Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 19 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Kolksblatt. Zur Belehrung und AnterhaNung aus jüdischem gebiete. HerauSgegedeu von Rabbiner: Dr. Ludwig Philippfou in Magdeburg. \ [9lo.l9. 1855] i'cn Mrfrr naiifll I iülr tf<bnfi rrfcbehtr «rOa-enlltck eine Kunsier. ttreil tr» Jahr« . Bv « ' A _ . ,!v>eetcljädriA "7, Mar. flDe euakdutluu^en, i-rtimur I £ jd||f| BTIHMIiI I -]ei»ui>,»erreditione» nehmen eefteOunntit «n, 1 Vv* * "‘‘"“J Die drei Leidenschaften. Erzählung vor» Ludwig Schragge. IV! Der letzte S ck r i t |t. 3 ose schwelgte eine Zeit lang in der Befriedigung seiner Herrschsucht. Etz war viel zu ordnen jtnd einzurichten, und seine Tbätigkeir bewundrungSwürdig. Bald aber zeitzten sich zwei Nebelstände, welche dem 3oje viele Sorge machten. Don Enrico war schwer zu leiten;.der geringste Verdacht, daß man ihn zu beherrschen glaube, ließ ihn baS gerade Entgegengesetzte wählen, und dabei gerieth er beim leichtesten Hinderniß in eine furchtbare Wuth, welche ihn blind sür seinen eigenen Vvrthe«! machte. Da» Volk liebte ihn nicht, und seine Wildheit, die ihn bis zu grausamen. Handlungen hinriß. entfremdete ihm täglich immer mehrereseiner eignen Anhänger. E» halte sich sogar die | Sage, verbreitet, daß er selbst i» jenem unglückseligen j 2 reffeseinen Bruder Don Pevro gethdtet) und diese , Sage lwurde begierig geglaubt.! Der andere Uebelstand war — der Mangel an Geld. | Schon fingen die Söldner an, schwierig zu werden, weil innen der Lohn nicht gezahlt' ward, -welchen man ihnen als Preis deS SiegeS verheißen hatte. ES war immer! nur der Reichthvm und die große Gewandtheit, Geld herbei zu schaffen, welche einen Juden zum höchsten Rathgeber deS kastilischen Königerhoben, und auch Don Samuel hatte nur dieser Quelle seine hoh§ Macht zu verdanken gehabt. Enrico sprach schon offen> die Frage auS: waS Jose im Palaste d,S Königs wolle,j wenn er keine Mittel hatte, die Geldverlegenheiten des! Königs zu vermindern. Besser erging eS Menahem und Lopez; jener schwelgte im Besitz und der unaufhörlichen Vermehrung der Reichthümer. welche er jetzt sein nannte, und Lopez in den Genüssen, welche seine freigebig^ Gemahlin ihm verschaffte. > . ' Jose war aber nicht der Mann, welker sich so leicht schrecken ließ. Er gedachte alSbald feinet BrukerS, und; eilte. ihn in »seinem Häuschen in der Torstadt auf}ufu*~r chen. Die beiden Brüder stan-en sich feit langer Zeit : zum ersten Male wieder Angesicht zu Angesicht gegenüber.! -Jose begann: „Der Zweck meines Kommens, Menabem, \ tst, Dich aufzusordern. Dich mit mir zu verbinden. Wtt : haben allzulang daS brüderliche Band vernachlässigt, unter I dem Einflüsse unseres beiderseitigen DorcheilS soll eS um so fester werden. Du weißt. Reichchum ist nichtohne Macht. Macht nichts ohne Reichthum. Ich befitze Macht, Du Reichthum. Vereinigt werden wir Eaftilien beherrschen; vereinzelt werden wir ^eide üftterliegen." — Menahem sah seinen Bruder scharf an und erwie-, dertr: „Ich könnte Dir antworten, Reichthum ist schon. Macht, wenn ich übexhauptl reich wäre, wie''ich eS bet meinen geringen Mitteln niäft bin, und wenn ich über-: Haupt Freund von Worten wäre. Hage mir lieber. waS Du von wir willst.^ — ,.Jch will." sprach Jose, >aß Du dem Könige Enrico eine ziemliche Summe zu Gebote stellest, und ihm -überhaupt eine» bedeutenden Eredik eröffnest, wofür Dir genügende Bürgschaft gegeben wird, und Du einen Sitz ii? seinem Rathe einnehmen sollst." — Menahem frug vorsichtig, wie viel man denn ungefähr wolle, und als nun Jose die Summe genannt, welche augenblicklich geschafft werden müßte, ' fuhr er in heftiges Lachen auf: welcher Thor ihn im Dejsitze solcher Reichthü«^ mer. glaube, ihn,- der nichts als ein unbemittelter Agent deS Don Samue] gewesett und uit diesem seine beste NahruügSquelle verloren habe.- Jose müsse doch wohl an, besten wissen, wie viel MaravediS Rabbi Meir auS Cordova ihnen mitgegeben^ alS fie daS väterliche Hauverließen. „Und darin." rief er bitter auS, „Bürgschaft ... wo ist Bürgschaft,'.wenn.D»0 Ale sandro) der Oheim d,S Königs, drohend an der Grenz, steht, gerufen vom Volke und der Mehrzahl der Hroien?!" — Jose erbleichte. „WaS weißt Du?", stammelte er. „WaS ich weiß," lautete die Antwort, „ist, , daß Don Enrico'S Thron noch lange nicht, so fest steht, daß Leute, die Etwas zu verlieren haben, ihre Schiffe um seinetwillen verbrennen sollten." — Jose verhandelte noch eine Zeit lang mit ihm, .sah. aber wohl. ein. daß auf diese Weise nichts zu erreichen sei. und entfernte sich. Er wußte, daß Menahem mit her drohenden Stellung deS Prinzen Alessandrv Recht'bähe, welcher von Beginn an über daS unbrüderliche und . ungerechte Verfahren Enrico'S ergrimmt war. um so mehr, da U den Wille» seine» Bruder-, de» weifen Ejtncho, gekannt hatte und da- Verschwinden de» Testamentder Hinterlist Enrico'S zuschrieb. Nur ärgerte sich Jose, daß auch Ander, darum wußten, und knirschend verließ er daS Hau» seines Bruder». . Er lenkte seine Sollte nach, dein Palaste deS. Lopez, und fand diesen im elegantesten Eosiüm jener^Zeit, sanft in einem Lehnstuhle hiUgestreckt, eine Flasche de» feurig-