Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 48 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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i tkn einer Wand oder eines Baume-, sondern wie der eines vorüberfliegenden Vogels'); denn der Tod »ernichtet unsere Macht und Herrschaft, vereitelt jede WejSheit*). zerstört jede Freude und setzt unserm Wirken Atel und Grenze 3). Diese- Alles stimmt jedoch den Lalmudlehrer nicht trübe und finster, er flieht die Welt nicht, sondern lirbt sie nur noch wärmer, weil ihm dieses Vergängliche den Beweis liefert, daß nicht wir, sondern Gott unge» schaffen*), daß wir nicht bloS diese- Höchste erkennen, sondern unS ihm ganz weihest*), daß wir nicht hier, sondcrn in einer andern Welt den Lohn unsever Mühe zu erwarten haben*), daß diese Welt einem Vorhofe gleiche, der unS in den Palast fuhrt*). So ist die (Erinnerung an den Tod, die unvor jeder Verirrung schützen, von den Schlingen der Verführung befreien und unS zum Siege der Wahrheit über die Lüge verhelfen soll *). Betrachte drei Gegenstände und Du wirst nicht der Sünde in vie Hände fallen, wisse, woher Du gekommen, »tzohin Tu ziehst und vor wen Tu einst zur Rechenschaft gezogen wirst*». Bessere Tich, bevor Dg von dannen gerufen wirst'"). Aber nicl't bloS soll die Betrachtung deS Todsden Menschen von der Sünde retten, sondern unS auch den Weg zur Tugend, zur inner» Erhebung und Veredlung zeigen. Alles, so beißt eS"j, geht dem Tode entgegen — doch wohl dein Menschen, dessen Erziehung und Bildung in Gott und Tugend war. dessen Streben stetdahin ging, um seinem Schöpfer Freude zu machen, dessen Wachsen und Welken, dessen Blühen und Dorren von einem schö. neu Namen gekrönt war und dessen Tag deS Todeden der 'Geburt übertraf. Wohl dem. so riesen die Talmudlehrer '*), der dahinzieht, begleitet von seiner Lebre. Darum war daS Gedenken deS Todenichts.Ungewöhnliches und Seltenebei ihnen, sie erwähnten ihrer Vergänglichkeit. l) Mikr. rabba Wra. 96. *) Ibid. o M. Adsch. 9. Tauch. 5 M. p. 3. Mibr. rabba Kobel. p. 97. J) Tanchuma in TT“1 ji. ü 1; Midr. rabba 3 ©. 20. r 77-52 niS5 2-X7 rrr: .-"-77 y«, der Tod laßt t» nicht zu. daß UN. fere Freude hier eine gan,c werde. So schrieb auch nach Midr. rabba Kobel, p. 83. Bar- Kavvara, ein TalmudleÜrer. auf dir Tbüre eines Hause«, wo Rabbi Iebuta ein Gastmabl gab. ^77-22 72. der Tod folgt aus jede Freute. Ebenso lautet ein Lied bei einer Hochzeit (Berachjot 3 >.) *p *5 “ webe, der Tod! webe, der TodU (8«ede. dbeu Astmerk. 7. zur Seite 187.) Doch bezieht nch dies« Zerstörung jeder Freude weniger auf den Dabingebeudeu. als vielmehr auf'dein Zurückbieibrudeq. Saohevriu 22. heißt esc der Mann stirbt nur der Frau, wie die Frau nur dem Manne;! wer den Tod der ersten Frau überlebt, dem ist es. als wena dsts Heiligthum GstteS. 27T2, vor ihm in Schutt und Asche zujummeustürzte. R. Abuba meint, als wenn die Weit i» eine FtustMuß sich gebullt hätte, de»u das Licht erlischt und finster wird e« ja der Hütte. Midr. rabba Genes. 100. Midr. rabba 8 M. Absch. 9. u. II. T) Svr. d. BLter 4. 4t. *) Berackot S. Elers soll dir Mensch das Böse durch daS Gute zu bekämvfen suchen, gelingt es nicht — so soll er seine Betrachtung aus den Tag des Todes hiolenken. Di» r3*r cVi5*3 nr^sn 2"> 13 “rzr Nb ex* — 3E": *rsx: rnx' br dav •) Epr. d. Väter 3. Ibid. n) Berachot 17. '*) Ketobot 77. Baba batra 10. Moed katou 28. um dadurch zur Ewigkeit zu gelangen. So werde» mehrere Talmuvlehrer wegen ihrer öfter« Betrachtungen über den Tov. bildlich Freunde und Genossen de- TodeSengelS genannt'*). der ihnen daS Räthfel veS TodeS löst"), de« Platz im Paradiese, die Stätte ihrer geistigen Fortdauer zeigt, ja der fich sogar von ihnen da- Messer nehmen läßt, - um ste der Toveöschrecken zu^überheben "). Folgende Lehren bilden den Gefammtinhalt dieser Betrachtungen. Der Tod. so sagen ste. ist bestimmt als Strafe für,.den Sünder"), damit wir uns zum Leben «mporarbeiten'*). damit wir, wenn gut, daS Leben. u»d wenn schlecht, den Tod erhalten'*), damit der Bosheit Ziel und Grenze gesetzt werde '*), damit wir uns nicht selbst alS Götter halten *"). Aber auch der Gerechte muß sterben, damit er endlich ' '•) Äetnbot 77. flstodd katou 28. «erden mehrere unter-de« Namen 77:2*32 -2777X a»ch;r,r22*2 angeführt. j ■«) Ibid. ") Ibid. Ketubbt 77.. Wer wird zweifeln, daß hier unter de» Umgänge mit de« TobeSengel nur da» öftere Hinblicke» auf de» Tod verstanden «ird, bat un« zu diesem Allem »erhilft. '*) Midr. rabba 2M. Abfch. 38.; ibid. 1 M. Lösch. 9. wird diese Lebre durch folgendes Gleichnis dargestelll. Via König ver» aastalieke einst ein Gastmahl. ließ Gaste hierzu einiade». bereitete ihnen «ine Tafel voll dcr schönsten «od besten Speisen und knüpftean den Genuß derselben folgende Bedingung: wer stchs der Speisen wohlschmeckea läßt, der vergesse nicht dem Könige dafür zn danken; wer cS jedoch himerlaßt, der verfallt de» Tod«. WaS Wunder, wen« nun der Tov den Widerspenstigen trifft, von de« er sich ja gut reue» konnte! Also verhält es nch auch mit des Menschen Bestimmung zum Tode, wer Tugend öbc wird et» Enzd de» Leben», wer e» aber hinleriäßl. d:r tödtet fich selbst und heißt ein Engel de» Todes. ,T) Ibid. Kohel. p. 9i. 77-232 'N7171V 7: 2375 N2NK. die Liebe zum Leben wirb erhöhet, durch die Furcht »or dem Tobe. '*) Mibr. rabba 9. So beißt eS auch Kiduschin 38. und Megillo 13. am Tage, wo Moses leiblich starb/ wnrde er geistig > geboren. •*) Ibid. *°» Ibid. Adam sollte die Bitterkeit de» Todes nicht empfinde» und warum wurde sie devuoch über ihn verhängt? Damit Nebn» kadue<ak. Köniz von Babnlo». und kbirom, König v»a Tyco», die sich als Götter aubeten ließen, iune würde», daß sie nur Menschen, sterbliche Wesen wären. Ebenso wird un» i« Tan» dmuu p. 4. dieser Gedanke nochmal» vorgefühtt. Als Hadrian, so bkißr r» daselbst, nach Befiegung seiner Feind« nach Rom znrückkedtte und al- Gott verehn sein wollte, da, waren es drei Pbllosopbe«, die ihn hiervon abzubringen sachten. Der Eine sprach: „Großer Kaiser! der Mensch kann doch nicht in dem Hause setnes Herr» ssch frei und unabhängig erkläre», o verlaß dies« Erve und entziehe Dich dem Schutze diese« Himmels und werbe dann ei» Götti" der Andere meinte. ..die Götter, bi« za ihrem Sipe nch keinen neuen Himmel und keine neue (krbe.schufen, müssen schwinde»':" der Dritte seufzte tief und schwer, und dl« ihn Hadrian nach der Ursache desselben frag, antwortete er: ..ach Herr! stehe mir bei.' mein Schiff mit den größte» Kostb«- ketten kämpft schrecklich mit dem Sturme und wird den-Weste» pretsgegebea." ..Dir soll-geholfen werden." rief der Kaiser, „meine Legionen sollen es retten!" — „Aber woz» erst Deine. 'Legionen," sprach der Bittende, „ein. Won von Dir und der Stur« muß nch legen." —« ./Wie kann ich das?" frug dieser erstaunt. „Ron. Du glaubst-ja Gott zu sei»."' Bestürzt ging dieranf der Kaiser nach Hanse, wo ihm die Fraw freundlich entgegen kam und »orgad, als habe ste ihm ei» Anliegen vorznbringen. „Großer Kaiser." sprach ste. „zu Deine» Füße» liegen so viele Länder und Städte und Du hast de« Reichtham« gen»», wozu »och unter unser» Schätze» ei» fremde« Gut. gieb es bi» und zahle Deine Schuld — e« ist die« Deine Seele." — „Str ohne Seele." rief er au«, „ist «an da nicht wot!" — „9tm/ Du hältst Dich ja für eine» Gott." erwiederte ste^- und schwieg.