Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 49 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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mit der ..Dlechhütte." Vom „kleinen Brocken" au« überfirht man die« Alle« mit «ine« Blicke, »ährend da« Plateau auf dem „großen Brocken" (NB. wenn man e« gut trifft, wa« selten ist) weiterhin,- ober nur in einzelnen Bildern sehen läßt. Jetzseit« der Oker hsbt der Oberbarz seine großen, kahlen, einförmigen, aber metallreichen Berge in die Höhe. Harzburg hat nun den Vorzug, mit der Eisenbahn erreichbar zu sein, alle diese schönen Partiten, nach dem Brocken (ü Stunden), nach Jlseburg, Wernigerode, dem Rehbergn Graben, Oker, Goslar. Andreaöberg u. s. w. u. s. w. in der Rahe wie einen Kranz um sich zu haben, und dabet durch die Fürsorge der Re, aierung mit deh schönsten Promenaden und Anlagen in ,>>iä'ster Nähe, mit den reizendsten Spaziergängen nach .»hen schönen Punkten (Butgberg, Rabenklippen, Eckerlhal. ArenSberger Klippen u.s. w. u. s. w.) versehen zu sein. Bequeme Wohnungen sind vorhanden, für Bäderund Mineralwaffer oller Art gesorgt. Ausflüge nach Wolfenbüttel mit der berühmten Bibliothek, nach Braunschweig mit Messe, Museen und Theater — am anziehendsten ist die außerordentlich gelungene Statue Lessing «, die vor einigen Jahren gesetzt worden — eine liebende Hand har mich mit einem prächtigen Abguß beschenkt — Und so kann ich meinen Dank für die überaus reichen Nenüffe nicht beffer kund geben, als durch eine recht I warme Empfehlung an alle Freunde für die Zukunft. Iß« n aren in diesem Jahre etwa« über 700 Fremde da, für d«iren gesellschaftliche« Leben — wenn fie dessen überhaupt bedürfen — freilich noch wenig geschehen. > j ES find also nun die Kuren vollendet, die schönen Gegenden besucht und genossen, der Somme!r unt r gnädigstes Obhut, bewahrt vor jedem Unfall,!' vergangen; kühler sind jetzt die Morgen und A§ende, kürzer di Tage; vom Hause kommt "dor-.Ruf der Rückkehr; die heiligen Feste nahen, und verlangen Rüstung und Äorbe eitung. Ich nehme Abschied. Dg.erinnert da« Leben!um s» mehr, daß es dem Herrn gefallen hak, Licht und pchat ea aus dieser Erde zu mischen. Ist doch seil zweea Monden in der Heimath jene moderne Pest heimgekehn. und h!it viele Opfer gefordert, wenn auch weniger in der »heurin Ge-' meiuve. Und ist so der Blick in die nächste Zukunft ernst, zu gutem Werke, zu frischer Thätigkeit, zu niannich. faltig«; Arbeit, so muß der Blick rückwärt« um digern Danke« fein für da« Genossene und Geschehene! Da ist der Abschied denn leicht, selbst xine Freude, vtewei! er. wie bei dem Leben überhaupt, doch nur Auf zi x Heimarh ist. zu den verlassenen Lieben und Freunden, z neuer Wirksamkeit, zu lebendigem Streben! Lebet wohl, ihr Berge, ihr erhabenen Besten der Nun kommt der Herbst und taucht in fröhliche» Sr Laub eurer Wälder' in Gelb und Roth und legt d purdecke der Digitalis über eure Flächen, daß Allen glüht und schimmert vom buntesten Farbenschmuck-, van freu* Erve! ifl da« e Purx aber erbebt er sich mit schüttelndem Haupte, und seine stürme zerstören die letzten einsamen Wiesenblüthe» und reißen da« geweifte Laub von den Bäumen, und bedecken damit den Boden, daß die kahlen Stämme und Aeste ad« der schmutzigbraunen Blätterdecke traurend herau-blick^n — aber nur kurze Zeit, daun kommt der Winter und ibreüet die Schneedecke über euch, und die Eiskruste über dft überglasten Felsen — ha! daist eine neue, glänzende Pracht, und alle Strahlen der Sonne reichen nicht hi«, die Krystalle mir schimmernden Lichtern zu versehe»; diese Strahlen müssen fich hundertfach brechen. um alle.Farben de« Regenbogen« in.jede Ej«nadel und jede Schneeflocke zu bringen — welche- Auge faßt diese Herrlichkeit voll übermäßigen Lichte«, durchbrochen durch die schwarzen Schluchten, durch die dunklen Felswände, an denen der Schnee keinen Halt hat ... . « Lebet wohl, ihr' Thäler .... warum kann ich aber dennoch nicht denken an eure stürzenden Bäche, an eure majestätischen Forste, an eure lieblichen Windungen, die jeden Schritt neue Schönheiten enthüllen-ohne auch an da« Elend der Menschen zu denhen, diedarin Hausen, die an den Felswänden klettern. um fle zu sprengen, dann die Steine klein, immer kleiner klopfen, bann ste auf die- Karren laden, fich vor diese spannen und ste hinunterzichen Stunden weit bi« zur Eisenbahn; sich? o, auch^h^e^ Knaben, daß fie verkrüppeln, daß ihr WachSthum aushört, bevor e« recht begonnen . . . und für wenige Groschen — und dabei ist e« noch ein Glstck. daß fdie Regierung durch die Eisenbahn für diesen Erwerb gesorgt, der früher den Elenden auch gefehlt — und dabei verstehen diese Frauen, die Mitarbeiten, nicht Hau« zu halten, kräftige Nahrung zu bereiten — aber etwa in Gemeinsamkeit dafür zu sorgen, haben fie nicht Begriff und Eftttracht genug .. . Lebet wohl! aber die göttliche Vorsehung, har der Menschheit einen weiten Weg gesteckt, und den hat fle zu gehen in eigener Kraftentwicklung. Freuen wir un», ' daß wir zu dem Stamme gehören, der in der Menschheit berufen war und ist, sie im Höchsten am meisten zu fördern, Wahrheit. Recht und Liebe zu verkünden, und au«- zuharren, bi« sie überallhin erkannt und verwirklicht worden! Und darum ist diese« „Lebewohl!" nur ein freudige« Willkommen in,der Heimath!' welche« ich Dir, mein Leser, zurufe, mit dem Versprechen, auch fürder wacker für da« „jüdische Dojksbkan" zu sorgen, und' mit der Bitte, ihm Deine ehrende Aufmerksamkeit, mir Dein beglückendes Wvhlwollen zu erhalten! Notizen des Tages. In Aachen hat ein jüdische« Ehepaar da« seltene Fest de« 75jährigen Hochzeitstage« gefeiert. Der Mann ' ist 97, die Frau 92 Jahre alt, beide erfreuen sich de« besten Wohlsein«. Der nächste Lord-mayor von Load on wird ein Jude sein, Alverman Salomon«. Die Allgem. Ztg. de« Judentb. führt immer von Neuem die erfteulichen Beispiele der Tapferkeit und Verdienste aq, welche von ftanzöstschen Israeliten al« Soldaten, Offiziere und Aerzte im jetzigen Kriege gegeben werden. Die galizischen Juden, namentlich in Lemberg und SianiSlau. haben sich in einer Weise während der diesjährigen EHoleraeptdemie benommen, daß e« in der Thal über alle« Lob erhaben ist. In Kopenhagen wurde da« 50jährige Jubiläuuz detz Herrn Nathansen al« Schulvireetor« gefeiert, und verlieh ihm der König von Dänemark den Danebrogordea.