Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 24 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches VolksMiltt. Zur Belehrung und Anlerhattung auf jüdischem ZeKiete. Hrrautgegeb«« von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfou in Magdeburg. Mo. 24. 1855-1 Von tiefer 3«ilsibf!f« erfibrist »MunKtA eine Nummer. Vreit tri Iadrgaiigl 1 Itlr. Stertflldfen* 7% Mar. Alle *ud>k4nttn*gra. Postta^ier u|t z^UuotzlexpetitioneB nehmen PefttOungen an. * [S.^oljrg. 2. ©aortal] Nur um Einebitte ich ^uch! DaS ist: schließet Tuch nicht gegenseitig aus! ... ES liegt in der Regel im Menschen, daß, waS gegen ihn gethan wird, er seinerseits wider Andere zu üben sucht; wer getreten wird, sucht sich Jemanden auS, den er trete; wer despotisch behandelt wird, liebt eS Lar zu sehr, einen Andern zu deSpotistren. Aber in der That hatte diese- Gesetz auf die Juden insofern keine Anwendung, alS die Juden unter sich jene AuSschlleßuirgSsucht nicht hegten, welche gegen sie so grausam geübt wurde. ES war in Wirklichkeit stetS eine große Erscheinung, wenn man ftühersden reichen Juden sich selbst ein Paar Orchim (an» gepilgerte Arme) zu Tische laden sah. und wie, wenn irgendwo daS Geld eine Ungleichheit hervorgebracht, man schnell diese auf andre Weise wieder auSzugleichen strebte. Da eS keinen Abel unter den Juden giebt. und da die Bildung und tzer Geschznack kein Privilegiumdex Reichen, ist, tt wüßte ich wirklich nicht, worauf sich solche Ausschließung vernünftiger Weise stützen sollte.1 Selbst der Reichthum kann bei den Juden keine Unterschiede hervor» bringen, da egerade bei ihnen sehr wenige Millionäre giebt, deren Väter nicht arpt waren, und^deren nächste Verwandte eS nicht noch sind. ..Alle Söhne Israels find Brüder!" ist ein schöner, alter Spruch, und wenn irgend Etwafi^r unverdiente- Vorurtheil. für unverdiente Hintenönsetzuig. entschädigen kann, so ist eS dieses Gefühl der Gleicht eit innerhalb! seiner großen Klaubens- und StammeSgcnofflnschaft. Wir,! die wir noch unfern ersten Ahn kennen, uni wissen, wie dieser zur Faiyilie, und diese zum Volke nurde, denen also ihr gemeinsamer Ursprung stetS vor Auzen ist. wir müssen jene, Satz, als einender edelsten Kleinode betrachten und ^üten, welche unsere Religloü dargeboten und unsere Geschichte gefaßt, polirt und bewahrt hat. Deine Geschichte, o Jude! V. haben gesagt: die Thorah, dieser Grundstein der gan^ E Mtschrn Literatur, ist zunächst Geschichtschreibung. Und fürwahr! hörte die EtrLmung der Geschichtschreibung bei den alten Israeliten nicht wieder auf. und eS hat keine Zeit gegeben, wo der Brauch, die Geschichte der Zeit |u ‘ beschreiben und genealogische Vermerke z» machen, ganz geschwunden. Ln die Thorah lehnt sich das Buch Joschua, an dieses das Buch der Richter und daS Buch Ruth, an dieses die beiden Bücher' Schemuel, hieran die beiden Bücher der Könige, die Bücher Esra und Nechemjah, die zwes Bücher der Chronik, das Buch Esther, die Kapp. 7—12. deS Buche-' Daniel. Aber diese Schriften stad ja nur Ueberreste einer großen, verloren gegangenen, geschichtlichen Literatur, an welcher so viele PropheteiR mitgearbeitet! ES bestand ein großes Werk, nrm *nan genannt, tzaS mindestens mit David anhob (1 Ebroy. 27, 24.) und nach Schelomoh (1 Kon. 11, 41) die Könige von Juda und von Israel in getrennten Abtheilungen und Abschnitten behandelte, selbst nach dem Erjl wieder ausgenommen und fortgesirhrl ward, wenigstens bis gegen 400 .vor der gewöhnl.' Zeitr.. wie das Citat Nechemj. 12, 23. erweist, und in welche- Werk viele Specialschriften vollständig ausgenommen wurden, wie vom Seher Jehu, vom Propheten Jeschajah u. And. Außerdem lagen dem Verfasser der noch. vorhandenen ..Chronik" Specialgrschichten.vaa SLewnel. ÖUb, fttat&a«, Achijah, Jddo, Schemajah, sämmtlich Propheten, dann von einem Chosai (2 Ehron. 33, 19.) vor. DaS sind die in unseren heiligen Büchern eitirten, wie Bieli-mag es^noch gegeben haben, von welchen zufällig nicht einmal die Titel übrig geblieben! Aber auch nach dem Abschluß der heiligen Schrift hat die Geschichtschreibung bei den Juden noch eine Zeit lang fortgedauert. An die letzten Kapitel deS BucheS Daniel reihen sich die „Bücher der Makkabäer»" an diese die Ge» schicblSwerke deS JosephuS. Dann aber trat ein.merkwürdiger Wechsel ein.. Sptr haben gesagt: die Thorah ist zunächst Geschichtschr.e,buog und Gesetz. DaS Gesetz hat keine weitere Literat« hervvrgebracht. Nur hie und da ein Anklang bei den Propheten, eine bestimmte AuS» spräche allein bei ZecheSliel Kapp. 40—48. Die Legislatur als Schrift schwreg bizur Mischna. Bon da ab aber hörte die Geschichtschreibung bei den Juden auf! Biele Jahrhunderte hindurch haben wir nur Brosamen auS den Winken der Mischna, der Gemara, der Midraschim und Späteren zu klauben; den letzten Jahrhunderten erst gehören wieder einige unvollständige Geschichtsbüchlein an, wir Juchasin und Schebet Jehübah (beide um 1500), Zemach David (1600) und mehrere Andere, des falschen Jostphon (den Saadja zuerst erwähnt) nicht zu gedenken. Seitdem da- Gesetz wieder schweigt, hat nun auch die Geschichtschreibung wieder angesangen. ES ist dies eine merkwürdige Beobachtung, welche wir hier hum ersten Male auS» sprechen, die abqc eine. Erklärung wohl zuläßt. Doch noch Einige- Über den Charakter der Geschicht»