gemälde vom „Garten Even" fich Faktische« und Allegorischevereinigt und verschmilzt, bald jene-, bald diese« in den Vordergrund tritt: so ist doch in den obigen Worten der faktische Sinn nicht zu verkennen. Daß ein, doch so große« und bedeutende« Thier wie die Schlange, ganz ohne besonder« Bewegung-organe, im Staube der Erde fich windend erscheint, so wie der tiefe Abscheu zwischen Mensch und Schlange werden hier benutzt, um al« eine Straffolge der allegorischen Schlange, die mit Eva gebrochen und diese verleitete, erklärt zu werden. Der ewige Vernichtungskrieg zwischen dem höchsten und niedrigsten Erdengeschöpfe wird beschrieben, und da« heilige Dort deutet an: daß der Kampf vom Menschen ou-geht, aber von der Schlange erwiedert wird. Zn der That tödtet der Mensch auch die harmloseste Schlange, wo er fie findet. Wer sollte nun denken, daß die Misfionaire in diesen klaren Worten die Schlange allegorisch nehmen und deuten werden: «Ni *}rw' tm „er wird dir nach dem Kopfe trachten." es werde Einer kommen, der der Sünde den Kopf zertreten wird, da« ist der Stifter der christlichen Religion? — Aber sehen die Herren Misfionaire nicht, wie unvollkommen die« gelungen sein muß, und stet« gelingen muß, da da«'heilige Wort fortfährt: „und du sollst ihm nach der Ferse trachten," dahieße allegorisch: Er wird aber der Sünde den Kopf nicht zertreten können, sondern fie wird ihm in die Ferse stechen!? Stände e« umgekehrt, so würde der willkürliche Drusch — denn weiter ist diese Erklärung nicht« — wenigsten« noch logisch sein: so aber widerlegt er fich selbst! Anekdote. Eine Frau, die betete, vermehrte zum Schluß den glührnv^currenten Eifer ibrer gottte-dienstlichen Pflicht. Zu Ende fc*« Gebete« war aber der Truckort de« Machsor« in hebräischen Lettern ongegebens auch die« glaubte fie. durchdrungen von begeisterter Verehrung, der Helligkeit al« den letzten Weihrauch darbringen zu müssen und rief mehrere Male lauischluchzend au«: „Gedruckt in Dirnsurth!" — L. . . k. Allgemeine Zeitaig de« Zudenlhaml. Ro. 43. 4855. Leitende Artikel: Ein Brief einer Pariserin. — Da« Institut zur.Förderung der tsraelit. Literatur. — Zeitungsnachrichten: Dentschlaud: München, Hamburg. Leipzig, Leipzig. Leipzig. Prenßeu: Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Dien. Vien. Prag. Großbritannien: London, London. Rußland: Warschau. GA Zu bezieh«» dnrch jede« Postamt und jede Lnchhandluug. Jährlich 3 Thaler. vierteljährig */« THaler. LrrL»t«ortlicher Redakteur: A. Nabe. D»rla- »«, ka»«>irt»rr'« VnMaataarJk — Cratf mb t<r. in