Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 47 (1855) · p. Seite 187

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
47 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4908862-5999336-6000704--0557-4909275
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Da ich deren Wandel schäme, ..Fleht' ich mit erhabnen Händm: „Statt Le» Weibe» mög' da» Kühlein „Bi» zum Abendroth verenden." „Andern Tag'» baut' ich dem Neidhard „Dort die Mauern, die verfallen, „Weil ein Schatz lag lief vergraben „In den öden finstern Hallen." — „Daß beim Bauen er die Schätze „Nicht entdecke in der Erde. „Baut' ich selbst ihm auf den Speichel „Ohne Mühen und Beschwerde." — „Hättest Manche» noch geschauet. „Wärst Du still mit »ir gezogen; „Doch al» D» mein Thun gedeutet, „Stieg ich a^f zum Himmelsbogen." „Muß noch wandern viele Jahre, „Wandern ohne Rast und Ruhe, „Scheint auch' eurem blöden Sinne „Unerforschlich, wa» ich thue." — , „Bi» ans Ende oller Tage „Muß ich wandern gleich der Wolke, „Bist einst Israel wird befreiet, „Bis einst Juda wird zum Volke." „An dem Herren Bestach-Abend „Mach ich überall die Runde, „Wo noch frommer Sinn und Glauben „Wohnt im Herzen, wie im Munde." „Und ich klopf' qn alle Thüren, „Sitz' am Tisch der frommen Zecher, „Tröstung in die Herzen sendend, „Nipp' ich unsist/tbar am Becher." „Eh' nicht einst vereint die Menschen .. „Einig Gott dem Ein'gen dienen. „Muß ich. Elia», noch wandern. „Ist der Meffia» nicht erschienen." Als Ben Lewi dies gelesen, I Schnell da» Blättchen er vernichtet, Bald jedoch vor seine« Tode Seinen Schülern er'» berichtet. « |, Und so tönt noch heut' die Sage, ' J So wie » tönt von tausend Zungen,! Wa» vor vielen tausend Jahren I David einst im Lied gesungen: „Gütig ist der Herr in Allem, ,.Wa» er thut, ist recht und weise; „Darum lobt ihn inden Höhen, „Lobt ihn auf dem Erdenkreise." Hallelujah, Der Tod, nach der Lehre der Talmudisten. Bo» Dr. S. Hawbnrgex, Rabbiner i» Neustadt bei Pinne. Ebenso liegt e» nicht in unserer Macht, dem Tode zuzurufeit: warte, bi» ich mein Werk vollende, auch wenn wir noch nicht geerntet, wa» wir gesäet'). Tritt einmal diese Zeit ein, so werden wir Allem preisgegeben.. Allebeherrscht un#^ Alle», wa» un» begegnet, kann un» tövten, selbst Thiere sind hierzu bestimmt, denn zur Doüführung de» höchsten Beschlüsse» find alle Geschöpfe ^Diener Gotte»^). Man. erzählte einst einem Talmudlehrer * *), es ritt eia Mann auf einem Maulthiere über eine Brücke, die, kaum er sich in der Mitte derselben erblickte, plötzlich unter ihm zusammenbrach und da- Thier zwang, seilten Reiter in» Wasser zu stürzen! so finF, rief dieser au», zur Vollziehung Deine» Unheil», o Gott, Alle Deine Duener! Samuel, ein Talmudlehrer. so heißt e» daseßbst, sah. wie eln Krokodill über da» Wasser, setzte und einen Mann jenseit de» Wasser» tövtete und eief laut: Gort! Alle find Deine Diener. So "beantworteten auch die beiden Märlvrer *) Papu» und Julia «tu» die Frage ihre» Verfolger», TrajanS. al» fie, vdr. ihn'.gefangen gebracht und zum Tode verurtheilt wurden: warum un» nicht . Gott au» Deinen Händen rette«? weil dessen weiser Beschluß utt» früher zum Tode verurtheilte, und wenn Du uii» herschontest, o so hat ja noch Gott viele, andere Boten hierzu; wie Löwen. Ti» ger, Krokodille und Schlangen, die un» auf jedem Schritt und Tritt begegnen und un^ tödten können« Ebenso be» bauptet der Talmud*), obwohl die vier TodeSurtheile de» Sanhedrin keine weltliche Macht mehr besttzen, so werden sie dennoch durch göttlichen Beschluß vollzogen. Wer gesteinigt werden sollte, der fällt vom Dache und stirbt, oder wird von einem Thiere angefallen; wer den Feuertod verdiente, der wttd von einer Schlange gebissen, oder stürzt in- Feuer; wer den Tod durch da- Schwert schuldete, der kommt als Unruhestifter in die Hände der Behörde, oder wird von Räuber,» getodtet; wer zum Tode durch Erwürgen verurtheilt 'werden sollte, der ertrinkt oder verfällt ainer bitzigtn Krankheit'*); Darum lautet daS Sprich» wort: die Füße des Menschen leisten Bürgschaft für ihn, wo der Tod einst auf uns »artet, dabin führen sie uns *). Doch ist diese unsere Bestimmung zum Tode, wenn auch iw mancher Gestalt betrübend*), im Allgemeinen kein Uebel, nb-ncb nn nb nr* 7122 errrs rws2 “cn, da da» ») Midr. rabba S Mos. Abs^L; ibnl. Kohel. p. lSvr •) Nedarim 4«.; ebenso Kobel. 97.. wo «och »rbrere Beispiele vorkowaiea; -aWso Midr. rabba 4 M. Lösch. 40. *) Taaith. 48. Midr. rabba Kohel p. 84 -p. SS. Simchot Lösch. 8. 4) Sota tz. *) Ibid. heißt die Krankheit ’omo. die der Lruch von Landau durch „Brinne" »tedergtebt. ») Socca SÄ. Midr. rabba 4 M. Lösch. 69. Tanch. xv2 p. L44. l 0 Tanchuwa z» 212^1 p. 44: nennt den T»d "svn Finster» aiß. weil er un«. oft in Trauer tzstlll. ebenso Midr. rabba 3 M. Lbsch. 48 idid. » M. Lösch 38; doch schwindet diese» Uebel bet «ine» göttlich erlenchtete, Menschengeschlecht«, j« de» »ir «■» heraubtlde» sollen. .idid. S 9S. Lösch. 48.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.