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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 29 (1855) · p. Seite 116

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
29 (1855)
Date
1855-01-01
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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116 Sie legen Schlingen, Ob fie un» ftagta, Daß von Dir wir übnflausen. — Wir bleiben Dein auch »it gebrochenen Genicken. Die edlen Frauen sich sputen, Daß al» Opfer ihr« Binder bluten, *' Väter schlachten rasch die S-Hne 'Und schonen nicht da» eigene Leben. Deine Einheit zu erbeben, Weiht rem Tode f * die Zunge und die Schöne; ^Höre, Israel!" die Lippen beben, j Und vom Bräutigam und von der Brout Ist .,der einzige Gott" der letzte Laut: — So die im Leben waren sich gewogen, Den Opfertvd vereint vollzogen. (Kolonymob. Jehu'ä.) Wenn Zechiel b. Abraham rufr: „Wie Lehm bin ich z, Meten, im Kessel gesotten, gleich Stroch au-gedroschen, n it zerschmettert in der Kelter," so dürfen wir die» al»!"’• nehmen; aber buchstäblich gelten die Schilderungen M^» im Zion: Deine Getreuen werden gesteinigt, Berbraunt, erwürgt, gepeinigt, Gerädert und gehängt, Lebendig in da» Grab gesenkt; Zch sehe fie blenden, ^lutig mit abgehau'nen Händen, iin r die Weinpressen gelegt, Ze^csten, ertränkt, zersägt. Die vre« Zeit--und Ortgenoffen: Menachem b. Jakob, 1 lasar und C, >raim b. Jakob bestätigen, wo! auch au» ' f üherer Zeit von den Byzantinern erzählt wird, baß man i üben uii.er die weinpressen gelegt; Zoek Halev berichtet, d iß man Schwangere ze-^auen, manche in fiepende Töpfe geworfen, wenn fie noch atbmeten, aus'» - Rad gesuchten, « »er lebendig begraben har. Daher durfte ein Dichter wohl < -»rufen: ..Ern Volk, das man in Feuer Und in Wasser bringt hinein ' , Muß. Dir wieder thruer, Gereinigt von der Sünde sein." Wurde nicht immer rodtgeschlagen, wurde doch oft ' j «schlagen. Die Klage der israelitischen Aufseher in! Ägypten (Erod. 5, 16.): „Deine Diener'werden geschla- (Mi!" -tönt Jahrhunderte lang durch die Selicha'». Er züchtigt mit dem Stab, Und schält die Haut mit ab. (<Stia.) Vielleicht erbarmt sich Gott der Schlägegewohnten. (Samuel.) Geschlagen mit Ruthen, . Mit Stöcken, wir bluten. „Aus allen Straßen werden fie geschlagen!" ruft ein sichrer moslemischer Zone: „unter Feindeshand geschlagen i nb gepeinigt," sagt ein Karäer; daß di« Byzantiner fie 1 hlagen, bestätigt Benjamin von Tudela^ Lin aller elegi- < her Dichter, vielleicht Kalir, klagt, daß man fie ohrfeige, 1 wmik er schwerlich die officielle Ohrfeige in Toulouse gemeint hat. Binjami» erzählt un» in einer jammervollen Schilderung von den Leiden seiner Brüder, daß ihre Vorsteher mit Rüchen gepeitscht würden. Streitigkeiten unter den Juden gaben einen Borwand zu Gelderpreffungen; AuSsagen alter Weiber und junger Angeber brachten Manchen auf die Tortur und von da auf den Scheiterhaufen. Bei zeitweiligen Austreibungen erlitten fie ungeheure Verluste und Drangsale aller Art; Synagogen wurden in Kirchen verwandelt, Leichensteine zerschlagen, hebräische Bücher geraubt, zerrissen, verbrannt. Aberglaube und Teufelsgewäsche gefährdete die Juden bei den unschuldigsten Verrichtungen,' z. B. bei der Purimfeier. Einst kam man von einer Leichenbeglei» tung zurück, und wusch fick, wie gewöhnlich, die Hände auS einem vorbeifließenden Wasser; der Pöbel rottete fich zusammen und erschlug Mehrere, vermuthlich weil fie den Fluß veruureinigt oder gar vergiftet hätten. Wenn Dürre eintrat, Seuchen Verheerungen anrichteren, Feuersbrünste entstanden, machte man die Juden, deren Unglaube da» verschulde, verantwortlich; man warf fie au» ihren Wohnungen, oder gar in das brennende HauS, tneb fie au» der Stadt, bi» Regen komme, und ähnliche Justiz mehr. Daher vernehmen wir in den Gebeten um Regen bei Gerfchom, Tobelem, Bin» jamin, Jechiel — fämmtlich au» dem eilften Jahrhundert — auch die Klage neben der Erbitterung über das Götzenthum, und die Dichter dreier Jahrhunderte und dreier Länder: Jechiel, Jehuda halevi, Abenesra, Isaak Seniri, Isaak verflechten bei solchem Anlässe in ihre Gebete die Stelle Irrem. 14, 22: „Girbk ,S unter dem Götzenstand der Völker Regen Gewährende?" — Von hier auS zählt nun Zunz Jahr für Jahr die furcht» baren Verfolgungen auf, welche unsere Väter erduldeten — aber wir wollen ihm nicht dahin folgen. Notizen des Tages. Sir MoseS Montefiore wird im Frühjahr nach Jerusalem reisen. \ In Sydney in Australien hat die gesetzgebenre Versammlung beschlossen, jährlich 200 L. St. (1400 Thlr.) zu den Kosten deS jüdischen CultuS dieser Stadl beizurragen. Im vorigen Jahre gab es daselbst 1267 Juden. Zu den, gewiß nicht unwillkommenen Erscheinungen des Tagekönnen wir wohl das so eben fertig gewordene und durch alle Buchhandlungen zu beziehende, im Verlag von Baumgärtner in Leipzig erschienene „Kleines israelitisches Gesangbuch, enthaltend deutsche Lieder und Melodien zu den hohen Festen, zur Todtenfeier, Eonfirmation, Synagogenwethe und vaterländischen Festen. Von Or. Ludwig Pchilippsvn, Rabb. (Eingesührt in die Synagoge zu Magdeburg und andere). Preis: 9Ngr., auflOErempl. ein Freieremplar " — rechnen. Allgemeine Zeitung de» Judeuthiime. No. 44. 4SS8. Leitende Artikel: Die israelitische Literaturgesellschaft. — Der KaratsmuS. Loa Or. Wolff. — Zeitungsnachrichten: Preußen: an» der Provinz Posen, Frechen. Berlins Trier. Re-"', rnugSbezirk Ttter. Algerien: Algier. — Literarische Nachr Mistellen. Leipzig. }fgf Z> beziehen durch jedes Postamt und jede Buchbanblnug. Jährlich 3 Thaler. vietteljähttg */* Thaler. , L«ra»t»onltcher' Redatteur: St. Räbe. Sttlag von va»«gLrtaer'« «nchhnudluns in Seipzig. — Druck von »lixanver Wird« in Lrip,ig.

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