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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 23 (1855) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
23 (1855)
Date
1855-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Volksblatt Jüdisches Zur Belehrung und ANIerhattung auf jüdischem Gebiete. Heraulgegebe» von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Mo. SS. 1855-1 Bon bitter IeiißLrifi ertckeint w-ckenilick eine Nummer. Prei« kr« Aadr- «ang« 1 Lblr.! VrerleljLUrig 7'/, R^r. Ave Buüidanklunken. PvftLmier un»l gtiiun-«exp«rit>on»v nedmen BeSeHuugrk a» sL.Iahrg. s.MvgrülL.^1 Wahre Dich, Jude, ansonders vor Einem! Und waS wäre Die«? . . Indem Dp nie vergissest, daß da« von den Nichtjuden mit der Mu termilch eingefogene Bvrurtheil noch lange nicht überwunden ist,, daß sie Dich immer, noch nur duld oder gar lieben, daß sie, selbst wenn sie Wohltharen ail« Deiner Hand empfangen.' Nutzen vm Dir ziehen, die« mit Mißbehagen, ja Widerwillen indem dieS AlleS Dir nie ganz entschwindet, sei offen für Jedermann, nie aber zudringlich und dränge Dich nicht in Kreise, in welche Du nicht gehö'st, und welche Dich doch nur widerstrebend dulden, d:nn früher oder später wirst Du eine Zurückweisung ersahen, welche Dir dann um so schmerzlicher ist, und bei der einmal auf Mitgefühl irgendwo zu rechnen Ich will Dir da ein NeineS unschuldiges Beispiel vor führen. er Orient und von Land und Jüngst erhielt ich ein Reisewrrk: ,,2 Europa, Erinnerungen und Reisebilver Meer. Von Eduard Freiherr« von Eallot (Leipzig. 1854.)". von dem ich in der AUgem. Ztg: VeS Juventh. schon mehrfach gesprochen. Im vierten Theile erzählt der Herr Frriberrr. wie er auf seiner Nilfahrt in seinem Schiffe bei Fuah, einem Städtche n, wo viel.Verkehr ist, angehalkcn. Da sagt er S. 91 mich nur a»S Land, mich ein wenig umz »sehen; als mir ein junger Mann begegnete, den ich voi naten in Stambul und nur kürzlich in A hen und gesprochen hatte. Er war auS örorv in Galt» zien gebürtig, nannte'sich Blomberg uni hatte, wie er mir schon früher gesagt, den Russen gedient. Dieser nun drang in mich. ihm die Ehre zu erweisen und eine« Teller Suppe bei ihm nicht abzulehnen. Ich muß gestehen, daß mich diese Einladung doppelt in Belegenheit fetzte: einmal, weil eS vielleicht bald wieder Ze t zum Absegeln war. dann, weil ich den guten Mann zu wenig kannte, um eine solche Höflichkeit von ihm anzumhmen, von der ich nicht wußte, ob und wann ich ste svürde erwiedern chkeit, mich von; und wen« ich können. Ich wand mich daher nach Mogl der Sache Io« zu machen, aAein vergehen« ihm seine Gefälligkeit »rch» »it Grobbeite r lohnen wollte, mußte ich mich bequemen, «it ihm nach einer Wohnung zu wandern." „Seine freundliche Fron bot Alle« auf. Ach mir gefällig zu zeiget und ich mußte mich, ohueraAet ich da«. Fieber von Alexandrien mitgebracht Halle, entschließen, Du dann nicht hast! Aegypten mit .Ich begab mehreren Moerandrien gesemehr zu genießen, als mir lieb war. Ethat mir ge» wiffermaßen wohl, die deutsche Muttersprache wieder zu hören." ,,Sonderbar! — die Leutchen sprachen so gute-, rednrS Deutsch, daß ich durchaus nicht merkte. waS ich ersti später in Kairo erfuhr: daß sie jüdischen Stamme« sein. Nun wenn auch! dachte ich damals., sie wirren doch recht gutherzig und gefällig: -gegen mich und haben mir nur Freundliches erwiesen, wofür sie von mir durchaus keine Geringschätzung verdienen. - Zudem bi» ich Kosmopolit und habe mich nie um die religiöse Meinung Anderer gekümmert, wenn sie nur edle, rechtschaffne Menschen waren. Mer wurde Anstand nehmen, mit einem MosrS Mendelssohn, mir eine« Benedict - Spinoza ein Freund» schastSbündniß zu schließen? Waren diese Männer nicht edler und erhabener, als tausend-Christen? — Ja, aber eS gab nur einen Mendelssohn, nur einen Spinoza. UebrigenS haben wir. welchem Volke, ' welche« Glaube» wir auch angrhören wögen, einen gemeinschaftlichen Vater — den unendlichen Weltgeist, der Alle mit derselben Wage wiegt, der Alle mit gleicher unendlicher Liebe umfaßt. Für ihn, den Allerweifesten, giebt eS keinen Unterschied dis Glaubens! Ich habe unter allen Völker«, unter allen ReligionSfecten. unter allen Himmelsstrichen gute, edle Menschen gefunden, und sie überall als Brüder geachtet." — Soweit Herr Eallot. Ist da» nicht köstlich? In ferner Weltgegend redet den Mann Jemand deutsch an— waS ihm freilich nur „gewissermaßen" wohl that — und bewirthet ih« auf- Freundlichste und Zuvorkommendste — und er windet und entschuldet sich, und philosophirt, weil — e« ein Jude war, der ihm die« hat widerfahren lasse«! Sr ruft Mendelssohn und Spinoza, die. jene, eia. dieser zwei Jahrhunderte im Grabe rnhen, zu Hülst. um sich nur zu rechtfertige«, »aß er bei einem Jude» gegessen! Noch »»ehr, er pocht-auf daö göttliche Wesen, steift sich auf denKoS »opoliriSmuS, um sich rein zr^wosche» von der Sünde,, eine» Deutschen in der Wüste die entgegcngestreckte Rechte gedrückt zu haben, weil dieser Deutsche >— rin Jude w«r! So stnd ste mit geringer Ausnahme Alle! Fürwahr, gege» die'Stufe, welche i» der Acht»»D unfte Väter et», genommen, stehen wir bedeute»d hützMl — eS iß u»l sehr fast» HemOcht worden — woltenwtr höher steige», fo km» «0 ietztDlich durch edle Zurückhaltung und Selbst, schätzung geschchen!

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