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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 4 (1855) · p. Seite 16

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
4 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 nicht mehr befätttzenen, daher zu allem Herrlichen von innen herauSgeiriebenen Geist, der Gott Dank opfert, indem er fleht, daß Gott „seinen heiligen Geist" nicht von ihm nehme, der ihn zum Throne Gotte», zur Sündenerkenntniß und Heiligung getrieben. Ueberhaupt weht aus dem ganzen Verlaufe de» Psalm» bei aller Demukh und Zerknirschung ein so gesunder Geist hervor, daß ihm mitten in der aufrichtigsten Buße nicht das geringste Krankhafte anhaftet. Alle» Uebrige über Liesen Psalm s. in unserm ausführlichen Commentar zum Psalm. — Notizen des Tages. Der jüdische Abgeordnete in der bayrischen.Kammer. l)r. Arnbeim, ist in den GesetzgebungSausschuß von.der Kammer gewählt worden. ES soll aus den preußischeinVmverstkaten kein Jude mebr daS Dottorat /uns utriusqire (b. i. de» bürgerlichen und kanonischen Recht») erwerben können. Sir Moses Montesiore ist. von seiner Reise au» Jerusalem glücklich >ri,Verein der Heimath angelangt.' Die Neuesten statistischen Tabellen, geben die Zahl der Juden im ö st e r r e i ch i sch e n Kaiserstaat auf 1 Million an. In Ga.li;irn sungiren jetzt 20 Akvoeaten jüdischer Religion. Der Cantvn Zürich bat,die Beschränkungen im Diebhandel für die Juden ausgehoben. Aphorismen. Be» Davt^ Dabl j» voblenz. Wie jede Wissenschaft in den beiden Zweigen der Theorie und Prari» auftlübt, und jene durch diese' befestigt wird und ebne diese in eitlen Dunst verfliegt, so utuß auch dem wissenschaftlichen Theil der Religion, nämlich der RrUyionSlehre, die praktische Ausübung zur Seite gehn ES müssen fich also die Eltern mit den Lebren, die ihre Kinder in der Schule in sich ausgenommen haben, vertraut machen und ibnen Gelegenheit geben, diese Lehren einzeln in »der Schule des Lebens anzuwenden; denn auch die Tugend kann erst durch allmälige Angewöhnung mafer Eigenthum werden. Deswegen ist eS eine heilige Pflicht der Eltern, ein Svstem von Tugendübung/n mit ibrrn Kindern anzusttllen, renen aber zuvörderst das eblr Beispiel Jener vorhergeben unk in die zarten Seelen den Keim deS Guten legen muß. Laßt dabrr vor Allem eure Kinder bei jeder schönen und eklen Handlung,, die von Euch ausgehr, Zeugen sein: nehmt sie weniger in die Prunksäle der Eon« certe: Bälle und Theater, aber desto mebr in die Hütten r,S Elendes und der Dürftigkeit mit und versäumet nicht, sie dabei, so weit eS ihrer kindlichen Naiur zugänglich ist, -an die Pflichten der Liebe und Barmherzigkeit zu mahnen. Dann aber gebt ihnen Gelegenbrir, selbst ihren schwachen Kräften gemäß Gules^auSzustreuen, lehret sie frühzeitig im Ueberfluffe besonnen, mäßig, ausopferüngSsähig; in kleinen Mißgeschicken geduldig und gorrgetreu zu sein, und haltet ganz besonder» aus dem Herde de» jungen Herzen» da» heilige Feuer de» Glauben» wach! Aber hütet fie zugleich vor jenen prahlerischen, auf Stelzen trabenden Tugenden, vor stolzer Bescheidenheit, gleißender Großmuth, welche jenen Blüthen gleichen, die. ohne Wohlgeruch und Frucht zu entwickeln, nur Farbenprachtentfalten; legt auch keinen so außerordentlichen Werth auf jene geselligen und liebenswürdigen Tugenden, die darauf berechnet find, in den Augen der Welt zu glänzen und dem Herzen keine Nahrung Zufuhren; sondern vielmehr auf GlaubenStugen. den, die unser innerste» Wesen kräftigen und stählen und un» ebenso gegen die Donnerschläge des Schicksal», al» gegen die Sonnenhitze de» GlückeS^einen undurchdringlichen Panzer umlegen! Blumenlese. Ter fromme Zweck beiligt daS unrechtmäßige Mittel nicht. Wer einen Lulaf stiehlt, sagt R.Levi, um da» dieSfallstge Gebet zu verrichten, dem ergeht eS wie jenem Räuber. Ein Räuber faß an einem Scheidewege und beraubte jeden Reifenden, der diese» Wege» kam, seiner Habe. Einst wurde ein königlicher Beamter, der beauftragt war, die Steuern in dieser Gegend zn erheben, ebenfalls von ihm angefallen und de» eingezogenen Gelde» entblößt. Dem Räuber glückte e» aber nicht immer, er wurde endlich bei einer gewaltsamen Thätigkeit ertappt und nach einem Gefäng. niffe gebracht. Al» der beraubte Beamte von seiner Gefangenschaft Kunde hatte, begab er sich zu ihm und forderte, unter dem Versprechen, beim Verhör zu feinen Gunsten zu erscheinen, die gestohlene Summe zurück. Don allen meinen Entwendungen, erwiederte der Dieb, habe ich nur diesen Rock noch. Gieb ihn mir und berufe Dich belm Gericht aus mich. Nimm ihn hin. Beim Verhör frägt der.Richter den Dieb: Hast Du Jemand, der für Dich zeugen kann? Er nannte den erwähnten Beamten. Dieser wurde gerufen und geftagt: Kennen Sie diesen Menschen? Ich kenne ibn, versicherte der Beamte, al» den. welcher mich emst auf dem Wege, unweit der Stadt A . . wo ich in königlichem Aufträge die Abgaben einsorderte, überfiel und sich meiner gesammelten Baarschaft bemächtigte; meine Aussage wirv tiefer fein Rock außer Zweifel stellen. Die Anwesenden brachen in Gelächter au»: der Mann, auf ven rer Räuber sich berufen, erklärt ihn für verrufen. Ebenso wird die mit Unrecht gerhane nb* die Anklägerin de» Sünders. I. I. Rawicz. Allgemein« Zeitung de« Judeutbum». Ro. 42. 4855. Leitende Artikel: Zum^bevorstehenden 8i»ter. — Der dritte Jahrgang de» ..jüdische» DolkSblatte»." — Palästina. — Der Orient.—Arbori»men. — Zeituna»»achrichten: Deutschland: Leivftg, au« Anbalt. Preußen: Magdeburg. Berlin. Berlin. Lesterreichischer Kaisertzaat: Dien. Die«. Lien, au» Galizien. Die Schweiz: Lber-Endtngeu. — Literarische Nachrichten: Pari». XS" beziehe» durch jede» Postamt und jede Buchbandlnug. Jährlich 3 Tbaler. vierteljährig '/« Thaler. * Berantwertllcher Redacteur: K. Räbe. B-rk» von I»aui»garrner'< Suckd«»!»», t» Leidig. — Druck von »lexande.r Dtedr in Kripjtg.

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