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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 49 (1855) · p. Seite 200

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
49 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 200 (sequence 6)
Language
German
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200 Erzählvnfltu nach alten Questen. Bo» (*. Hecht t» HovvftStten. | (€ (Mut.) Die Schiffer. Die Menschen dieser Welt gleichen Leute» . die über die See fahren, um ihre Heimarh aufzüsueten unv'durch ungünstige Winde auf derselben bin- .und hcrgrwyrsen werden, ehne ihr Ziel zu erreichen, endlich cfber zu einer Insel gelangen. Die Freude der Seefahrer ist! groß; gleich Warfen fie Anker, besahen die Insel und finden zu ihrer sreudigeo Ueberraschuog. daß ne übersäet r>ar mir den herrlichsten Bäumen; e--flösse Quellen'mit d,m klarsten Wasser, -es zwitscherten prachtvolle Vögel und küpften fröblich von Ast zu. Ast. eS labten küble ^Schatten, eS blinkte dad Geld. WaS tharen nun die Ratenden? (?inige verliefen das Schiff nicht, sie dachten! ..Vielleicht kommt ein starker Wind, der das Schiff rortkreibr, und wir müßten dann aus der Insel bleiben. Darum wrll.n chr verlassen, el doch' nicht sich nur ein kcbrren aber wir zur Vorsorge unsere Stalle lieber gar n Die Ändern stiegen ans und betraten die In um daselbst lange wi verweilen. sondern um wenig an Hen lieblichen Früchten zu laben, bald wieder in ibr Schiff zurück und fanden noch beaueme Plätze für ne bereu. Eine dritte Clape fall- .daS Schiff und erging sich ebenfalls ne äui^ das wie der auch sei. Als sich aber em günstiger Wind crbob und daS Zeichen zur Abfabrt gegeben ward, stieben Schiff'und sind freb, einen-Platz zu finden. -immer beschaffen war. Eine vierte Claffe brüte sich.weiter verlaufen, und sich an drn Annebmlichkei en der Insel ergötzt. sie batten Blumen gebrochen. Früchte gegessen. Gold gesammelt, und sich auf gar manche lLttse an den Schönheiten der Insel erfreut. AlS sie dat Zeichen r«r Abfahrt honen, sprachen fie zu einander! ,.R 'ch wird svodl nicht abgefahren. Der Mafibaum ist ja noch nicht ausveriicß ebcisauf der IngeriLlet. taS Segel noch nicht gespannt." webten aber bald, das Schiff «'ubr ab. Ta sie können. anS Ufer stürzten sich ine Mee mit Lebensgefahr an daS Schin, und werd«n freilich mit unsäglicher Mühe und in rer fürchterlichsten Die.Fahnen eilen sie, was schwimmen Lage gerettet. mußten aber mit den schlechtesten Platzen restlich nehmen. Die letzte Claffe aber'stleß. daS Schiss rubig abfabren und schwelgte im Genüsse der Freuten., die sich bnen hier in Hülle und Fülle darberen: doch nicht lange iwährie dieses Schwelgen. Der.Winrer kam. die Blauer ton den Baumen fielen ab, die Blumen verwelkten, die Früchte faulten. daS Obdach wurde von Sturm und R«en vernichtet, reißende Tbiere. von Hunger und Kälte getrieben, ängstigten fie. Obne Kleirung, ebne Speise, obn^ Obdach, gefoltert von den fürchterlichsten GewiffenSbisskn über ihren Leichtfinck. und von der. Angst, eine Berne jker Aalte und der wilden Thiere .zu werten, endigten sie am die klagltchste Weise. Die erste blasse. daS find ^ie Frommen, die nre den rechten Weg verlassen. Die zweite Claffe. verfällt zwar der Sünde, gedenkt aber in des Jugend noch ^e^^odes^^e^^bfabristund^or^er^r^e^uiid^rhr^ l frühe schon in den 'Weg deS Heils zurück. 2Uo-drittd Claffe wird erst in dem Alter gewahr, daß ihre Abendsonne dem Untergänge naht, muß deshalb bei ihrer Rückkehr mit schlechtem Platze sich begnügen. Die viert, Claffe sieht die Nothwendigkeck einer Rückkehr erst auf dem Todenbette ein. Die letzte Kraft muß nun angestrengt werden, um nicht jämmerlich zu verkümmern. Mil Muhe wird auch fie nock ausgenommen. Doch nur unbequeme Plätze können ihnen zugetheilk werden. Die letzte Claffe, die gar nicht an ibr Ende denkt, wird aber rettungSIoS dem Untergänge und der Vernichtung preiSgogrden. R. Io chana n. Als R. Iochanan ben Sackai am Sterben war, besuchten ihn feine Schüler. Als er fie sah. fing er heftig zu -weinen *n. Da fragte staunend tie treue Züngefschaar: „Unser Rabbi. Licht Israel», feste Stütze, warum weinest Du. Du, der Allen Tröstung reichte?" R. Joi ebanan erwiederle: Würde ich gerufen vor den Thron eines irdischen Richters, der schon morgen vielleicht dm Tbron mit dem Grabe rauscht, dessen Zorn nicht ewig, tess«"i Fessel nicht ewlg dauert, der nur zeitlich todtm kann, und mit besänstigenden Worten sich beruhigen odsr mit Gold sich bestechen läßt.würde ich dann nicht weinen? Und nun tr<t' ich bald vor den Richrerfluhl deS Königs aller Könige, rer voir Ewigkeit zu Ewigkeit, dessen Zorneefiammen nimmer schwinden, dessen Fessel ist vielleicht ewig zu kragen, der aus ewig tödlen kann, der durch Worte.sich nicht rühren, durch Geschenke nicht vepleiten läßt? Ibr sehet mich vor zwei Wegen stehen, vor welchen der eine zum Daraviese, der andere zur Hölle führt, ich weiß nicht, welchen davon man mich führen wird, und ibr wundert euch, wenn ich weine?" — „So gieb uns, Meistkr. Deinen heilbringenden Segen!" baten die Schüler. Da sprach der fromme Rabbi: ..Es sei der Wille Gottes, daß ihr ihn so fürchtet, wie ben Menschen, der von Fleisch und Blut." — Da sprachen Jene, „größer nicht.,als diese?" Doch der Meister antwortet: „Möchte eS nur so sein. Wenn Jemand sündigt, so Vmkl «r. wenn» mich nur Keiner ficht, und würde er ein Unrecht üben, bedächte er, Gon kann Alle» sehen?" Allgemeine Zeitung de« Iudenthum«. Ro. 36. 4856. Haifruklauge: Die Sendung Israels. X. — Leit;ub« Artikel: Dom Frieb-n iu der Gemeinde. — Zettuug«nachriä»teu: Deutschland:_Hannover. Preußen: Perlt». Posen, Gleinutz. Großbritannien: London. Rußland: Pelertdorq. Dvnausürstentbümer: anS der Moldau. Türkei: Pari«. Nordamerika: Clevelaad. Eorresonbeuz: Die «ue Evuazoge z» Mannheim.' Jfy sto beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhand» luuz. Jährlich 3 Dbaler. vierteljährig */« Thaler. BertzntmoNlicher Redakteur: SUrlSH pcr PatmgirtRfr't C^iibjnMaitt m ¥euf)ig. — K. Rabe. Druck vvR Alekaaver Liede m Setpitg.

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