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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 30 (1855) · p. Seite 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
30 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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120 fo writ ick vermochte» bi» meine Hand de- Vater» Haupt er eichte und streichelte ihm Wange und Stirn; dann suchte Ich in meinem Säckchen und nahm den letzsen Bissen Brode; und einig« Stücke gedörrten Apfelherqu» und brachte ste dem Vater trotz Widerstreben in den Mund — ach, ui b dann! knieete ich nieder, und flehte zu» Dater.in der H he um Hülfe, ach und schwor ihm feierlich, keine Sünde m bf zu thun, nicht ein Grasbälmchen wollte ich mehr «u Schabbeabrupfen, und keinen Biffm ^ffen, ohne die Hinke zu waschen, und jeden Abend krieschmeleineo, er so le nur dem Vater helfen auder Nvtb, ach, ich wollte ja gerne sterben ... Ta ries der Vater: j „still, Nathan .... horch, borst Du nicht- . . . Ich plauschte, aber beite.nicht» . . . „Jetzt, jetzt, auf. Nathan, er hat ge. helfen, ich höre Hundegebell! . . Ich horchte ange» strmgtest, ja, ja, da hört' ich'- auch, schwach, fernher, i ab r bestimmt . .: „Auf, Ratban, Du utußt un- Beide re ten: wo Hunde find, sind Menschen, geh' dem Grblaff tu ch, und bo!e Hülfe herbei . . Ich mochte mich auf. S eb. der Wind trug den Schall gerade ans un» zu, und e» war dieffende- Graben». 'und nachdem ich zwanzig S dritte gegangen, hörte iL e» schon ganz deutlich; vorfit >tig ging ich fort,, noch eine Viertelstunde, und ich stand ar einer Lebmmauer . Meine Annäherung batte die H nde wütbend »gemacht, glücklicher Weise war eö noch' ni hr 8 Ubr und die Tbiere noch nicht von der Kette. A er die Leute, die da wohnten, waren guftnerksam gew rden, und als ich die Mauer entlang ging, ward schon di Gartenlbüre geöffnet, und ein Mann rief: „Wer da so spät? . . Ich stürzte auf ikn lo-, erzählte schnell u fern Unfall, umfaßte des Manne- Kniee und stehle ihn ui» Rettung de» Vaters an. „Wer ist denn Dein Vater?" fr ig der Mann. . „Zosel, dev HausirerT" — ,,Wa-,. der ar ne, brave Jose!? Na, dem muß schnell geholfen wer. de l . . . ." Ha. wie schwoll die Kindesbrust vor Freude .. . Der Mann nahm zwei Knechte mit Laternen mit, sie fo glen km kleinen Spuren meiner Schritte, ließen oft ib: „Halleb!" ertönen. bis wir eine schwache, wimmernde Stimme antworten dörren .. „Daist mein Daier!" ri f ich, unv in kurzer Zeit waren wir bei ihm. Vorfich« »ü , aber kräftig zogen sie ihn heraus. „Nun, der Schnee w r Euer Glück, armer Zofe!." " sagte der Bauer» „sonst w ret Ihr erfroren! ..." — „Ja. ja," stöhnte mein Da. . re, ,,e» ist ein Gon im Himmel,' der auch im Trübsal de uns ist. der har auck mein armes Kino zu Euch gefü rt! ..." Der Bauer flößte meinem, ohnmächtigen D ter einzige Tropsm Schnapp» ein, der eine Knecht nabm ibi auf den Arm, und so brachten wir ibn nach dem Gebö t — e» war: da» erste Mal. daß ich es betrat. Wie viel Sorgfalt geschah meinem Vaver in dem rotbea HäuSchrn! Ich holte am folgenden Tage'meine Mutter und rer Bauer gab uns auf Credit, haß wir zu le. bei hatten. Gott und die gute Natur de» Vater» tbat W inder. ohne ärztliche Hülfe heilke^der gebrochene Küß, un ' nach drei Wochen sonnte mein Vater da» Gehöft ver affen — e» war unterbeß der HauL des Herr» ge« foi imen und Han, den Schnee von der Erde gewischt und bei Rasen im Walde grüne gemacht. Ach, e» folgte eine trübe Zeit, denn mein Vater konnte noch Wochen lang sein Geschäft nicht versehen, und al» er e» endlich wieder konnte, da kehrte jx vom ersten Gang wieder heim, legte sich auf » Siechbett, und erstand nicht wieder. Seine Brust war in jener Ngckt zu hart angegriffen worden, er bekam die Auszehrung, und al» der erste Schnee wieder die Erde deckte, da kamen die schwarzgekleideten Brüder der nächsten Iudengemeinde, brachten ibn von dannen und betteten ihn in seiner letzten Ruhestätte .... Za. ja. mein rotbe» Häuschen, au» Deinen kleinen Scheiben blickt mich da» ehrwürdige Angeficht meine» Vater» an, wie er dahinouSschaute, al» erst da» kranke Bein ihm wieder von des Bauern Lager zu erstehen, gestartete. Es war die erste Zeche, die ich dort schuldete, und ich bezahlte fie erst lang, lang darnach .... (FortfrHuoz folgt.) Anfragen und Antworten. 74. L. in F. Giebt eS wohl eine hebräische Wandfibel der Art, wie man welche in den christlichen Schulen zum Lesenlehren anrrifft? Und wo giebt e» welche?^ Antwort. Allerdings, von Lewysohn in Fulda. 75. W. in U. Br. Ist die Erzählung von einem Golem, dessen Ueberreste noch auf dem Dachboden der Alt-Neusvnagogr zu Prag vorhanden sein sollen, bei welcher man den hoben Rabbi Löw als Verfertiger mir hineingestochten bar. zu den Mvtben zu stellen? oder kann man dabei an einen JagueS Drozi'fchen Automaten denken? oder verhält ,S sich noch ganz ander»? Antwort. Die» ist eine etwa» schwer zu entscheidende Frage. Sollten sich Ueberreste eine» Golem finden. wa» ich nickt glaube, dann wäre natürlich an einen Automaten zu denket). Da sie sich aber wahrscheinlich nicht finden, so ist e» leichter, da» Ganze in's Bereich der Mythen zu verlegen. ES ist bekannt, daß im Mimlalter sich viele Chemiker mit der Aufgabe, einen „bomuncülus“ aus chemischem Wege zu fabriciren, beschäftigten. Man weiß ja, je unwissender man noch ist, desto kühner sind die Hvpotbesen. Tie Verfertigung eines Golem ist ganz dasselbe, und daß man nun dem als Astrologen und Alchvmisten bekannten hoben Löw die Lösung der Aufgabe zuschrieb — etwanicht FernliegendeS. — Allgemeine Zeitung de- Judeutbumt. No. 18. 1888. ' Seilende Artikel: Die israelitische Siterakurgesellschaft. — Die Postbetörderung eine- „Echetdebrieses''. — Der KarätS« mnt. Bon Dr.JBoIf. (Schluß). — Zeltnag-nachrichten: Deutschland: Worms. Worms. Regensburg. aus Knrheffeu, ans Württemberg. Preußen: aus Oberschlefiea. Reamied. Oe« sterreitischer Kaiserftaat: von der Donau. Pestb. — Literarische Nachrichten: aus Württemberg. 3fST Zu beziehe» durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährig */« Thaler. Leranttvortltcher Redakteur: SL Nabe. fkrUg wu f aa«|lrtTur’ * Vatf'huthing in ttrivjig. — £tu4 *tm »lexauter Liede in Seipti-.

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