Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 21 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. 3" ' ■ ' Belehrung uni) UnterOaftung auf jüdischem Gebiete. Hekans-e-ebe» »»» Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. a-4 4 OSSI »on dtkser ers»»i»t »ae>»»,lie» »in» n«»»,r. »rri« »e« S«»r ... . [5lo. 81. 1855.] .»sSSÜMXuS. ÄÄ l S ^°hrg. 8. ®MrtiL] Derne Geschichte, o Jude! II. Die Geschichte unsre- Stamme- und Glaubenhat eine dreifache Periode: die erste der Herimbilduug. von dem Tage an, wo Abraham, voll der Erkenntaiß «ineeinzigen „allmächtigen Hotte-, Schöpferde- Himmel- und der Erden (wnv nrrp -nv b* y*w), sei» Vaterland verließ, den Euphrat überschritt, und durch die syrische Wüste nach Eanaan zog. bizu dem Tage, wo die Herrschaaren Israelunter Joschua aus ,,den Gefilden Moab's durch den Äarden^ in Eanaan ihren Einzug hielten. Dieist die Zeit, in welcher audem Manne Abraham ein Volk von 600.000 streitbaren Männern, also von ungefähr 2'/, Millionen Seelen wurde, die» die Zeit, in welcher die einfache Erkennmiß in Abraham zu der großen geoffenbarten Lehre und deren Verwirklichung in Heiligung, Liebe und Recht, in Gesetz. Recht und Sitte, wie die Thorah sie vor uns au-breitet, wurde, nach der Tradition vier, nach de« Schriftworte fast sieben Jahrhunderte (bi- 1400 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung). Die zweite Periode: die der nationalen Selbstständigkeit, in welcher Israel daheilige Land befaß und bewohnte. -war nicht immer in völliger Freiheit und Unabhängigkeit, sondern allzuoft unter der Oberherrschaft fremder Dvnaften, doch aber in seiner Religion, in seinem Gesetz, io Recht und Sitte Israel-. über fünfzehn Jahr- Hunderte (bizum Jahre 70 der gewöhnl. Zeitr.). Diese lange Zeit ist aber durch die Gefangenschaft in Babel in zwei ungleiche Epochen getrennt. Die erste bizur Zerstörung deersten Tempel- (£88) durch Slebuchadnezzar, König von Babel, neun ^hrhunderte, ^enthält: den Kampf der geofsenba/ten Lehre mijt dem Hei» denrhume im Schooße^hsraelselbst. Immer wieder, unter de» Richtern und Königen, verfiel Israel dem Heidenthume, ober immer von Neuem erstanden gottbegeisterte Seher, gotterfüllte Männer und Könige,' »velche die Gräuel entfernten und da- Bolk zur! Religion und zum Dienste de- Einigen zurückführte». Innerhalb der babylonischen Gefangenschaft ward dieser Kampf beendet, und alle, die nach Jerusalem zurückkehnen, waren solche, in welchen da- Hetdenthum überwunden war. Diezweite Epoche nun, welche minder Erbauung de-: zweiten Tempelbegann und btzu dessen Fall dauert^, sech- Jahrhunderte. hat zum Inhalt: die geoffenbarre Lehre im Schooß« Israels zu befestigen, indem sie das Lebe» der Gesammthetr und jede- Einzelnen In Thar und Sitte durchdringe und gestalte. Ru dem zweiten Falle Jerusalemdurch »es Römer - Titu- Schwert (70 der geivöhnl»^ Zeitr.) beginnt die dritte Pniode: die der Aerstrennng Israelunter den Völker«, mir dem erhabenen Zwecke: aufrecht-zu erhalten die ganze und unangetastete geoffeabarte Lehre des einzigen, ewigen Gottes, zu erbalten die religiöse Idee tn ihrer Totalüät und Integrität. Wir unterscheiden'»» diesen, fastachtzehnJahrhundeneneine dreifache Zeit; die erste bürgerliche Freiheit, welche mit dem, Siege de» Ehristenchum» nach unb nach, gänzlich genommen ward —7 bi» zum Jahre 43fi; die zweite völliger Ausschließung und Absperrung — bis zum Jahre 1783; endllch die dritte der beginnenden gänzliche» und theilweisen Gleichstellung «nd immer erweiterten Lheilnähme am allgemeinen Leben. Eine Familiengeschichte. «Mi 8. e*r. Ein Novembersturm heulte um d^e Essen, durch die Straßen, über die Kirchhöfe, daß die Ziegeln von den Dächern fielen, und die Baume flch krümmten und ächzten; dabei fiel von Zeit zu Zeit ein Regenguß klatschend auf das Pstaster nieder; Thüren, Fenster und Läden klapperten. und in den Schornsteinen war es von wehklagenden Stimmen lebendig. In solchen Stunden ist der Mensch eigentlich zur Bangigkeit geneigt, und das Herz klapst, zwar nicht voll Furcht, aber doch gedrückt und geäagflet: e» ist ihm. alt ob Alles rings um ihn feindlich gegen ihm gesinnt wäre, und alle Augenblicke der heimliche Haß di» Elemente furchtbar übe^ ihn losbrechen wütde; nur iD Menschen findet der Mensch seine Hälft, seine» Schutz — wehe, wenn auch sie stch bekriegen, wenn auch unter ihnen keine Liebe, keine Tretle, keine Rachstcht. sondern stürmischer Haß, wilde Leidenschaft und Gier! .... Und Sturm schien in den zwei Herzen zu weile», welche in der^ schönsten Zimmer des schönen, prächtigen Haich- »es Großhändler» M . . . schlügen, vergessen des Außens. . Der Herr »ad die Herrin des reichen Hauses befänden stch in großer Aufregung, aber nicht wider eiaauver. Hastig schritt jener immer wiederholt und aufgeregt im Zimmer auf und nieder, daß der Schritt selbst ans den weichen Teppiche» hallte. Die Dame saß angklehnt auf de» S>i»n, aber eine gleich« Bewegung schante aus ihren funkelnden Klugen, »ns ihr» geröthetea Waagen, aus ihre» zufammengekntffeae» Lippen hervor^