Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 32 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I Bolksblatt. Zur ^cleöruiifl uni) Anlerhattung auf jüdischem Hebiete. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig PhiUppson in Magdeburg. tz. aa m -k Von dieser Zemckrii' ertckeiul worden,lick eine ftmnmcr. Peers tes Ä . a ja [»o. 32. 185a.] 1 s z. ^ahrg. ».©aartat] Die Jugend. Ehemals war die Jugend die Zeit der Begeisterung, deS frischen Enthusiasmus, der raschen Gluth für alle- Schöne und Edle! . Ist fie dienoch? Ungern schmähen wir auf die Gegenwart — denn eS j ist diegar zu oft Zeichen deherangenahten Alter- .. . 1 Aber sehen wir üstjetzt um. so gewahren wir in der Jugend — den Geist der Selbstsucht, deschnöden Egoi-mu-! TheilS sprechen fie ihn^geradezu al- Princip au- - Ideen seien nicht-, Leben für Ideen nicht-, Opfer für Ideen Thorheit . . . theilverkündm ihre Handlungen, ihr ganze- Sebahren solche Grundsätze! Zwar ist die innere Natur de- Menschen besser aldie Art, wie er sich au-spricht — oft nur um groß zu thun. zu imponiren — aber waS man oft und mit Nachdruck au-spricht, wird zuletzt zur andern Natur. Zwar kehrt der geprüfte und leben-erfahrene Mensch auch von solchen Anfichten zurück,' er weiß, daß der Mensch de- Egoi-muniemals baar wird, .daß er aber doch nur von Ideen lebt, und wo vaS Lfben der Idee > ledig und beraubt ist, nur ein leere-, -deS Nichts übrig bljeibt-Aber wo bleibt unterdeß die Frische der Jugend, wenn fie von solcher altklugen Weisheit durchnüchtert ist, wo ihre Thatkraft, ihre Opferwilligkett, ihre schaffend^ Kraft? . . . O, machet nur den „Dorthetl", den „Nutzen für sich selbst" zu Eurem Gotte — Ihr bereitet Euch selbst dadurch den größten Nachtheil und Schaden — denn nur die Flamme edler Begeisterung durchglühet die Kraft de- Menschen, daß er Großeschaffe. Tüchtigeleiste — für daganze Leben, und nur diesefindet hinwiederum Lohn in fich und bei Anderen!. Das Gehöfte. | Einige Scenen aumeinem Leben, von Ludwig Schraggq. 2. Darothe Häu-chen lag nicht immer in seiner Einsamkeit und reizlosen Verlassenheit. Äiehe, da steht evor dem Auge der Erinnerung mit frischen Tannenzweigen und Kränzen au- Tulpen und gewöhnlichen Rosen geschmückt, der Weg von der Pforte zur HauSthüre mit weißem Kiese bestreut» die gute Wirthlin im Sonntagsstaat mitten in der Woche. . . ach, mein Leser, werfreuet fich nicht an der bräutlichen Jugend, und wer gönnt dieser ihre Zeit nicht« oft die einzig hohe im ganzen Leben, wie unsre Sprache dieso schön bezeichnet .. . Ich war der Bräutigam, und erwartete hier voll Sehnsucht, voll Bangen-, voll Ungeduld meine Braut .... Am Mittag sollte sie ankommeo, am Morgen war ich schon hin- Mit einer Hast, alhinge an jeder Minute da- Leben, legte ich Hand an, im rothen Gehöfte Allefeierlich und festlich, vorzubereiten; ich I drehte da- Unterste zu oberst, ich ordnete die Meuble-, die uralten de- Stübchen-, damir dis Wirth-leute zu diesem Be» Hufe für heute überlassen, ich^ hotte mit dem Knecht Tannenzweige audem Forst, Rosen und Laub audem Garten, ich stellte da- Geschenk, daich dem geliebten Wesen mitgebracht', in paffender^Meise auf, dann übersah ich einmal, zweima^mein Werk, veränderte und putzte daran, dann bekümmerte ich mich um Spei- und Trank, die ich auch selbst mitgebracht, denn die Braiut, wie efich gebührt, kam nicht allein, sondern mit ihrer gdtttze» noch lebenden Verwandtschaft, daheißt mit, ihrer Mutter ...J Dann lief ich nach dek Laube, dem! lauschigen Verstecks wo ich mir meiner Lina ein Stündchen einsam verplan bern wollte, putzte fie au-, ordnete dadichte Laub, das nicht der geringste Sonnenstrahl, viel weniger de- Lai» scher- Blick htneindnngen könne .... nun war Alle» geschehen, ach, und noch so diele Zeit übrig, denn is hatte emit einer geflügelten Eile gethan. Garten autz Garten ab . . . eine Strecke Wegein den Wald, wo fn Herkommen müssen — aber die Wege kreuzen sich da so vielfach, daß ich umkehren muß, will ich nicht ri-kiren, fie zu verfehlen. ^Gemach, in den Garten, in die Laube |ai rück, auf die stSaük, ich lege die Blätter zurück, daß ick die kleinen Schemen de- Häu-chensehe — ach! da hatte mein kranker Vater hindurch auf mich gesehen ... der Geist fliegt-den weiten Weg zurück, den ich seitdem geigangen war . ... geh' ihn mit. mir. mein Leser! Es kamen schwere, trübe Tage in unsre Hütte hereingezogen, nach dem Tode de- Vater-. Die Mutter kämpfte lange mit unerschütterlicher Kraft — bald aber waren bn geringem Verdienste die kleinen Maaren aufgezehrt;^dann ging ean alle- Entbehrliche, bald auch an manche- Unentbehrliche; endlich sah die Mutter ein. daß enicht zu halten sei. Wir mußten vertheilt werden. Sin güti. ge- Geschick führte mich in da- Hauein«- OberohwjD meiner Mutter — ach»-ich sah sie und meine Geschwister nicht wieder. sie flechten einenach dem andern hin, nach zwei Jahren war Alles von der Erde verschwunden, was