Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 52 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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208 'Also sprach der wohlbeleibte Mutti, verbeugte sich zur Erde, und ließ sich wieder auf dem Divan nieder. Der Kalif schüttelte traurig mit dem Haupte, und sprach: ..Las habe ich mir hundert Male selbst gesagt, aber davor schwanden die blutigen. Sckanen nicht, und die Stube blieb mir ferner als je." Der Oberbramine erhob sich und sprach: ..In der Thar, großer Sultan. Du hast gerdan. was Du hättest, lassen sollen. Brama und Wischnu müssen Dir zürnen. Schiwen wohlgefällig seine Hand an Dich leger». Dich tausendmal wiedergebaren lassen und tausendmal zerstören. Aber was tbun? Der heilige Ganges >ü fern, in wel chem Du Dich sieben Jahre bindurck neben Male jeden!ag unterrauchen müßtest, fern der Gönerwalv am Fuße des Htmmelaya. in welchem Dü Bußübungen zur Toktunq alles Verlange»- und alle- Wissens übernebmen könntest, di, Dich in'S R ich des Avouni versetzen würden, und nicht durch die Straßen von Bagdad rotlt der Wagen reS Dstterganau», unter dessen Räder Du Dich werfen solltest, um mit Einem Male zu sterben und iu das ewige Bram versetzt zu werden. Willst Du dahjn gehen? ..." -- Der Kalif baue die Rede kaum zu Ende gehört'. er schwieg lange. Dann erbeb er raS Haupr,' und. redete den Patriarchen an. ..Ebrwürdiger Mann! wenn dem Islam, der rechtgläubigen Lehre, irgend eine ebenbürtig erscheint, so ist eS der Glaube der Ebristen, der daS schone Abendland in Besitz hat. und unter dessen Stab so viele mächtige Nationen, so viele große Herrscher blühen. Wohlan, sprich. waS lehrt Dich Deine Religio» über meinen Fall? Wie kann mir geholfen werden?" Der Patriarch, ein würdevoller Greis mit wallendem Silberbarre. erhob sich und sprach: „Herr! Ich will eä Dir unumwunden mittbeilen. Nur unsre Religion ist -die* all/in wahrhafte, die allein seligmachende! DeS Menschen Seele ist sündhaft, geboren, schon bei der Geburt von der Erbsünde behaftet, welche mir dem Falle Adam'S in die Menschenwelt gekommen. Dasür.nun ist der Stifter unsrer Religion in tbeils göttlicher, t'heils menschlicher Natur am Kreuze gestorben, um Alle zu erlösen, die an ihn glauben. Nur die werden von ihren Sünden befreit. nur die erlöset, nur die selig, welche an Ihn glauben und Ihn bekennen. Werde daher Ebrisi,' Kalif, gläubiger Christ, und Deine Schuld wird Dir vergeben werden. Einen andern Weg giebt enicht!" Abdallah hatte dem Patriarchen, der mit der ganzen Gluth de- Enthusiasmus sprach, ein auftnerh'ameS Ohr geliehen. und lange sann er darüber nach. Dann sprach er: ..Ehrwürdiger Mann, Du magst so glauben, so meinen, da Du darin geboren und erzogen worden. Aber mich, den Gott zu einem Muselmanne geboren werden ließ, können Deine Worte picht überzeugen, mir nicht einen Tauben schaffen, dem mein ganzer Geist widerspricht, und doch soll, wie Du sagst, vom.Glauben, daS ich mir doch nicht willkürlich geben kann, die Seligkeit, die Erlösung abhäogen? $4* wolle' Gott nicht!" Trostlos sah sich der Kalis im Gemache umher. Dr erblickte den Ehacham-Baschi, der demüthig in der fernsten Lcke Platz genommen. „Ha!" rief er, „da bist Du noch, Jude! Aber wie solltest Du, den die Welt verachtet, mir geben könne». waS nicht die Geehrten der Erbe vermögen? — Doch sprich, ich will Dich hören! . . ." Der Rakbi erhob fich und sprach, einfach, aber mit Nachdruck: „Unsere Weisen lehren: die Gereckten aller Nationen haben Ankbeil am ewigen Leben. Du brauchst daher, mächtiger Sultan, nur gereckt zu sein, gerecht fein zu wollen, mir aller Kraft unk allem Bewußtsein gerecht sein zu wollen, um deS ewigen Lebens theilhamg zu werden. Aber Du hast gesündigt, schwer gesündigt, Du hast Blut vergossen. Bruderblut vergossen und den Thron an Dich gerissen-aber die Barmherzigkeit Gottes ist unendlich. Unsre Weilen lehren: hast Du gegen Deine Nebemncnschem gefehlt, io kann Dir Gott Deine Sünde nicht vergeben, als bis Du ihre Verzeihung erlangt, ihren Schaden ersetzt hast. Steige herab von dem Throne. denDü geraubt, bole den einzlgen Enkel Deines gemordeten Obeims, der Dir entgangen, der in Iran in den Schluckten der Berge verborgen lebt, Hel' ihn Herde», setze ibn auf den Thron, wirf Tlck zu seinen Füßen bin, daß Du seine Verzeihung erlangest — und hast Du das Geraubte io »vievererftattet, dann geh' bin »md demülbige Tick vor Gon. und sieb' ihn auftich. tig um Vergebung Teirrer Schuld an — nnd so gewiß, wie rieS Moscheh und die Propheten Israels ausgesprochen, so gewiß wie Äon »rack jedem Winter den Frühling sendet, so gewiß wie Gon voll Weisheit, Gerechtigkeit unv Liebe ist, 10 gewiß »rird Dir vergeben, wirst Du selig werden, werden alle Aengste und Dchrrcken von. Dir weichen! ' Als der Ehachatn Bafcki riese Worte langsam und besilmmt sxrack, da war der Kalis von seinem Throne erstanden, seine Gestatt hob sich, seine Mienen wurden gespannt, seui Arm streckte sich nach dem Redenden aus. So verharrte er ranze Zeit. Dann sank er zurück: „Du hast gut gesprochen!" seufzteer, „geh. ichwerpeDich noch einmal sprechen"... Die vier Herren entfernten sick. Was weiter geschah — ob Abdallah rer Lehre des Mufti oder des Rabbi folgte, daS haben wir nicht erfahren können. Notizen des Tages. Es ist erstaunlich, welcke Masse von neuen S»nazogen jetzt aller Orten erstehen. In Mannheim ist vor Kurzem eine überaus prachtvolle unter Assistenz vvn 16 Rabbinen eingeweiht worden, eben so am 10. in Leipzig, im vorigen Monaj in Oldenburgs am 6.!>. für die portugiesische Gemeinde in Hamburg; der Grundstein ist bereits gelegt in Frankfurt am,Maln, der Plan fertig in Wien, der Bauplav^gekaufr'-m Hamburg, der Beschluß gefaßt in Marseille — und wo Alles noch? In Nordamerika gar sollen in diesem Augenblicke 15 in Angriff genommen worden sein. Die Wünsche, die sich an diese Zrscheinung knüpfen, bildet sich wohl jeder Leser selbst. — In Jerusalem soll man Sir MoseS Monte« fiore in den Cherem getban Hahn, weil er die Omar- Moschee besuchte, die an dem Orte deS ehemaligen Btth hamikdasch gestanden, und daselbst mit eigenen Füßen umherging. Jedenfalls ist man darüber sehr erbittert. —r — Indeß ist dieS nur der Vorwand; die Hauptsache ist, weil er das viele mitgebrachte Geld nicht als Almosen vertheilt, sondern Stiftungen damit gründen, namentlich für Arbeit in Fabrik und Ackerbau verwenden will. Hinc illae läcrimae — d. h. deshalb der Aerger. * Verantwortlicher Redakteur: 4L Räbe. Xktldg »0R v,,«girt»«r « BwblwnMung i, Ket»>|ig. — Dra» »on »ItfanKt »jede in Vripjig.