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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 37 (1855) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
37 (1855)
Date
1855-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolksAM i T / j 3»t " Belehrung und Unl^rhaftung aus jüdis Herau-gegeden ^vov Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Hem stebiete. «cs* i Von birsrr 9tirtArif INo. 37. 1850. J «an«. ' flr.^ «ur wiibtntli* fine Nummer, «reit f,» 3otu< r djibri« 7Vf War. AUf £ud-b.mNu«grn. Postämter | ingftjpclitionf» nebmrn PtAfüungtn <in. 1 S.^>hrg. 3^ Waattal.; Die Gegensätze. l. keit de- Dasein-, der Heiter Du niederknierst im Geiste, hinaufjubelst: „eS ist doch 'eft, der Lust hingiebst, bevor md Deinem Gotte die Worte chön auf Deineir Erde, Hab, (Jtlaqel. Jerem. 3, 1.) 2. tu hast Freude gelegt io mein Herz, h Ewiger! (Psalm 4, &)' Das Menschenherz ist ein zartbesaitete- Znstrument, dessen Tonleiter zwischen dem tiefen Weh und der hohen Lust unendlich »heilbar ist, unzählige Stufen hat. Und zwischen diesen beiden 'Enden steiget und finket da- Gemüth des Menschen immerfort; bald weilt es unten, in der Region des Schmerzes, und kann sich nimmer erheben, so sehr auch der eingedorne Drang es entfesseln will; bald flattert es auf in die Hohe, und mit eigenihümlicher Schnellkraft schüttelt es mutbig alle Schneeflocken de- Leides ab, die auf sein Gefieder fallen; bann kommen a zeiten, wo m raschem Fluge a,Üe Töne hinauf uch Sturm- und hinab durchrauscht werden, alle erklingen in eine n Brausen. Und daö Menschenherz sehnt sich nach beiden Seiten hin. es kann keine Genüge finden an einer; es will die Lust nach dem Schmerze, baden, und ohne diesen st für dasselbe keine rechte Freude vorhanden. Endlich mischen sich beide in heimlichster Weise in einander; in dens Durchfühlen der Trauer lieget eine eigene Wollust, und wo wäre ein Frenvenkelch. auf dessen Boden nicht ein Tropfen. Wermuth läge? So lieget denn das ganze Menschrnva> sein ausgesprochen zwischen diesen beiden, und die obigen Verse der Schrift stellen fich'als zwei Grenzwäbter unser- Seelenlebens hin. von dessen Inhalte sie Kr^nde geben. Lasset sie uns darum etwas näher in's Auge 1. fassen. sehen. 3ch bin der Mann, der daS Elend g Welch' eine Tiefe des Gefühls, welch' ein ga »zeS, furchtbares Leiden ist ausgesprochen in diesen wenigen Worten! Kennst Du jene scheinbaren, jene eingebildeten Uebel, die eine krankhafte Reizbarkeit, eine verstimmte Einbildungskraft schaffet? Denen überspannte Hoffnung und überspannte Forderung an's Leben Mutter ist? — >Doch wozu frag' ich Dich. Wie ist doch der Mensch geneigter, sich unglücklich, denn sich glücklich zu fühlen! Welch' ein Zusammenfluß günstiger Umstande muß stattfinden» bevor Du Dich dem Gefühle deS Wohlsein-, der ganzen Dehaglich- Dank!" Und im Gegentheil:! welch' geringfügiger Umstand gehört dazu, rxle oft nur ei^r Wort, ein Blick, die Nichterfüllung des kleinsten Wunsche-, um Deine Stimmung zu verbittern, herbe Gefühle. Mißfälligkeit an Allem hervorzurvftn, Deine Seele in bittres Leid zu versenken! Da- Uebelbefinden ist den meisten Menschen zur Angewöhnung geworden, auder sie nur durch außerordentliche Mittel hera.usgerissen werden können, um Hnach flüchtigen Momenten wieder darein, zu verfallen, sta, die vielen Bedürfnisse, die der Mensch fich geschaffen, und die alle beftiedigt sein müssen, soll ihm wohl sein; hie Abhängigkeit, in die er fich dadurch von Kleinigkeiten! gebracht, von Aeußerlichkeilen, die an sich gqr nichtbedeuten; die Abhängigkeit ferner, unter die er. von Seiten feiner Mitmenschen seinen Nacken gebeugt, daß ein Blick ihn verwunden, etn Wort ihn zweifelhaft machen kann; dann die Schwächlichkeit seiner körperlichen Beschaffenheit, deren Schuld er meist selbst tragt, und in der er einen starken Hauch der Luft' oder ein unbedeutende- Befallensein eine- Gliedmaßenur unwillig erträgt; endlich die Kleinmüthigkeit seines Geiste-, den ewige Sorgen, beständige Aengste umdüstern, so daß der Schatten einebefürchteten oder nahenden Unheildas frische. Treiben seines Gemüthemebr mir Mehlthaü befällt, als jed' mögliche- Unheil selbst-alledieist die Ursache, daß der Mensch sich! so wenig wohl suhlet auf Erven, wo der himmlische Da- > tri es ihm doch wohnlich genug gemacht hat, und. wo . er! so wenig, bedürfte,- um glücklich zu ssin! .... Und wenn s nun wirklich ein Leid,' ein Verdruß. ein Hinderniß, eine | Täuschung, ein Verlust einttitt — ist eS denn wirklich so J «roß, wie eS Deiner Einbildung erscheinet? Warum legst 1 Du das Vergrößerungsglas der Bitterkeit, der Ungeduld 1 davor, um es in Umrissen zu sehen, die ihm nicht ange-! hören? — — > * ä j Allen diesen tritt, unser Spruch entgegen, und ruft auS: „Ich bin der Mann> der daS Elend gesehen!" Nicht Eure selbsterzeugten Uebel, nicht Eure kleinlichen Leiden. Ihr schwachen. kleingeistigen Seele,! Wie schrumpfen diese zusammen, wie.find fit und heißen sie Nichtvor dem grausigen Gemälde, da! fich vor meinen Augen entrollte, vor dem „Elende" und Weh, daich durchlebt. Und fürwahr, JeremiaS fnicht es auf den Trümmern Jerusalem-! Er hat untirgehen, in die Verbannung führen sehen fein Volk, föt daer gelebt und gelitten; i!1 1

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