Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 46 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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T Jüdisches Bolksvlatt. Zur Belehrung und Asilerhattung auf jüdischem Hebiete, Herau-gegebea von fNo. 46. 4833 i Rabbiner Pr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Pmi kiticr •Jotfij'tift trid'fiBJ wölben lli» rin« Nummer. Pro« »es I«drgaii^S 1 Tblr. Likrreljäbrig 7'/, N^r. Alle Pulbb^nklurigen, Pvüämler und Üeiiunglekretltlonen nebmen krftellun,en an. - lS.Zahrg. 4* (ßaartaLJ Pollak, k. k . Lieutenant Wer sich mir theilnehqrender Phantasie gerne in die Lebensschicksale von Menschen, die zu irgend einer Bedeu» tung in der Außenwelt gelang» und, verseilt, wird nicht selten vordem Umstande überrascht.' wie Manche zu einem Ziele gelangen, daS nach den gegebenen Verhältnissen, unter denen sie erzogen und von denen sie r mgeben waren, kaum voraussichtlich war, ja dem geradezu entgegengesetzt ist, wozü sie vorbestimmt schienen. Und da ist zu beobachten, wie oft selbst die widerspenstizsten Umstände und Hindernisse der Außenwelt und selbst v r eigenen Persönlichkeit überwunden-werben, um einen LebenSsieg^u erringen, zu dem die Waffen in Gemülh uni Geist, wie in einem veu» Besitzer selbst unbekannten Arse täte lagen, bis jtl scheinbar der Zufall anS Licht brachte, schliss -und zu einer glänzenden Lebenstropbae werden lie i. Einen Beiveis für diese Betrachtung lesen auch der LebktiSgang d^S Mannes, dey wir zu schillern hier unter, nehmen.! .Joachim Pollak ist der älteste von dr i Geschwistern, welche seinen Eltern in dem Markte Jaisckpi; bei Znaim in Mähren geboren wurden, woselbst sein Baku Branntwein, und Brauhauspächier war. - £t erblickte dat Licht der Welt am 19. Mai 1822 und wurde schon in seinem vierten Lebensjahre nach Proßnitz zu Reb Leb Melamel gebracht, um von ibm in der Bibel, im Coiamentar RaschiS, und in deut» scher Sprache, die böhmische brachte er vom Elterlichen Hause mit. unterrichtet zu werdet,.. Eine eigenthüm!liche Freude an Mustk veranlaßt den Knaben ^zur Bitte, ihn j im Violinspiel unterrichten zu lassen; die Eltern erfüllen sie und wir wer^ den sehen, von welchem glücklich-unglücklichen Einstusse für den Jüngling das Violinspiel wurde. Im! eilften Lebens jahre wurde der Knabe, der den Eltern g^nug ..gelernt" zu haben schien, zurückgenommen. Er verweilte in seinem Geburt-orte bis zur „Barmizwa," d. i. bis zur Lebens» epoche des jüdischen-Knaben, wo der Jezer!hora, d. i.-der Böse, Macht über daS Herz und den Geist deS Menschen gewinnt und die Eltern aufhören, für ihre Kinder verantwortlich zu fein. ES ist dieS die moralische Volljährigkeit bei den Juden. Allerdings in einem erstaunen-« würdig frühen!Alter, wo noch überdies von armen Eltern unabänderlich vorausgesetzt ist, daß der Knabe nun auch fortan für seihe Eristenz zu sorgen bemüht sein müsse. ES •) Au» bemjfo eben erschienenen vortrefflich«» Wertheimer'« scheu „Jahrbuch! für Israeliten auf 6646." bedingt dieS ein^fruhreifeS Kennen und Erkennen der materiellen LebenSörrbaltniffe und läßt die in früherer Zeit stattgehabten Ehebändnlffe kaum nach vollendetem Knabenalter, wenn auch rückstchtlich einer kräftigen Generation nicht entschuldigen, doch erklären. Joachim Pollak hatte daS dreizehnte Jahr erreicht und die sonst wohlhabenden Eltern, durch unverschuldete Verarmung gedrängt, entließen bedrängten Herzens den Knaben, der — mr-die Welt ging, um einen Dienst zu suchen. Er wandert lange durch Böhmen, Ungarn, Galizien und lernt, waS wieder von Einfluß für sein Leben werden soll, die Sprachen der durchwanderten Lander, die ihm also, wenn er von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt mit fröhlichem Kindermulbe zieht und an die Pforten klopft, nicht blos.ein materielles Almosen gewähren, um seinen Hunger zu stillen. Die eigentbücklichen Sitten und. Gebräuche gehen an dem aufgeweckten Einne deS kräftigen Knaben eben so wenig spurlos vorübesr, wie daS Geben und Begreifen der vielen, ihm neuen Leben-Verhältnisse. Sein Auge wird für da» Praktische, rasch zu Ergreifende scharf, geschliffen. Nach langer Wanderung kehrt der Knabe nach Ungarn zurück -und sinvtt Lei einem Schnittwaarenhändlerin Pesth alS „HauSjüngel," t>. i. als Laufbursche, Aufnahme. AlS folcher bewahrt er sich durch jugendlichen Eifer und DieNsttreue während 2'Jahren. ergreift aber, weil sich ihm keine Aussicht öffnet, nach dieser Zeit wieder den Wanderstab, den er nach Schlesien setzt. Hier lernt er zufällig leinen Liqueurfahrikanten, Schönmeyer, kennen, von dem er — eS mochte tote Erinnerung auS seines VaterS Branntweinhause in ihm wach geworden sein :— „Geist brm» jKn“ und Liqueur fabttcirm lernt. Nach längerer Lehrzeit tritt er. keine Wanderschaft,mebr, aber eine Reise durch Schlesien, Mähren und Galizien an und richtet auf verschiedenen herrschaftlichen Besitzungen Rosogliofabriken ein, so unter andern in Allbrünn, Tyrnau, Teschen, Twa» roschna, Tomasowitz, Friedeck. 'Wellohrad. Zuletzt begegnen wir ihm als Facrotum beim BrauhauSbefitzer Aron Tautz in Dörfel bet Ungarifch-Hradisch, wo er durch ein Jahr^verweiltt . ' EineS NachtS springt hier der Dampfkessel in det Branntweinbrennerei. Dizse, sein Leben bedrohende Erplofion giebt demselben eine andere, unerwartete und wie hart, sie beginnt und lange sich fortsetzt, eine glückliche We» düng. Pollak, kaum der Gefahr entgangen, spannt die Pferde vor einen Wagm und ellt noch in derselben Rächt