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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 26 (1855) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
26 (1855)
Date
1855-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. / . \ Zur Belehrung tinil UnterOaftung auf jüdischem Gebiete. Herausgegeben von j /"”* . . ■ ■ Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. - ' : > . - i -- i __Ä— — — -» Bon tiffft Bjtittotifi trfAtiRt m»a>eulll» t<n* Mummt. ¥tfi< »,« Aadt» r .« « < ... ■ -» 19C0 26. ISaa. I «*"«* ' »ttmttfl.r«« V/. n«t. M« Bu»Naue,u°««t. #o*lmtrr I 2 L. WIAllNll. I ß^^v-V. lL,ww,J ch>» z.itu,»«exrediti«>,<» nkvmta Bt»t0KN,cn a». Ein FrühlingSlied. Fühlst Du das Nahen de» mächtigen Herrn? Wenn die Ströme brechen die eisigen Bande. Die Lawine 'stürzt von deS Felsen» Rande, Der Wolken Schaaren Hinunter fahren, / Die trägen, ' Schnell vor deS Sturme» gewaltigem Kegen! LI 8eb»dd»i! Fühlst Du da» Nahen de» siegenden Herrn? Wen» die Erd' erwacht x AuS de» Tode» Nacht. Wenn der Sonne Strahl > Durchglübt da» Tbal. Wenn die Wellen der Luft Die Fluren hüllen in feuchten Dust! El Zebaoth I 1 Fühlst Du das Nahen d«S schaffendes Herrn? Wenn die Böglein kommen vom kiernen Sttand, Voll Jubel» da» Häuschen an grünender Wand, Am nackten Felsen zu bauen, Wenn, den Himmel de» Herrn zu schauen, Ta» Würmlein kreucht au» der Erde.Ritzen. Sich heben und drängen der Halme Spitzen! El bore! i Fühlst Du da» Nahen deS liebenden Herrn? Wenn da» Herz im Busen Dir schwellet. Das trübe Auge fich hellet, I Herunter von der bedrückten Brusi Die Bürde fällt in de» Lenze» Lust, Durch die Adern wallt mit fröhlichem Muth DeS GotlkSodem» lösende tzluth! El chessed! Bor Einem hüte Deinen Tohn, Vater, Deine Tochter, Mutter! daist vqr dem No«aneuleseu! Da» häufige Lesen von Romanen ist da- Gift der Jugend, Gift für den Perstand, Gift für da» Herz, Gift für die Bildung, Gift für daß wlrNich« Leben! Da» Romanrnlesen ist dem Essen de» Opium», ist de« Rausche durch Branntwein gleich. Die Leihbibliotheken find, die offenen Buden dieser Vergiftung — legen *ja doch schon die Schulen ähnliche Boutiken an! man doch schon recht wohlfeile Ausgaben,' damit ein Jeder fich selbst ein Magazi» de» entnervenden, betäubenden Stoffe» anlegen könne. Za, die Romane, wie da» Opium, bringen Rück» grsiSverkrümmungende» Geiste» hervor. Erst Mährchen, dann Erzählungen, dann Romane — da» ist, der Weg? Du forderst Beweise? Ich sage Dir. ich habe Menfchen durch zu viel, Romanenlectüre zur Geistesverlrrung bi»poniren gesehen, und bei eine« ersten Anstoß war die Berrücktbett da, in welcher die Romanereien die Hauptrolle spielten . . . Sicher ist eine der Ursachen, au» welcher der Jrrfinn jetzt immer häufiger wird, die wachsende Sucht nach Romane»; und da nach statistischen Nach«: weisen gerade uüter den Juden leider! die Zahl der l&r» ren im Wachsen ist (s. die Allg. Ztg. de» JuHenrh. No. 12.), so mag die gerade unter den Juden — namfUtlich^üdianeu. weil diese weniger gesellschaftlich leben — überaus graffirende Romanensucht nicht den geringsten Antheil haben. Wer einmal fich an Romanlesen gewöhnt hat, der verliert den Geschmack an aller ernsten, belehrenden Lectüre. Vergeben» kleiden sich di«. Naturwisseoschafte» in populäre» Gewand — sie stehen^erwaisi netzen den« Romanen; vergeben» sucht die Religion in allen Tönen ^und Zungen zum Volke zu spreche» — weil sie kein Roman ist. wird fie fast selbst zum Roman, zum Phantom ohne Wirklichkeit. Man schreibt urr»! au» Lemberg: ein israelitischer Literatur-Verein, eine Leitung de» Judentbum». ein jüdische» Bolksblatt, eine Bibel. Vorlesungen — warum sind die» nicht Eugen Sue'sche Romane? , . . Ich nenne Leyiberg, um zu zeigen, wie.«eit diese äkraukheit, die diesmal von Westen nach Osten geht, schon gelangt ist .... Philosophier Kachwiffenschaft — nimmermehr, nur Romane! SeÜst Geschichte. Rrisebeschreibuug — wenn sie nicht zu Romanen verarbeitet find, wie dürre, -trocken! . . . ,, Die Romane verdrehen den Rv^s und^ stellen ihm die Welt unter ganz falschen Bildern, Vorstellungen und Urtheilen vor. Die Romane verderben da» Herz, denn gleißuerisch stellen sie oft Recht als Unrecht, Unrecht al» Recht dar, fie zerren di» Verhältnisse auseinander, um sie' in barocker Weise wieder zvsammenzufügea, fie umgeben da» Schlecht» mit glänzenden Gewändern, bedecken e» mit falschen Farben und Schminken.

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