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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 2 (1855) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1855-1856)
Issue
2 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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MndaLt de- Geber,-. Sr sprach sonst frirt Wort mit mir. tii ich ihn zufällig einige französische Laute murmeln hörte. £a ich dieser Sprache völlig mächtig, redete ich ihn an. und ganz außer sich vor Freuden, antwortete er mir bereitwilligst. Wir wurden fast vertraut, wie Fremde''auf eine« Damvfboot. in einem Reisewagen. In einer Pause-in der Nachmittagstunde, als eben auf der' Thora verlesen ward, frug er mich: wieso es käme, einen noch so jungen Mann so eifrig beten zu sehen, da dieS jetzt so. überaus selten sei? ob ich stetso streng religiös lebe? .... Ich schwieg einen Augenblick, dann hob ich an-.' „hören Sie eben die Haphthora de Ionah verlesen?. Lesen Sie das Buch, und Sie haben meine Geschichte — nur weiß ich nicht, ob Gott' mein Nineveh verschonen werde! . . . ." Sr verstand mich, und ohne mich um das Einzelne;u fragen, bat er.mich, AbendS mit ihm zu speisen. ES geschah, er fühlte mir überall auf dkn Zahn, fand mich bei gutem Willen, und trug mir— eine Agentur am hiesigen Platze für sein großes, nutzenbringendes Geschäft an. „Nein!" rief ich, „würdiger Herr! zuvor müssen Sie meine ganze Geschichte hören, und dann erst sollen Sie entscheiden, ob ich Ihres Vertrauens würdig bin." So große Scham ich auch füblte, ich erzählte ihm Alles, ich verschwieg ihn, keinen Umstand, ich verminderte meine Schuld in nicht-, iw legte mir diein mir selbst qls Buße auf. AlS ich geendet, bedeckte :ch nztzin Antlitz mit chen Händen, weinte und wollte mich entfernen. Da faßte mich die Hand, de» Fremden, „bleiben Sie hier, bis ich zurückkebrej" rief er mir zu. Nach einer. Stunde kebrre er zurück.. „Gott hat Allezum Gujen gelenkt! Zn der Stunde, wo Sie reuig vor Gott lagen, wurden ihre Spießgesellen trotz aller ihrer Schlauheit gefangen. Zch ging zu einem höhern Beamten, eröffnete ihm auf delikateste Weise die Sache, um möglichst zur Entdeckung $u führen, erfuhr gber zu meiner großen Freud«, daß die Diebe gefangen und die Sache bereitso klar schon, daß es unsrer Dazwischenkunft/licht bedarf. Und.nun, junger Mann, fassen Sie Muth, und fangen Sie ein neues Leben an. Eie wissen: „Buße, Gebet und Wohlthätigkett führen daböse Verbängniß vorüber!" Ihre Buße hat fle gerettet, wie ich hoffe, auf immer. Statt, wie eS Ihnen ergangen wäre, in daS Zuchthaus zu wandern und auf immer verloren zu sein,' sollen Sie zu Ehren' kommen, Ihren verstorbenen Eltern ein würdiger Sohn!" — Da- Uebrige können Sie denken, Freund! Ich wurde fleißig und streng redlich, ich versagte mir lange Zeit auS Buße jede- Vergnügen, jeden entbehrlichen Genuß, und suchte.mit einem Theil meine- Erwerbemeine Vergehungen zu ersetzen. Daß die Frau Iitte nicht vergessen ward, könnert Sie denken. Nun erklären Sie sich auch meine Vorliebe — für Rettung gesunkener Mitmenschen. Briefe aus Bad Homburg. I.! Sen 8. Lebmann. Das jüdische Leben während der verflossenen Badesaison bot der Momente gar viele da. Von den 8000 Fremden, die unser herrlich gelegene- Städtchen besuchten während dieser Zeit, kann Man wohl den vierten Theil als Israeli» tischen Antheil bezeichnen. Gelehrter und Laufmann, Danquier und Fabrikant wechselten mit so mancher bübscher Dame, von deren Lippen das reinste Französisch oder ein liebliches Deutsch flössen, herrlich vermischt an den reich besetzten Tafeln — trotz Diät und Löscher-mit einander ab. Dagab Frische, Würze bei Tafel, die herrlichsten Bekanntschaften wurden hier gemacht, die beste Freundschaft hier geknüpft. Aber auch Mancher, der hier war, Ist-wohl schon in weiteren Lrrisen bekannt, oder verdient es zu werden, wie namentlich die Herrn Lreisrabbiner Wetzlar aus Guden-berg. Goldmann auS Eschwege, Oberrabbiner Llein, Consistvrialprästbent zu Eolmar, rer durch sein ganzes Auftreten den Franzosen durchschimmern und dessen herrlicher Humor seine allzugroße Orrbodorie vergessen läßt. Auch Dr. Enoch auS Altona, designirter Rabbiner zu Fulda und Zionswächter, ließ sich einige Zeit hier nieder, aber bei feiner Sprache Fluß kam mir ver Gedanke Psalm 127. „Behütet Gott die Stadt (Zio n) nicht, vergebende- Wächter- Fleiß." Diese Hyperorthodoren mit ihren RrdefloSkeln haben nur Worte, im Gefolge! Von sonstigen Fremden nenne ich Zhnen den liebenswürdigen Cmiior Löwe auS Slraßburg, der auf Ersuchen die Güte hatte, unS am Eabbath 'PM die Meisterschaft seine- Vortrags hören zu lassen. Welch' hoher Kunstgenuß! — Ein Schüler desselben, Herr Adolph Brunswick sorer Vraunschweig) in Rapperswyl, ein schöner junger Mann, ward einige Wochen vorher, nach abgehaltenem Probevortrag für die diesige unbesetzte und ausgeschriebene Stelle eine- VorbeterS angenommen. Hoffen wir also da- Beste. — WaS unsre Synagoge bcnifft, in der der Cultus noch nach der altmodischen Art' und Weise abgehalt,^ wird, so bot sich in derselben für den Besucher manches Interessante dar. Bei der. vor Tboräausheben. abgedalirnrn Mirwosversteigerung wurden oft sehr Hobe Preise erzielt, um anwesende Fremde von Distinktion zu beehren. Dagegen geizten Letztere auch nicht, indem von denselben manche hohe Summe (von 100 Gulden oder Francu. s. w.) für den Synagogenbaufond ober die Armen grwcihl warv. — Unter diesen edlen Gebern bezeichnen wir noch besonders Herrn Lanz aus Mühlhausen, dessen Wohnvng außerdem noch tagtäglich von Armen umlagert war und dessen Ruf soweit drang, daß Arme und Nvthleidende auS weitester Ferne mit Bittschriften herbeirillen, um sich ihr ZwanzigfrankSstück zu holen. Dafür, wenn man ein wenig plaudern darf, lächelte aver auch die gegenüberthronende Glücksgöttin Fortuna in erhöhetrm Maße! — Ueberhaupt hjer am grünen Tische, da waren die Söhne Israel-sich Alle gleich; Neumodische wie Altmodische, Gelehrte wie Lausteute, sie Alle beeilten sich, das Glück einmal zu probiren, aber ich will schwelgen, sonst käme noch Manches an Tag. — . Genug der diesjährigen Badefaison Homburgs, die so eben in- Grab der Zeit gesunken und einer andern Saison, der „jüdischen" und heiligen." Platz gemacht; ihr rufe ich noch einmal ein herzliches Lebewohl zu; und wie die jetzig« durch ihre Heiligkeit und hohen Schwung, so wird jene durch ihre Leben-frische und Freude noch recht lange in angenehmer Rückerinnerung fortleben. Allgemeine Zeitung des IubentbumS. Ro. 39. 18KS. Leitende Artikel: Literaturbericht VII.— Aphorismen. — ZeitnngSnachrtchteu: Palästina. Deutschland: Magdeburg, Leipzig. Frankfurt a. M., au« Württemberg. Oesterretchischer Laiserstaat: LrcSkemet, Lewberg. Wieu. Zu beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhaudluug. Jährlich 3 Ihaler. vierteljährig •/« Tbalrr. Verantwortlicher Redakteur: St. Rabe. S-rlag van V»n»-Srt»et« Buchhandlung in Leipzig. — Druck vvn Alexander Diebe in Leip,ig.

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