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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 3 (1855) · p. Seite 12

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
3 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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■Jtnirrn, uab schlug mit bVr Richten an die Brust «ad sprach das alrv Süadenbekenntniß Israel-: Aschamnu^ bagavnu »c. ..ich habe gesündigt, ich habe verrarhea w." und dann sank sein Haupt aus die Brust .... und stehe, wie er da kneeet und blickt, und sein Auge hell gewor« den vor Begeisterung, fleht er links von der Furche Fußtapfen einegroßen Thieres. frische Spuren, dieerst aus vergangener Nacht sein konnten; er sah genauer hin, sprang auf. sah die Spuren in bestimSrrer Richtung gehen — reit? da muß ein Raubthier nach Wasser gegangen sein! Neu, Kraft stählt lbn, er jauchst schon der Hülfe feines Gott,-, seine Brust hebt sich voll Zuversicht, vorsichtig folgt er den Spuren, fie führen in einer Biertelstunde in einen Hoblweg, der immer tiefer, fich senkt, noch einige Minuten angestrengten Laufes, und vor ihm glänzt es und leuchtet's. er eilt hin. vor ihm stießt es und rauscht es. schwach, stoch, aber doch ... eS ist des Tla» hpalila'S frische Welle! (£i wirst fich nieder, er schlürft da» köstlichste Naß, er besprengt sein brennend Haupt, er küblr sein Antlitz in der. Fluch . . .Seine Kräfte sammeln ffcb. er schaut um sich, dorr am Flusse gtwobrl er ein Gebüsch von Papaven, Magnolien, Koblpalmen und wilden Wciu. Er eilt dorthin, und sättigt sich ä» den herrlichen Früchten; dann wirft er im Schatten auf schwellendes Masen sich nieder, spricht noch einen Dankpsalm, und — entschläft. Erft am späten Morgen erwarbt er wieder, erquickt sich abermals an einigen Früchten, und macht sich auf den Weg. Er fühlt sich leiblich uud geistig wiedNHbboren, da- -Geber, da» Hebet $u Gott hat ihn gerettet, er beschließt, einen andern Lebensweg einzuschlagcn. zu Heit, zur Religion, zur Tugend zurückzukehren. Freudigen Muthes verfolgte er austvämS den Fluß, kam »ach einigen Stunden in den Anfang bewohnter. Gegend und bettar gegen Sonnenuntergang den kleinen Klecken Mapimi. , . So.ward David gerettet. Er kebrte alszein andrer Mensch zur Gesellschaft zurück. Mit unsäglichen Beschwerden hatte er zu^kämpfen. Er mußte eine Zeit lang auf einem Prestdio als Hin dienen, um die Mittel zu erwerben. zur Küste zu gelangen. Endlich war er wieder in Rew-Dork, suchte hier seine Glaubensgenossen auf, fand Unterstütztmg. mit welcher er ein Geschäft begann. Jetzt war das Glück mit ihm; er beiratbele eine deutsche Jüdin, deren Eltern am Fieber verstorben und fie hülflos zurückgelaffen, erwarb ein großes Vermögen» und beschloß nach vielen Jahren in sein Vaterland zuiückzukehrev. Doch be. vor fein Schiß die Segel lüftete, mußte er seinen theuersten Schatz, sein Weib zurücklaffen in fremder Erde .... Sehr, das ist unser Nachbar, und nun seht Ihr leicht ein, warum er ein so eiftiger Beter . . . Aphoritmen. Born David Wahl in Loblenz. Kein Wort in der deutschen Sprache hat bei manchen Schriftstellern und Dichtern eine so widersinnige Bedeu- »ng ««genommen, als das Wort Natur. Ks heißt: „Die Natur hat es weislich so eingerichtet." — „Die gütige Natur bat dafür gesorgt." — „Die Natur macht es uns zum Gesetze." — Die Natur heißt nicht- Anderes. alS der Inbegriff aller geschaffenen Wesen. Es ist mir daher immer, wenn ich solche Ausdrücke höre oder lese, als wenn Jemand sagte: „Diese oder jene Maschine har eS so eingerichtet." — „Diese gütige Maschine hat dafür gesorgt" — während ,S doch nicht die Maschine, sondern der Meister ist, der diesen oder jenen Zweck mit ihr im Auge batte. Uebrigens scheint bas Wort Natur bei Einigen nach Polytheismus zu riechen, weil diesephilosophische Svstem sich kein geringere- Ziel vorgefteckt hat, alS den Beweis, daß eine Maschine fich auch ohne Meister zusammensetzen und «inen gewissen Zweck verfolgen könne. „Ach. wie liegt die Stadt so öde!" Diese Worte könnte JerewiaS auch dem glaubenSarmen jüdischen Herzen der Neuzeit zurusen. — Tempel auf Tempel steigen auS dem Boden auf; baS Augtz wird ergötzt, das Ohr bezaubert und die Eitelkeit gekitzelt; aber der Tempel de» Herzens trieft pon Zerstörung; geraubt und geplündert sind die heiligsten Diamanten. Zimbeln und Pauken zerbrochen und das Eaitenspiel auf dem Boden zertrümmert, und statt des strahlenden Kerzenglanzenur rin glimmender Docht, der mit unsicherem Scheine einige auf dem Altar zerstreuteverpestete Romane und Philos,pheme beleuchtet. Als der Morgen des Judenthums anbrach, waren eS nur Einzelne: die Erzväter, MosrS, Josua, di« wie gewaltige Felsen über ihre Stammgenoffen emporraglen; als Israel gesunken war, standen in der Nacht des Sittenvrrderbniffes nur noch die Propheten und einzelne gottbegeisterte Männer da, um deren Stirne zum letzten Male die Glorie des JudenrhumS strahlte. — Wenn die Sonne oufgeht und niederfinkt treffen ihre ersten und letzten Strahlen die Spitzen der Berge. Die Bibel war von jeher der Schwan in der Fabel, der von den Krähen mit Koth beworfen, auf Augenblicke niedertaucht,, aber sich bald wieder majestätischer aus den Wellen emporhob. 1 Wer keine Thränen kennt, kennt auch kein Glück. Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. so. 4866. Leitende Artikel: Der »ahre Neligtonsfttede. — Von der neuen Orthodoxie. — Zeltnngsnachrichten: Deutschland: Hamburg. Dorm», Leipzig. Preußen: Aachen, Berlin, Berlin, Berlin. Neumled. Oesterreichlscher Kaiserstaat: Wien, Mägdebürg. DouanfLrßentbsmer: ans der Moldau. Die Schmelz: Lenguau, aus der Schmelz. — Literarisch« Nachrichten: j Honnover. z, beziehe» durch jedes Postamt »nd jede Bnchhandlung. Jährlich 3 Thal er. vierteljährig */4 Thaler. Verantwortlicher Redactenr: L. 9U(f. «M «iMaMni ta — Cntf •*« ■UfinUt O f<»« (■

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