Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1855-1856)
- Issue
- 2 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. 3ui Belehrung und Anterhattung aus jüdischem gebiete. Rabbine Herausgegebeu vv» r vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. >Ro. 2. 1855 ] Äon dieser i gang« 1 Zbl eiifArtft ertösetni wWieniltA eine Nimmer, f teil de« 3obr* r a (k l « . Sierteljibrig *7% Ngr. «lle VuihbiaMtmtrn. »oW*tet a '»Bf« 1, intlfill 1 nd nedmrn rettDaagen qn. 1 w Or"^»0* W*"*V"**J Die Mission Jsrae IA. Kann Jemand tm Gebete irgend einesGlau- Wenn der neuere Ztzide, seiner und seine- Glauben- Stellung!in der Mittender Völker un^ Religionen, tm Schooße ^rr Weltgeschi^te sich bewußt werdend, von seiner welthistorischen Mission ergriffen ist und fie laut verkündet: dann hört man oft den Einwa^id. daß dienur eine Erfindung der Nenzeit sei, daß unsre, einfachen Väter von dergleichen nickns gewußt, sondern streng ihre ReligionSgesetze beobachtet Ihätten, um — peinlich das Wohlgefallen GotteS zu verdienen und ihre Pflicht zu thun. CS liegt hierin zwiefache Unwahrheit. Denn zuerst wäre dienoch gar kein'Einwaud. Andre Zeiten, andre Erkenntnisse und andre Richtungen. In den Ghetti'S waren die Blicke unsrer Väter allein aas sich und in ih. ren KreiS gewendet, daß es nicht zu verwundern ist, wenn sie ein Andres nicht einmal geahnt hätten. Zn unsrer Zeit ist der Israelit in die Welt getreten, lind nichtnatürlicher, als daß er sich jetzt erst feiner Stellung in derselben bewußt wird. i^wahr, daß unsfe Väter die Mis Nationen der Erve nicht erkannt DaS zwiefache MMieut, daß »er chere Sprache Nachweisen? ■ ' -i Aber eS ist auch u sion Israel» unter den und gepflegt hätten. Jude den einzig-einigen det Erden, allem Heid kennen soll, und zweiteiis, daß alle Dö einst diesen Gott beken ien werden, wo rer ausgesprochen, als n dem bekannten Rab zum Mussafgebet dann als Schlußg an"): „Uns lieg^e. fl Gott, Schöpfer nthum gegenübe Himmels und : i» aller Zeit beker der Erde derfinden wir es klawelches von *) am Neujahr tage verfaßt und recipirt wordei. Dasselbe hebt ob, zu huldig n dem Herrn deS Weltall», daß wir diel Größe und die Ehre geben Dem, der die Welt geschafft» in ihrem erst« Entstehen —" dann heißt eS: „Daris« hoffen wir, Gott unser Herr, auf Dich, daß wir Dich schauen werden in Deiner ganzen Macht und Herrliä feit, wie Du bamnest allen Greuel von der Erde weg, uni "aUt* Gbtzendien!st ist getilget; wie Du vervollkommnest di: Welt und fie »erklärest im Reiche der Allmacht, daß Altt, die leben im Frische ("«2 "72 „die Menschensöhne"), Dich rufen bei Deinem Namen, alle Sünder auf Erdest sich zu Dir belehren, alle Weltenbewohner eS wissen' und bekennen, daß vor Dir sich beuget jede- Knie, zu Dir schwöret jedi Zunge!" *) T. Zanz. gotteSd. Bottr. E. 373. Megen das Lhristenthvm geradezu ist es also ketneSwe^eS abgefäßl. **) Dir wählen der Unparteilichkeit weirn lieber die Uebersetzung eine« Aubero. uäaltch Mannheimer'ss Rach dem PersöhmmgStage. von Lndwig Echragge. 2. Am folgenden Abende erzählte der Vater Folgende»: ..Meine Geschäfte führte« mich früher öfter nach N., wo der Kaufmann B., der bedeutendste am Pliche, mir eine innige Zuneigung geschenkt hatte. Da er -«tich regelmäßig zu Tische lpd. und dann eine Stunde mit mir allein bei der Taffe Kaffee verplauderte, hattf ich auch Gelegenheit, Manche» bei ihm wahrzunehmen, was wohl Anderen verborgen blieb. E» war mir Einiges auffällig, aber wie e» dem Gaste einem freundlichen Wirthe gegenüber geziemet, hütete ich mich wohl, nach dkr Ursache, nach dem Warum? und Wie? zu fragen. Eine Beobachtung milchte ich bei meine« häufigen Besuchen einige Male^ B. wär einer der humansten, wohlthätigsten Männer, die ich kennen gelernt; wenn fich aber junge Männer an ihn wandten, die zwar voller Kraft. voll guten Willen- und Entschlusses waren, aber denen die Mittel fehlten, und fie erbaten von ihm einige Hülfe, um damit vorwärts z» kommen, so versagte er sie ihnen in der Regel. Hi» gegen sah ich einige Male, daß er Menschen, die heruntergekommen, ja. die durch eigenes Verschulden in schlimme Lage gerathen waren, mit großer Aengstlichkelt verjslgte und ihnen im rechten Momente mit ausgedehnter Anstrengung aufhalf. Als ich endlich näher mit ih« vertraut gewvrdm, und dies einige Male erfahren hatte, wagte ich einmal, ihn darüber zu Rede zu stellen. Wie es gebühret, sprach ich offen meine Verwunderung über sein Verfahren aus. Wie? sagte ich. werden Sie nicht viel öfter junge Leute in's Verderben rennen lassen, wenn fie ihnen, da sie voll Eifers und guten MutheS find, die Unterstützung versagen,.als daß Sie darauf rechnen^önnen, Taugenichtse zu retten, welche schon zur Gewohnheit de» Lasters gekommen? — B. sah mich forschend an. dann erwiederte er: „Sie mögen wohl dann und wann recht haben, denn wer kann die Menschen und ihre Manuichfaltigkeit, übersehen, und fie in Eine Regel schlagen wollen? Auch binde, ich mich nicht so an meine Grundsätze, wie Sie zu glauben schei-